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Die Tücken des Jakobskreuzkrauts

Gefährlich für Pferd und Schaf

Foto: Sabine Rasmussen Zwischen Morsum und dem Hindenburgdamm entstand dieses Foto von unserer Mitarbeiterin Sabine Rasmußen. Zum Thema fragten wir auch bei der Bahn nach.

Morsum.(fbt) Es ist – vor allem, wenn damit falsch umgegangen wird – ein gefährlicher Schädling für manche Tiere: das Jakobskreuzkraut. In Morsum wuchert es über den Bahndamm, es wächst auf Pferdeweiden und breitet sich aus. „Das bringen die Autos vom Festland mit“, sagt Schäferin Uta Wree. Das Problem gebe es seit zehn oder 20 Jahren. Sie weiß: Ihre Tiere fressen das Jakobskreuzkraut als erstes. Die Pflanze wird, wie in einer Broschüre des Landesumweltamtes erläutert wird, bis zu 1,80 Meter groß. Zuerst werden Rosetten ausgebildet, in der vollen Blüte entsteht ein stattlicher Busch, die Röhren- und Zungenblüten sehen wie harmlose Gartenpflanzen aus. Die in hoher Zahl entstehenden Samen mit Hafthaaren ähneln missgebildeten Insekten. Einerseits ist das Jakobskreuzkraut sehr giftig, weil es das Lebergift Pyrrolizidin-Alkaloide (PAs) enthält.

Andererseits leistet es, wie Fachleute betonen, einen wichtigen Beitrag zur biologischen Diversität, also Vielfalt.
Die PAs können in der Leber zu giftigen Zwischenprodukten (Metaboliten) umgewandelt werden, es entstehen akute oder chronische Vergiftungen; die hessischen Landesamtskollegen zählen eine ganze Reihe unangenehmer Symptome bis hin zum Tod von Tieren auf, nicht alle Vierbeiner reagieren allerdings gleich darauf. Und: Die PAs reichern sich an, sagt Schäferin Wree – je mehr in der Leber sind, „um so langsamer wird es abgebaut“.

Bekämpfung schwierig

Wie also damit umgehen? Und was sollte gegen die Pflanzen in Morsum unternommen werden?
Eine Bahnsprecherin in Hamburg: „Wir nehmen uns des Themas an und geben dies an den Fachbereich weiter. Es werden hier dann alle Bekämpfungsmaßnahmen veranlasst“. Bürgermeister Nikolas Häckel teilt mit, die Gemeinde kümmere sich „im Rahmen der personellen Verfügbarkeit um die Entfernung auf gemeindlichen Liegenschaften“. Im Moment werde dort gearbeitet, wo eine Gefahr für Fußgänger und Radfahrer besteht. Häckel fügt hinzu, dass auf vielen privaten und öffentlichen Grundstücken Jakobskreuzkraut und Bärenklau steht (der Riesen-Bärenklau löst verbrennungsähnliche Verletzungen aus, wenn man sich nicht schützt). Alle Eigentümer sollten aktiv werden, fordert der Bürgermeister.
Tückisch ist das Jakobskreuzkraut auch noch aus zwei anderen Gründen: Während Pferde es auf der Weide stehen lassen, verspeisen sie es, wenn es in Heu oder Silage steckt – und auch dann noch wirksam ist. Auch in der Verbreitung ist es hartnäckig. Pro Pflanze entstehen laut Wissenschaftlern bis zu 150.000 flugfähige Samen, die bis zu 20 Jahre keimfähig bleiben, selbst noch im Kompost. Und wenn sie nicht vollständig herausgeholt werden, können sich die ungeliebten Pflanzen zu mehrjährigen Pflanzen umwandeln, weiß Schäferin Wree. Das bedeutet: Vollständig ausgegrabene Pflanzen müssen in den Hausmüll, damit sie sich nicht weiter vermehren.

Unterschiedliche Reaktionen

Die Gefährlichkeit des Jakobskreuzkrauts wird auf der Insel durchaus unterschiedlich beurteilt. Hans Werner Lohbach betreibt einen Reiterhof und sagt, auf seinem Land halte es sich in Grenzen. Er hat Pflanzen ausgegraben und vernichtet. Auf Überflutungswiesen trete das Kraut gar nicht auf, aber dort, wo Flächen nicht gepflegt seien. Wie andere verweist Lohbach auf eine kleine Raupe, die sich von den Blättern des Jakobskreuzkrauts ernährt.
Aus der Naturschutzgemeinschaft Sylt mit Sitz in Braderup kommt der Hinweis, man könne das Jakobskreuzkraut auch mal stehen lassen, „aber nicht dort, wo Schafe ihren Nachtpferch haben“. Bodo Hurtienne, Vorsitzender des Imkervereins, meint, dass Jakobskreuzkraut Bienen nicht schaden könne, allerdings Säugetieren. Das Kraut säe sich aus. Schwierig werde es, wenn es mal blüht, noch sei es kein Problem. Imker und Lebensmittelhändler Heiner Johannsen kommt zu ähnlichen Einschätzungen: Wenn das Kreuzkraut blüht, sind seine Bienen aber in der Heide. „Wir haben es testen lassen und keine Rückstände gefunden“, sagt er über seinen Honig. Auf dem Festland betreut Johannsen mit einem Freund weitere 100 Völker: Dort musste er sich intensiver kümmern und das Jakobskreuzkraut beseitigen. Johannsen: „Die Leute müssen sich auf Sylt keine Sorgen machen.“
Stimmt das auch? Menschen sind, biologisch gesehen, ja auch Säugetiere. Das Landesumweltamt hält Vergiftungen für möglich, aber: In Honig gibt es so wenige PAs, dass sie nach Meinung der Bundesanstalt für Risikobewertung eine untergeordnete Rolle spielen. Über verunreinigte Futtermittel können PAs in Milch und Eier gelangen – bei einer Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit lagen die „Gehalte unter oder sehr knapp über der Nachweisgrenze“. Hinsehen sollte, wer Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Gesundheitlich für Menschen bedenklich, sagen die Forscher, ist nur eine längere (chronische) Aufnahme von PAs. Die Frage, ob sie Krebs erzeugen können, sei nicht abschließend geklärt. Einen offiziell festgesetzten Grenzwert gibt es nicht.

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