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Sylterin wollte nach Klinik-Aufenthalt nach Hause

Die Zurückgewiesene

Foto: fbt Martina Pütjer (Foto) ist Monate nach ihrem Unfall im Skandinavien-Urlaub noch immer auf Krücken angewiesen.

Hamburg/Westerland.(fbt) Das hier ist eine Geschichte, die es ohne Corona nicht geben würde. Ob sie so passieren musste, ist die Frage.
Das Geschehen beginnt im Hamburger Stadtteil Volksdorf, einer Gegend im äußersten Nordosten der Stadt. Martina Pütjer, die derzeit dort untergebracht ist, würde gern nach Westerland, nach Hause. Unglücklicherweise hat sie sich vor Monaten im Skandinavienurlaub einen komplizierten Bruch im rechten Bein zugezogen. In einem Hamburger Krankenhaus ist sie behandelt und nach viereinhalb Wochen aus der Klinik entlassen worden. Eine Klinik-Mitarbeiterin, erinnert sich die Sylterin, erkundigt sich telefonisch auf der Insel, ob Martina Pütjer zurückkehren könne. Das sei kein Problem, sagt man ihr. Also bricht Martina Pütjer am Gründonnerstag mit ihrem Lebensgefährten, einer Freundin (die ausgebildete Krankenschwester ist), ihrem Hund und dem notwendigen Rollstuhl im Kofferraum mit dem Auto Richtung Sylt auf. Doch sie wird an diesem Tag ihr Ziel nicht erreichen. An der Niebüller Autoverladung kontrollieren zwei Polizisten.

Die Szene an der Einfahrt auf das Gelände zieht sich fast 30 Minuten hin, offensichtlich fallen auch etwas deutlichere Töne. Ein Arztbrief, der die Betreuungsbedürftigkeit bescheinigt, wurde von den Beamten nicht anerkannt, weil er keinen Stempel trägt und aus Hamburg stammt. Die telefonische Rückfrage beim Bereitschaftsdienst des Kreises Nordfriesland bringt auch kein anderes Ergebnis. Die Beamten wollen nach Darstellung von Martina Pütjer, dass sie eine der beiden Mitreisenden zurücklässt.

Wohlgemerkt: Martina Pütjer hat seit drei Jahren ihren ersten Wohnsitz auf Sylt. Sie betont, im Prinzip habe sie nichts dagegen, dass es Kontrollen gibt. Wer sich mit ihr unterhält, lernt eine ausgeglichene, sehr freundliche Frau kennen. Da klingt es um so dramatischer, wenn sie sagt, nach dem Vorfall in Niebüll sei sie „deutlich angefasst“ gewesen.
Noch Monate nach ihrem Unfall im Urlaub ist das betroffene Bein sichtlich geschwollen und die Sylterin bewegt sich mühsam an Krücken durch das Zimmer: „Ich kann mir nicht mal selber einen Kaffee holen“. Was sie außerdem ärgert, ist, dass sie in die Ungewissheit zurückgeschickt wurde: In einem Niebüller Hotel unweit von der Verladung unterzuschlüpfen war aus gegebenem Grund ausgeschlossen, also muss sie trotz ihrer eingeschränkten Möglichkeiten an diesem Tag wieder nach Hamburg zurück.

Nach einem Anruf des Sylter Spiegels in der Kieler Staatskanzlei meldet sich Christian Kohl, Sprecher des Sozialministeriums, und schreibt, „den konkreten Sachverhalt können wir aus der Ferne nicht beurteilen.“ Grundsätzlich gelte aber, „dass Personen vom Aufenthaltsverbot ausgenommen sind, die medizinische, notfallmedizinische, geburtshelfende und pflegerische Versorgung sicherstellen“. Treffe dies zu, sei „kein Antrag auf Ausnahmegenehmigung erforderlich“. Wolle man einen solchen Antrag stellen, sei der Kreis zuständig. Was bedeutet: Martina Pütjer hatte das Recht, Menschen mitzunehmen, die sich um sie kümmern. Die schon an die Staatskanzlei schriftlich gestellte Frage, ob die Zurückweisung in Niebüll angemessen gewesen sei, beantwortet Kohl indes nicht.
Und die Polizei? Sprecherin Sabine Otte bekräftigt, das Vorgehen der Beamten sei „völlig korrekt“ gewesen. Nach Rücksprache mit dem Bereitschaftsdienst des Kreises Nordfriesland hat es laut Polizei die Erlaubnis gegeben, mit einer Person auf die Insel zu fahren. Das sei Martina Pütjer „nicht verwehrt“ worden. Ihr Lebensgefährte soll sogar gesagt haben, dass er sich das „schon gedacht“ habe.

Martina Pütjer ist am letzten Donnerstag wieder nach Sylt aufgebrochen. Diesmal haben die kontrollierenden Beamten sie durchgelassen. Immerhin.

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