Westerländer Feuerwache im Gewerbegebiet Tinnum: Im Interview mit Wolfgang Kloth

„Gemeinde schiebt Thema vor sich her“

Foto: © Archiv / Sylter Spiegel GmbH

Gemeindewehrführer Wolfgang Kloth stand dem Sylter Spiegel in Sachen „Feuerwache Westerland – hat sich der Standort im Gewerbegebiet am Flughafen nach genau vier Jahren bewährt?“ ausführlich Rede und Antwort.

Mi, 29. Aug 2018
Tinnum
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Westerland
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Sylt

Auf den Monat genau seit vier Jahren steht die neue Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr Westerland im Gewerbegebiet in Tinnum. Der Standort war bereits vor Baubeginn umstritten – und auch nach Fertigstellung im August 2014 gab es Diskussionen über bestehende Mängel. Der Sylter Spiegel hat mit Gemeindewehrführer Wolfgang Kloth darüber gesprochen, ob die Mängel zwischenzeitlich beseitigt wurden und die Kameraden sich an ihrem neuen Standort eingelebt haben

Herr Kloth, haben Sie als Gemeindewehrführer den Eindruck, dass die Kameraden mittlerweile in den neuen Räumlichkeiten angekommen sind?
In den Räumlichkeiten selbst sind die Kameraden sicherlich gut angekommen – bis auf die eine oder andere Ausnahme: Die Sanitärräume in der Umkleide für die Sporträume befinden sich beispielsweise noch immer im Rohbau. Es stehen zwar ein paar Bänke in der Umkleide, aber es gucken noch immer zwei dicke Eisenstangen aus dem Boden heraus, die nur sehr dürftig gesichert sind. Die Gemeinde schiebt das Thema seit Jahren vor sich her, begründet mit hohen Planungskosten, die ich so nicht nachvollziehen kann. Der Sportraum wird genutzt, auch von Kameraden anderer Wehren. Aber die müssen sich dann in dem Bereich umziehen und duschen, der eigentlich für die Feuerwehr Westerland vorgesehen ist, und dafür verschwitzt durch die ganze Wache laufen. Das war anders vorgesehen. Geografisch gesehen halte ich den Standort am Flughafen noch immer für verkehrt.

Warum?
Weil die Wache im Einsatzfall zu schwer zu erreichen ist. Die Kameraden müssen bei Alarmierung von ihrem Arbeitsplatz oder von zu Hause aus erst den ganzen Weg zur Wache zurücklegen und sich umziehen, um dann von dort aus an den Einsatzort zu gelangen. Dafür sind nach gesetzlicher Vorgabe des Landes SchleswigHolstein gerade mal acht Minuten vorgesehen – das ist besonders in der Saison, wenn viel Verkehr auf den Straßen ist, kaum zu schaffen. Gerade im Süden von Westerland ist das ein Problem: Wenn ich einen Ring um die Westerländer Feuerwache ziehe, der in den vorgesehenen acht Minuten noch zu erreichen ist, endet dieser etwa am Inken-MichelsWeg. Alles, was weiter südlich liegt, ist ein grauer Bereich, für den wir die Tinnumer Feuerwehr hinzualarmieren müssen, um die gesetzliche Frist überhaupt einhalten zu können.

Hätte es bessere Alternativen gegeben?
Ich denke da spontan an das Gelände der ehemaligen Standortverwaltung. Das kommt aber jetzt dem Wohnungsbau zugute, das ist ebenso wichtig. Im Prinzip wäre alles, was vor der großen Kreuzung zum Flughafen liegt, besser gewesen, weil diese Kreuzung allein schon sehr viel Zeit kostet.

Nun, da die Wache am Flughafen steht: Wie lässt sich die Problematik lösen und der Bereich im Süden Westerlands abdecken?
In erster Linie mit Hilfe der Tinnumer Feuerwehr. Tinnum und Westerland sind ja nicht zuletzt durch das Gewerbegebiet schon sehr eng verschmolzen und im Prinzip zusammengewachsen. Der geplante Neubau der Tinnumer Feuerwache am Kampende wäre aus Sicht der Feuerwehren ideal: Wenn die Gemeinde den Bau an diesem Standort beschließen würde, würde die Tinnumer Wache näher an den Süden Westerlands heranrücken, dieser Bereich wäre dann also abgedeckt. Die Westerländer Feuerwehr könnte im Gegenzug den Teil Tinnums abdecken, der sich näher am Flughafen befindet als an der neuen Tinnumer Wache am Kampende. Damit würde sich natürlich auch ändern, welche Feuerwehr für welchen Bereich alarmiert wird. Momentan ist das nach Ortsteil getrennt, in Zukunft würde dann diejenige Wehr gerufen, die näher am Einsatzort liegt.