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Bürgermeister Ronald Benck nimmt Gemeinde Sylt in die Verantwortung

Sehr deutliche Töne aus List

Foto: hwi Bürgermeister Ronald Benck moderierte die Einwohnerversammlung am Dienstagabend im Erlebniszentrum Naturgewalten.

List.(hwi) „Uns allen hier auf der Insel ist bewusst, dass die Gremien der Gemeinde Sylt es in der Hand haben, ob allein in List und Hörnum über 500 Dauerwohnungen gebaut werden können – oder ob die Planungen dafür vernichtet werden.“ Lists Bürgermeister Ronald Benck wurde nach der Einwohnerversammlung am Dienstagabend im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Benck spricht den raumordnerischen Vertrag an, in dem das Land Schleswig-Holstein den Bau von Dauerwohnungen für Sylter regeln will. Mehr als 300 dieser Wohnungen sollen im Lister Dünenpark entstehen, dort also, wo sich früher die Marineversorgungsschule befand. Rund 200 weitere Wohnungen sind in Hörnum-Nord geplant, 25 außerdem in Kampen. Vertragspartner des Landes sind die fünf Gemeinden der Insel: die Gemeinde Sylt und die vier Amtsgemeinden List, Kampen, Wenning­stedt-Braderup und Hörnum. „Der Vertrag sieht vor, dass alle fünf Gemeinden diesem raumordnerischen Vertrag zustimmen müssen, um ihn in Kraft zu setzen“, erläuterte Benck. Zugestimmt haben bereits die Gemeindevertretungen von Hörnum und Wenningstedt.

Kampen hat Zustimmung signalisiert – und durch den Lister Bauausschuss ist die Entscheidung bereits durch. Die endgültige Zustimmung der Gemeindevertretung war am Donnerstagabend in List reine Formsache, allerdings lag der Redaktionsschluss für diese Ausgabe vor dem Beginn dieser Sitzung.

„Wir kämpfen hier seit sehr langer Zeit dafür, dass die Zustimmung zu diesem Vertrag kommt. Seit langem ist der lediglich sechsseitige Vertrag allen politischen Entscheidern der Sylter Gemeinden bekannt“, sagte Ronald Benck unserer Zeitung. „Wenn die Gemeinde Sylt sich jetzt innerhalb von vier Wochen zusammenreißt, dann könnte auf Grundlage dieses Vertrages noch vor dem Winter mit dem Bau der dringend benötigten Wohnungen beginnen. Sonst nicht!“

Die Fortschreibung des Wohnraumentwicklungskonzeptes sieht in den nächsten Jahren einen Bedarf von inselweit mehr als 2.500 Wohnungen. „Auf dem Potential bebaubarer Flächen können aber nur etwa 1.700 Wohnungen realisiert werden, davon kurzfristig nur rund 1.000 Wohnungen“, so Benck. Und weiter: „Vor allem das Kommunale Liegenschafts-Management der Gemeinde Sylt (KLM) sollte den Wohnungsbau auf der Insel vorantreiben – seit 2014 sind jedoch nur 384 neue Wohnungen auf der Insel entstanden. Jetzt besteht die große Chance, dass kurzfristig über 500 neue Wohnungen in den Amtsgemeinden erstellt werden können“, so der Bürgermeister. Das, so Benck, wäre ein wichtiger erster Schritt zur Lösung von einem der größten Probleme, vor dem Sylt seit Jahrzehnten steht: dem eklatanten Mangel an Dauerwohnraum. „Klar ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Gemeinde Sylt nur über den geringsten Teil der benötigten Flächen verfügt“, so Benck. „Es sind tatsächlich alle Gemeinden nötig – und die sollten nun endlich im Sinne der Sylter, die dringend Wohnraum suchen, an einem Strang ziehen.“

An der Realisierung des raumordnerischen Vertrags hängen neben den Dauerwohnungen noch weitere Entwicklungen, die ohne diesen nicht umsetzbar wären. Dr. Marc Weinstock, geschäftsführender Gesellschafter der Firma „DSK-BIG“, die den Dünenpark entwickelt, erläuterte bei der Einwohnerversammlung, dass auch das Lister Schwimmbad, die Mehrzweckhalle, der Sportplatz und der geplante Kindergarten eng mit dem raumordnerischen Vertrag verknüpft sind. Das Schwimmbad ist Teil der früheren Marineversorgungsschule, die in den 1930-er Jahren von der Wehrmacht gebaut worden war, aber nie von zivilen Bauämtern genehmigt wurde.

