- Werbeanzeige -

Bäckerei Raffelhüschen schließt ab sofort sonntags ihre Filialen

Der Schritt, den die Insel geht

Foto: hwi

Insel Sylt.(hwi) Thomas Raffelhüschen muss einen Moment nachdenken, bevor er antwortet. Doch dann ist er sicher: „Es ist das erste Mal überhaupt, dass wir uns zu einem solchen Schritt entschlossen haben.“ Ja, sagt der Geschäftsführer der größten Sylter Bäckerei, vor einigen Jahren hätten nachmittags mal kleinere Filialen schließen müssen. „Aber jetzt schließen wir ab dem 23. August sonntags alle Filialen, bis auf zwei – die bei Famila und bei Meyer in Wenningstedt.“

Ab wann sonntags wieder geöffnet werden kann? „Das wissen wir jetzt noch nicht, das muss man sehen. Im Moment ist das noch gar nicht absehbar.“
Die Sylter Wirtschaft stöhnt seit Jahren über ein immer größer werdendes Personalproblem. Immer weniger Menschen sind bereit, auf die Insel zu ziehen und hier eine Arbeit anzunehmen.

Ganz schwierig ist es mit guten Fachleuten, mit ausgebildeten Bäckern zum Beispiel, von denen Thomas Raffelhüschen aktuell dringend welche sucht. Aber auch Verkäuferinnen könnte er gut brauchen in den elf über die Insel verteilten Filialen.

Raffelhüschens Personalstärke wurde in den vergangenen Wochen immer geringer. Der Krankenstand ist hoch, einige Mitarbeiter können wegen Corona derzeit nicht nach Deutschland zurück. Vor diesem Hintergrund ist dann der Druck auf die noch vorhandenen Mitarbeiter immer weiter gestiegen. Seit Ende des Lockdowns befindet sich die Insel in der Saison. „Ja, es ist ein krasser Schritt, sonntags zu schließen. Aber das ist der Schritt, den die Insel in Zukunft gehen muss“, zeigte sich Thomas Raffelhüschen überzeugt.

Er hat seinen Mitarbeitern erst Anfang dieser Woche über den Schritt informiert. Für den Sonntag als Schließungstag hat er sich entschieden, „weil das einfach familienfreundlicher ist. So können unsere Mitarbeiter mehr Zeit mit ihren Partnern und Kindern verbringen.“ Hinzu kommen 65 Prozent höhere Lohnkosten für die Sonntagsarbeit, die gemeinsam mit den sozialen Aspekten den Ausschlag für den letzten Tag der Woche gegeben haben.

Die in den vergangenen Jahren zusätzlich gebauten Wohnungen für Sylter sorgen nach Ansicht Raffelhüschens nicht dafür, dass für Festländer, die wegen der Arbeit nach Sylt ziehen wollen, nun mehr Platz zur Verfügung steht: „Nach meiner Einschätzung ist es eher so, dass die, die schon hier leben, aus einer schlechteren, älteren Wohnung in einen Neubau ziehen. Und in den alten Wohnungen wird nach Umbau oder Abriss wieder neu vermietet – an Gäste.“ Also nur ein geringer Mehrwert für die Sylter Wirtschaft durch den millionenteuren Wohnungsbau der vergangenen Jahre? „Ja, leider.“

- Werbeanzeige -

Meistgeklickte Artikel

- Werbeanzeige -
Alle Rechte bei Sylter Spiegel GmbH © 2020