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Im Interview mit dem Vorsitzenden der Sylter Unternehmer, Karl Max Hellner

Würden Insel wieder öffnen

Foto: Hellner Karl Max Hellner ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Vereins Sylter Unternehmer.

Insel Sylt.(hwi) Über einem Monat ist die Insel fast gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten, denn seit dem 16. März dürfen aus bekannten Gründen keine Gäste mehr nach Sylt reisen. 34 graue Tage für die Sylter Wirtschaft – und das bei teilweise traumhaftem Frühlingswetter, gerade über Ostern, wie jüngst erlebt. Wie geht‘s nun weiter für die gänzlich mittelständisch geprägte Wirtschaft, für den Sylter Einzelhandel, für Gastronomie und Hotellerie, für das Handwerk? Karl Max Hellner, Vorsitzender der Sylter Unternehmer, war spontan für ein Interview mit unserer Zeitung bereit.

Herr Hellner, wie steht die Sylter Wirtschaft aktuell da?
Viele Unternehmen auf Sylt sind betroffen, sehr betroffen, weil durch den Erlass der Landesregierung die Läden geschlossen werden mussten und wir dadurch keinerlei Einnahmen mehr haben. Den Vermietern und den Hotels geht es genauso. Fortsetzung auf Seite 6

Was erhoffen Sie sich von den Bund-Länder-Gesprächen, die jetzt zur Minute in Berlin per Videokonferenz stattfinden?
Man darf ja viel träumen, aber ich glaube nicht, dass es eine sofortige, weitreichende Öffnung geben wird. Trotzdem muss es ja nun schrittweise vorangehen, denn wir können die deutsche Wirtschaft nicht über einen noch wesentlich längeren Zeitraum lahmlegen. Daher denke ich, dass es den ersten Schritt geben wird, wie auch immer der aussehen mag. Aber helfen wird das alles erst, wenn wieder Touristen und Zweitwohnungsbesitzer auf die Insel kommen können, denn die machen einen Großteil des Umsatzes für fast alle Sylter Unternehmen aus.

Daraus folgert Ihre Forderung, dass die Insel schnellstmöglich wieder geöffnet werden muss?
Ja, wir würden die Insel wieder öffnen wollen. Ich glaube, dass das auch möglich ist, wenn Vorsichts- und Hygienemaßnahmen eingehalten werden und diese Maßnahmen im Einzelhandel, in der Gastronomie und in den Hotels umgesetzt werden. Als Sylter Unternehmer haben wir zusammen mit dem Dehoga, mit den Tourismus-Direktoren, mit der SMG und den Bürgermeistern eine Risikoeinschätzung und daraus resultierende Maßnahmenvorschläge gemacht – und daraus geht hervor, was man machen soll, was man machen kann. Ich glaube, dass wir gut und detailliert dargestellt haben, dass man kleine und auch große Läden öffnen kann. Und oftmals ist es ja in einem großen Laden einfacher, den Abstand zu gewährleisten, als in einem kleinen Laden. Deshalb verstehe ich die aktuelle Diskussion nicht, nur kleine Läden aufzumachen.

Die Sonderstellung der Insel wird ja in diesem Positionspapier auch angesprochen. Wenn also in Hamburg, in Frankfurt branchenweise oder vollständig wieder eröffnet wird, dann muss auch auf der Insel wieder eröffnet werden, denn letztlich, so steht es in dem Papier geschrieben, sind ja die Verhaltensweisen der Menschen und die Schutzmaßnahmen entscheidend, nicht der Ort. Halten Sie das für klug?
Ich halte es für richtig, dass Sylt nicht anders behandelt wird wie andere Inseln, nehmen wir Föhr und Amrum – oder Fehmarn und Rügen. Die Wirtschaft dort will ja auch einheitlich wie das Festland behandelt werden. Und wir leben nunmal alle vom Tourismus. Wenn dieser Tourismus aber nicht stattfindet, wird uns die Existenzgrundlage entzogen. Und dann wird es ein großes Firmensterben auf den Inseln geben, sollte dies noch wesentlich länger anhalten.

Was halten Sie von diesem Positionspapier, das Mitte der Woche veröffentlicht wurde?
Als Vorsitzender der Sylter Unternehmer bin ich Mitglied in dieser Gruppe. Ich finde das sehr gut, weil es gegenüberstellt, was machbar ist und wie hoch die Risiken sind. Es ist eine Anregung für die Regierung, die Chance einer Eröffnung von einzelnen Branchen den Maßnahmen gegenüberzustellen, die ergriffen werden müssen, um ein Infizierungsrisiko für die Bevölkerung möglichst zu minimieren. Und wir haben dargestellt, welche Branchen, welche Veranstaltungen die entsprechenden Risiken haben. Die Eröffnung eines Ladens hat ein anderes Risiko als ein Open-Air-Konzert, bei dem die Menschen naturgemäß dicht beieinander stehen. Und diese Unterschiede haben wir in drei Kategorien eingeteilt. 1 bedeutet relativ geringes Risiko und 3 hohes Risiko, Öffnung also erst bei Vorliegen von Impfmöglichkeiten.

Letzte Frage: Warum hat laut diesem Papier Bürgermeister Nikolas Häckel an den Gesprächen zur Erarbeitung des Positionspapiers nicht teilgenommen?
Der Bürgermeister hat an allen Gesprächen teilgenommen. Er konnte nur nicht mit unterschreiben, da er sich ja erst ein Votum der Gemeindevertreter einholen muss. Das hat er in der Kürze der Zeit nicht bekommen. Ich finde das schade, denn das Papier wurde den Gemeindevertretern zur Verfügung gestellt, aber offensichtlich so kurzfristig, dass sie darauf nicht mehr eingehen konnten.

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