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Nutzergemeinschaft will gern weitermachen

Schwimmhalle auf Sylt ohne Lizenz

Foto: Archiv Seit Anfang Juli geht nichts mehr in der Lister Schwimmhalle – ein Schock für die ehrenamtlichen Verbände.

List.(fbt) Ist die Lister Schwimmhalle jahrelang ohne Lizenz betrieben worden? Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Sylt ist jetzt zusammen mit anderen Nutzern an die Öffentlichkeit gegangen, um darauf hinzuweisen, dass der Betrieb trotzdem unbedingt weitergehen muss.
Es beginnt bei den Kindern:

Schwimmen zu können ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die der Inselnachwuchs lernen muss, betont die DLRG. Immerhin 70 Jungs und Mädchen nehmen pro Woche an den Anfängerkursen der Sylter Vereine in der Schwimmhalle teil: von der Wassergewöhnung der Kleinsten bis zu den Trainingsstunden für die Abzeichen der Jugendlichen. In List wurden 30 Prüfungen für die Rettungsschwimmer jährlich abgenommen. „Die gesamte Ausbildung liegt auf Eis. Denn: Der Kreis Nordfriesland hat Anfang Juli die Betriebserlaubnis der Lister Schwimmhalle kassiert“, so die DLRG. Es sei festgestellt worden, dass es seit 2007 überhaupt gar keine Betriebserlaubnis mehr gab.

Wie ist das möglich? Hans-Martin Slopianka, Sprecher des Kreises Nordfriesland, erläutert, die Bundeswehr – bis 2007 in dem Gebäude – sei schon immer von dem Zwang befreit gewesen, bei zivilen Behörden Bauanträge zu stellen. Wenn die militärische Nutzung endet, „tritt kein Bestandsschutz in Kraft, sondern dann werden die völlig legal errichteten Gebäude zu Schwarzbauten, die nicht genutzt werden dürfen“. Bei einer zivilen Nutzung müsse ein Bebauungsplan der Gemeinde vorliegen und eine Baugenehmigung eingeholt werden. Seit 2007 habe die ehemalige MVS wechselnde Eigentümer gehabt, „aber keiner von ihnen hat einen Bauantrag für die Schwimmhalle gestellt“. Sollte das Gebäude seitdem in Betrieb gewesen sein, „so wäre diese Nutzung nicht rechtmäßig erfolgt“.

Die Nutzergemeinschaft, bestehend aus der DLRG Sylt, Tinnum 66 und dem TSV Westerland, zeigt sich entsetzt über die abrupte Schließung des Bades: „Ein Leuchtturmprojekt ehrenamtlicher Arbeit wird nach 13 Jahren von heute auf morgen beendet“, erklärt Lars Lunk, Vorsitzender der DLRG Sylt. Zwischen 250 und 300 Schwimmer im Alter von vier bis über 70 Jahren nutzen wöchentlich das Becken in List. „Das sind die Feuerwehren, deren Kameraden bei uns trainieren, das sind angehende Sportstudenten, unsere Sylter Rettungsschwimmer, das sind unsere älteren Mitbürger, denen das Schwimmen gesundheitlich hilft und natürlich der große Bereich der Nichtschwimmer, Schwimmanfänger und Leistungsschwimmer“, so Lars Lunk.

Auch für Silke Mielck und ihre Handicap-Sparte vom TSV Westerland ist die Nichtnutzung der Halle „eine Katastrophe“. Man könne nicht einfach so in die Sylter Welle wechseln. Sie brauche dort mehr Aufsichtspersonen und könne nicht alle ihre Leute mitnehmen.
Claudia Wenzlaff, Spartenleiterin bei Tinnum 66, ist davon überzeugt, dass es ohne die Lister Schwimmhalle ab sofort keine Möglichkeit mehr gibt, den Inselkindern das Schwimmen beizubringen. „Die Lister Halle ist der einzige Ort auf Sylt, in dem unsere Kinder zu günstigen Konditionen regelmäßig unter Aufsicht und mit geschulten Übungsleitern ihre Schwimmbefähigung erlangen können“. Die Nichtschwimmer, sowohl Kinder als auch Erwachsene, fühlten sich im Stehbereich sicher und können an ihren Fähigkeiten arbeiten.
Zwar hat die neue Eigentümerin des Lister Schwimmbades, das Immobilienunternehmen DSK-BIG, vergangenen Dienstag bei einer Informationsveranstaltung im Erlebniszentrum Naturgewalten ihren Willen bekräftigt, das Bad nach einer Sanierung wieder zu öffnen. Aber der Start der Arbeiten stehe noch nicht fest, berichtete die Nutzergemeinschaft. Bis dahin würde nur die Sylter Welle mit eingeschränkten Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Doch coronabedingt ist der Schwimmbetrieb im Westerländer Bad auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die besitzende Immobilienfirma teilte auf Anfrage nur mit, es liefen aktuell „Gespräche zum Thema Schwimmhalle“. Gebe es Ergebnisse, werde man sich melden.

An die Gemeinde Sylt ist ein Dringlichkeitsantrag gestellt worden, den Vereinen das Bewegungsbad und das Sportbecken in der Sylter Welle zur Verfügung zu stellen, so dass die Ausbildung und der Unterricht für die Kinder und Jugendlichen – zumindest in Teilen – fortgeführt werden kann. Bürgermeister Nikolas Häckel teilte dazu mit, der Antrag werde in den Gremien beraten werden, dem könne er nicht vorgreifen.

Eine Alternative wäre die befristete Betriebserlaubnis für List bis zum Beginn der Sanierung. Ob das möglich ist, vermag die Kreisverwaltung „zurzeit nicht einzuschätzen, weil uns keine Unterlagen über das Gebäude vorliegen“, so Sprecher Slopianka.
Dafür sieht der Lister Bürgermeister Ronald Benck auch keine Möglichkeit. Der Kreisbaudirektor könne dies nicht verantworten; auch die Statik der Halle sei in Mitleidenschaft gezogen. Nun solle die Halle „schnellstmöglich“ saniert werden – inklusiv Bebauungsplan und Bauantrag und Betriebsgenehmigung. Der Bürgermeister geht von rund zwei Jahren für diesen Prozess aus. Das Kreisbauamt habe ihm versichert, dies wohlwollend begleiten zu wollen.

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