Die rund 90 bei der Einwohnerversammlung anwesenden Lister Bürger erfuhren darüber hinaus, dass die Energieversorgung Sylt bis März/April 2021 die Fertigstellung ihrer umfangreichen Bauarbeiten in den Bereichen Wasser, Abwasser, Strom und Gas plant. Und: Aller Voraussicht nach wird für den Lanser Hof im Oktober diesen Jahres Richtfest gefeiert.

Kommentar von Heiko Wiegand
Vordergründig und aufgesetzt
Die vier Gemeinden des Amtes sind sich einig oder haben den Weg zur Einigkeit signalisiert: Der raumordnerische Vertrag mit dem Land Schleswig-Holstein soll beschlossen werden und maßgeblich dabei helfen, die seit Jahrzehnten herrschende Wohnungsnot auf der Insel in den Griff zu bekommen. Auf dem Spiel stehen aktuell rund 500 Wohnungen, die gebaut werden sollen, 200 davon in Hörnum und rund 300 auf dem Areal der früheren Marineversorgungsschule im Zentrum von List.

Auf diesem heute „Dünenpark“ heißenden Gelände sollen neben den 300 teilweise auch geförderten Dauerwohnungen für Sylter rund 90 Ferienwohnungen entstehen. Und da der Regionalplan eigentlich für Sylt keine Neubauten von Ferienwohnungen mehr zulässt, hat das Land zeitgleich zur Bauleitplanung ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren aufs Gleis gesetzt, um für den Bau der Ferienwohnungen eine rechtliche Grundlage zu schaffen.

Genau an dieser Stelle liegt für die Politiker der Gemeinde Sylt der Hase im Pfeffer: Der Bauausschuss der größten Inselgemeinde hat Bedenken gegen dieses Zielabweichungsverfahren. In Westerland fragt man sich: Wie wirkt sich der Plan mit 300 Dauerwohnungen und 90 Ferienwohnungen auf die öffentliche Infrastruktur respektive auf den Straßenverkehr aus?
Die offenbar hauptsächlich mit zusätzlichem Verkehr begründete Skepsis mutet seltsam vordergründig und aufgesetzt an – vor dem Hintergrund nämlich, dass das in List Geplante ziemlich winzig erscheint gegen das, was vor 13 Jahren in List aufgegeben wurde. Zur Erinnerung: Dem Kommandeur der Marineversorgungsschule standen bis in die 2000-er Jahre rund 270 Soldaten und zivile Mitarbeiter Stammpersonal zur Verfügung. Mit Familien. Außerdem absolvierten in List in jedem Jahr 650 Rekruten ihre Grundausbildung. Und: Jährlich waren etwa 1.800(!) Lehrgangsteilnehmer teilweise über Monate in List zu Gast, um Fachlehrgänge zu besuchen.

Es wäre vollständig naiv anzunehmen, dass die Soldaten und ihre Familien – ökologisch vorbildlich – sämtlich mit dem Bus oder auf dem Fahrrad über die Insel unterwegs waren. Im Gegenteil: Zum privaten Pkw-Verkehr der Soldaten und zivilen Mitarbeiter unterhielt die Marine in List und darüber hinaus einen bedeutenden Lkw-Verkehr zur Versorgung der Soldaten. Hat alles geklappt.
Und jetzt plötzlich nicht mehr? Gerade vor diesem Hintergrund erscheinen die Bedenken aus Westerland vordergründig und aufgesetzt.

Es wird Zeit, Vernunft einkehren zu lassen. Auf dieser winzigen Insel endlich an einem Strang zu ziehen. Und im Interesse der Sylter zu handeln.
Auf auf und voran!

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