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Knapp 60 Gemeindevertreter bei Informationsveranstaltung in Wenningstedt

Großes Interesse am Amtsmodell

Foto: hwi Herbert Lorenzen, früherer Amtsdirektor von Eiderstedt, stellte am Mittwochabend die Strukturen des Amtsmodells vor. Das Interesse im Auditorium war groß.

Von Heiko Wiegand

Insel Sylt.
Die Sensibilität des Themas war am Mittwochabend im Wenning­stedter Kursaal mit Händen zu greifen. Er sei ja nicht hier, um der lokalen Politik ein Amtsmodell zu verkaufen, beeilte sich der frühere Amtsdirektor von Eiderstedt, Herbert Lorenzen, zu sagen. Und Bürgermeisterin Katrin Fifeik legte eingangs großen Wert auf ihre Aussage, „dass es heute nur mein Job ist, Sie hier zu begrüßen“. Lediglich den Raum habe man in Wenningstedt zur Verfügung gestellt, damit eine „neutrale Informationsveranstaltung“ (Fifeik) durchgeführt werden könne. Und auf einem Foto für die Presse wollte Katrin Fifeik unter gar keinen Umständen auftauchen.

Nachdem vor elf Jahren die Fusion aller Sylter Kommunen zu einer Großgemeinde krachend gescheitert war, gibt es seit einiger Zeit eine Initiative, die vier Gemeinden des Amtes Landschaft Sylt und die Gemeinde Sylt in eine Amtsverwaltung zu integrieren. Eine einzige Verwaltung für fünf Gemeinden auf der Insel, geführt von einem Amtsdirektor, soll für übersichtlichere Strukturen in der Verwaltung sorgen, bei gleichzeitig weiterbestehender Unabhängigkeit der Gemeinden, die ihre Bürgermeister behalten, ihre Gemeindevertretung und ihre Haushaltshoheit. Das, was in Schleswig-Holstein seit 1948 Grundlage für pragmatisches Verwaltungshandeln auf kommunaler Ebene ist, könnte eine Lösung auch für die Insel werden, überlegen die Initiatoren eines Amtsmodells für Gesamt-Sylt, die sich unter anderem in der CDU der Gemeinde Sylt finden. Deren Fraktionschef Oliver Ewald hatte konsequenterweise die Moderation für die kurzfristig erkrankte Imke Wein übernommen. Aber auch er legte großen Wert darauf, dass es an diesem Abend um eine „reine Informationsveranstaltung“ gehe, um nichts mehr.
Fragen aus dem knapp 60 Menschen zählenden Auditorium – fast sämtlich Gemeindevertreter aus den fünf Gemeinden – sollten gesammelt und vom früheren Eiderstedter Amtsdirektor Herbert Lorenzen beantwortet werden. Der hatte sichtlich Freude, das Amtsmodell vorzustellen und bemühte sich nach Kräften um Neutralität in der Darstellung. Er präsentierte Strukturen des Amtsmodells („Die Gemeinde entscheidet, das Amt führt aus“) anhand des Amtes Eiderstedt und stellte Vor- und Nachteile dar. So sei es immer wieder schwierig geworden, wenn es beispielsweise um Finanzprobleme im Amtshaushalt ging. „Aber es ist eben auch klar, dass es für die Gemeinden leichter ist, auf höherer Ebene etwas zu erreichen, wenn man gemeinsam losläuft.“ Sprich: unter dem Dach des Amtes organisiert ist.

Lorenzens Ausführungen stießen bei den hiesigen Kommunalpolitikern auf großes Interesse. Das zeigten auch die gänzlich sachorientierten Wortmeldungen. So wurde Lorenzen etwa nach einem Zeitplan für die Gründung eines Amtes Sylt gefragt. „Nehmen Sie sich Zeit. Zeitdruck war noch nie ein guter Ratgeber.“ Was er vom insularen Gedanken halte. „Jetzt bin ich mal gehässig: Dann gründen Sie doch eine Großgemeinde Sylt!“ Es ging um Fragen der Personaleinsparung mit dem Amtsmodell und um vieles mehr. Alles in allem ein Abend, der hielt, was er versprach. Die Information stand im Vordergrund. So war es geplant.

Kommentar von Heiko Wiegand – Die Narbe schmerzt noch
Die Narbe muss noch schmerzen, obwohl sie doch seit elf Jahren am heilen sein sollte. Wer zu fest drauf drückt, muss mit heftigen Reaktionen des Gepeinigten rechnen.
Diese Narbe heißt Fusion. Und alles, was mit diesem Thema zusammenhängt, wurde 2009 unter schwierigen Umständen vernäht.

Geklappt hat die Fusion im Jahr 2009 nach langen Verhandlungen nur zur Hälfte. In den vier Sylter Gemeinden außerhalb der Gemeinde Sylt pocht man seither deutlich auf seine Unabhängigkeit, auf den eigenen Bürgermeister, die eigene Gemeindevertretung, das eigene Haushaltsrecht.

Vielleicht kann das Amtsmodell vor diesem Hintergrund eine Lösung sein, die einerseits den politischen Willen zur weiteren Autonomie der kleineren Gemeinden bedient – und andererseits die Verwaltung so unter einem Dach vereinheitlicht, dass die Frage der Effizienz im Vordergrund steht. Wenn ein Mitarbeiter in einer Amtsverwaltung für die Gewerbesteuer zuständig ist, dann kümmert er sich für jede Gemeinde um dieses Thema. Klare Strukturen und eindeutige Zuständigkeiten. Und wenn die Insel unter dem Dach des Amtes nach außen hin mit einer Stimme spricht, „wenn man gemeinsam los läuft“, wie der frühere Eiderstedter Amtsdirektor Herbert Lorenzen es am Mittwochabend ausdrückte, „dann kann man was erreichen“. Sicherlich mehr, als wenn Hörnum oder List alleine loslaufen.

Aber dazu braucht es Vorsicht und Sensibilität, wie am Mittwochabend überzeugend demonstriert. Und das muss gepaart sein, mit dem klaren Willen zur Veränderung in der Politik aller Sylter Gemeinden, wie von Bürgervorsteher Peter Schnittgard gefordert. Dann kann das klappen mit dem Amt Sylt. Und dann kann vielleicht auch endlich die Narbe verheilen, ohne in Zukunft bei Berührung noch weh zu tun.

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