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Kein Betrieb mehr möglich

Das Autokino gibt auf

Foto: Sabine Rasmußen

Westerland.(fbt) In Westerland wird kein Autokino mehr stattfinden. Die Betreiber teilen mit, der Aufsichtsrat (AR) des Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) lasse an zwei Tagen in der Woche bis Ende September den Betrieb zu. Die Reaktion der Betreiber fällt recht deutlich aus: „Jeder, der die vier Grundrechenarten einigermaßen beherrscht, wird die Aussage treffen können, dass dies wirtschaftlich völlig unmöglich ist.“ Betreiber Bernd Juris-Dhiele wehrt sich mit scharfen Worten gegen die Politik: Die Vehemenz, mit der diese auf Dinge Einfluss nehme, zu denen sie gar nicht gefragt worden sei, sei erschreckend: „Erschütternd ist allerdings, wie weit die Meinung der Gemeindevertreter von der Meinung der Sylter, die sie ja eigentlich vertreten sollen, entfernt ist.“ Bürgermeister Nikolas Häckel kontert, die Gemeinde werde von gewählten Politikern vertreten. „Der ISTS ist ein Eigenbetrieb der Gemeinde Sylt, so dass natürlich die Vertreter der Eigentümerin, also der Gemeinde, die Geschicke mitgestalten“.

Erbittert ist Juris-Dhiele auch darüber, dass er als Veranstalter die Frage nicht beantwortet bekommen habe, warum er lediglich zwei Tage pro Woche Kino machen dürfe. Die Betreiber wollen „das so sauber vom ISTS vorbereitete Autokinofeld“ noch in dieser Woche räumen.

AR-Sitzung nicht öffentlich

ISTS-Aufsichtsratschef Wolfgang Jensen beruft sich, wie Bürgermeister Häckel, auf die Nichtöffentlichkeit der AR-Sitzung. Er bestätigt aber, dass das Gremium die Zwei-Tage-Regelung beschlossen hat. Jensen räumt sogar ein, dass das nicht wirtschaftlich darstellbar sei. Er bekräftigt aber, dass das kein Verschulden des ISTS sei. Der Aufsichtsrat hätte nie einem täglichen Autokino zugestimmt. Das sei „nicht gewünscht“.

Jensen argumentiert mit der Lärmbelastung der an- und abfahrenden Autos und dem Umstand, dass die Insel „voll“ sei. Auch Belange des Landschafts- und Naturschutzes spielten „immer eine Rolle“. Jensens Stellungnahme lässt sich in seinem Satz zusammenfassen: „Wenn man mit uns gesprochen hätte…“. Ein direktes Gespräch seines Gremiums mit den Kinobetreibern habe nicht zur Debatte gestanden, ISTS-Chef Peter Douven habe die Entscheidung darüber.

Der Sylter Spiegel hatte kürzlich zwei Stellungnahmen veröffentlicht, die mehr als deutlich machten, wie weit Kinobetreiber und ISTS auseinander liegen: Während die Betreiber argumentieren, ISTS-Chef Peter Douven sei nicht erreichbar gewesen und es seien Absprachen mit der Assistenz der Geschäftsführung getroffen worden, schreibt Douven, es sei ein unzulässiger Vertrag geschlossen worden, weil der Pächter des Parkplatzes, auf dem das Autokino stattfinden sollte, dessen abweichende Nutzung vor Abschluss der Vereinbarung mit dem Autokino nicht mit dem ISTS geklärt habe. Bürgermeister Häckel nennt das „in der Tat erschreckend“. Es sei sicherlich „nicht günstig und offenbar vertragswidrig gewesen.“

Douven warf den Betreibern in der erwähnten Stellungnahme sogar selbst zu verantwortende Fehler vor, sprach von unprofessioneller Arbeit und unangemessener Kommunikation (Sylter Spiegel, 31/20, S. 18).
Noch einmal Bernd Juris-Dhiele: „Wir bereiten die Klärung vor, wer nun eigentlich die Zeche zahlt“. Die Betreiber leben nach eigener Aussage von der Erinnerung an einen „unvergesslichen Abend, an dem mehr als 120 Autos an uns vorbei nach Haus gefahren sind“. Man denke an glückliche Gesichter und an „das hundertfache Dankeschön“.

Einig dürften sich die Kontrahenten darüber sein, wie es zur Wiederbelebung des Formats Autokino kam: Kinofans nutzen es auch anderswo im Land, um die allgegenwärtigen Abstandsregeln einzuhalten, die mit der Pandemie gelten.

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