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Für Tagestouristen bleibt Sylt geschlossen

Der Landrat zieht die Notbremse

Foto: fbt Möglichst wenig Ausflugsverkehr am Bahnhof Westerland über Himmelfahrt – das ist der Plan der Sylter Bürgermeister und der Sylter Wirtschaft, um die Ausbreitung des Coronavirus auf der Insel zu verlangsamen.

Insel Sylt/Kiel.(fbt) Landrat Florian Lorenzen (CDU) hat nach dem deutlichen Brief der Sylter Bürgermeister und von Wirtschaftsvertretern am Montag die Notbremse gezogen: Für das verlängerte Himmelfahrts- und das Pfingstwochenende in der Woche darauf hat er Tagestouristen den Zugang zur Insel untersagt.

Der Landrat sagte auf einer Pressekonferenz mit Wirtschaftsminister Bernd Buchholz, Innenministerin Ingrid Sütterlin-Waack, Gesundheitsminister Heiner Garg und seinem Landratskollegen Reinhard Sager (Kreis Ostholstein): Würde man das nicht tun, sei es sehr schwierig, Infektionsketten nachzuvollziehen. „Wir bitten um Verständnis“, so der Landrat am Montag.

Seine Verwaltung hat für Sylt mit bis zu 12.000 zusätzlichen Gästen über Himmelfahrt und Pfingsten gerechnet; die Buchungen für Übernachtungsgäste liegen vier bis fünf Prozent über den Vorjahreszahlen.In St. Peter-Ording sind die Zahlen nach Lorenzens Angaben sogar noch höher.
Die Zugangsverbote gelten für den 21. bis 24. Mai und den 30. Mai bis 1. Juni. Nordstrand, die Hallig Südfall und die Hamburger Hallig sind ausgenommen, Besuche von Verwandten und Freunden aber möglich. Ebenfalls ausgenommen vom Verbot werden alle Bewohner des Kreises Nordfriesland. Für Helgoland gilt seit Montag ein Betretungsverbot bis 24. Mai. Der Kreis Ostholstein und die Hansestadt Lübeck wollen nach Angaben von Landrat Peter Sager ohne ein Betretungsverbot auskommen. Dort wollen sich die Verantwortlichen an den Infektionszahlen orientieren, was bei negativen Zahlen doch noch zu einem Betretungsverbot führen könnte.

Apropos Infektionszahlen: Im Kreis Nordfriesland hat sich die Zahl der Genesenen von 17. April bis 17. Mai fast verdoppelt, auf den Inseln ist sie seit 7. Mai mit 17 konstant. Die Zahl der Erkrankten ist von 29 (am 18. April) auf vier zurückgegangen. Auf den Inseln gibt es seit dem 7. Mai gar keine Kranken mehr. Mit Stand Sonntag waren 34 Menschen auf den Inseln in Quarantäne, kein einziger ist im Krankenhaus. Bislang sind 80 Menschen an Corona erkrankt, einer ist daran gestorben.
Wer wird die Beschränkungen des Zugangs denn durchsetzen? Eine Bahnsprecherin sagte auf Anfrage unserer Zeitung in Hamburg, dies sei Sache der Behörden, die auch bei Konflikten hinzugeholt werden könnten. Laut DB gilt das auch für „Eingriffe in das Tarifsystem“, also etwa die Außerkraftsetzung von Tagestickets; auch hier ist demnach eine Anordnung der Behörden notwendig.

Die Landespolizei stellte in einer Meldung klar, dass die Lockerungen „nicht zu einer veränderten polizeilichen Bewertung“ führen würden. Die Lage werde als insgesamt ruhig bewertet.
Allerdings: „Wir unterstützen die zuständigen Behörden bei der Überwachung der Auflagen und Beschränkungen von Land, Kreisen und kreisfreien Städten“. Diese Unterstützung gelte auch, wenn örtliche Zugangsbeschränkungen erlassen werden würden, so die Landespolizei.
Wie Minister Bernd Buchholz warb die Polizei eindringlich dafür, die geltenden Vorschriften zu beachten. „Bollerwagentouren im Freundeskreis, exzessiver Alkoholkonsum und Gruppenansammlungen gehören nicht dazu“, so die Polizei, die entsprechend einschreiten und „mit den gebotenen Maßnahmen“ agieren will. Dazu gehören ihren Angaben zufolge Ordnungswidrigkeitsanzeigen, Platzverweise und im Extremfall auch Ingewahrsamnahmen. Die Landespolizei will in Schleswig-Holstein ihr Personal an Himmelfahrt um 460 Beamte aufstocken.

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