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Heideprogramm ist jetzt knapp ein Jahr alt

Damit neue Heide wächst

Foto: Lilo Scheewe Vor knapp einem Jahr hat der Kreis Nordfriesland in Kooperation mit den Sylter Naturschutz- und Zweckverbänden auf dem Flughafengelände das Heideprogramm 2.0 begonnen.

Von Lilo Scheewe

Insel Sylt. Viele Heckenrosen, Sandboden, Gräser und Disteln sind zu sehen auf dem Gelände Richtung Flughafen. Und wenig Heide. Dabei soll die eigentlich genau hier wachsen. Von den dunkelgrünen Sträuchern mit lila Blüten ist aber wenig zu sehen. Vor knapp einem Jahr hat der Kreis Nordfriesland in Kooperation mit den Sylter Naturschutz- und Zweckverbänden auf dem Flughafengelände das Heideprogramm 2.0 begonnen. Finanziert wird das Programm vom Land. Bagger trugen einen Teil des Bodens ab. Danach sah das Gelände wüst aus, eher wie eine Mondlandschaft mit Erd- und Sandflächen, abgeholzten Büschen und Bäumchen. Heute wachsen langsam Pflanzen auf den kargen Flächen nach. Dass die Heide noch nicht wieder wächst und blüht, das sei normal, sagt Maike Lappoehn von der Naturschutzgemeinschaft Sylt. Was auf den ersten Blick nicht wie Naturschutz wirkt, ist eine Form der Heidepflege, erklärt auch Franziska von Rymon-Lipinski vom Kreis Nordfriesland.

Beim sogenannten Plaggen wird der obere Teil des Bodens, der voller Nährstoffe steckt, abgetragen, außerdem die alte Heide abgemäht. „Wenn Heide überaltert, stirbt sie ansonsten einfach ab und der Lebensraum geht verloren“, sagt Franziska von Rymon-Lipinski.
Auf dem trockenen und nährstoffarmen Boden soll nun neue Heide wachsen. „Die Heide-Samen halten sich bis zu 100 Jahre im Oberboden.“ Damit aus diesen alten Samen wieder neue Heide sprießen kann, brauche sie viel Licht – wenig Büsche und Bäume also.
„Für das normale Auge sieht es natürlich in den ersten Jahren sehr karg aus“, sagt Maike Lappoehn. Heidepflege brauche Geduld. Die ersten neuen Pflanzen seien erst nach ein bis drei Jahren zu sehen.

Das geht aber nicht ohne die Schäferin Uta Wree und ihre Schafherde. Denn die Schafe sorgen auch nach dem Plaggen dafür, dass die Heide gut nachwächst. „Insbesondere Kartoffelrosen und andere Gehölze wie Pappeln müssen in Schach gehalten werden“, sagt Franziska von Rymon-Lipinski. Dafür kommen die Wanderschafe zum Einsatz. Schäferin Uta Wree ist mit ihnen sonst in der Braderuper Heide und in Morsum unterwegs. Sie erklärt, warum die Heckenrosen, die der Heide zu schaffen machen, nicht einfach ausgerissen werden können: „Die Schafe fressen die Blüten und Blätter ab, dann hat die Pflanze keine Energie mehr, sich weiter auszubreiten. Wenn sie aber abgeschnitten oder rausgerissen wird, dann entwickelt sie Wuttriebe.“ Das seien sehr starke Triebe mit langen Dornen, die sich schnell ausbreiten.

„Das einzige was wirklich funktioniert, ist eine immer wiederkehrende Beweidung mit Schafen, immer dann, wenn die Rosen blühen oder Hagebutten haben“, sagt Uta Wree. Ihre Fjordlandschafe, ein uralter angepasster Schaftyp aus Skandinavien, waren deswegen in den vergangenen Wochen auch auf dem Flughafengelände unterwegs. „Die haben richtig Appetit auf die Büsche und Bäume da“, sagt die Schäferin. Das wiederum helfe der Heide zu wachsen, weiß auch Maike Lappoehn: „Die Wanderschafherde, die im Sommer auf dem Gelände ist, hält die Pflanzen kurz, die dort nicht hingehören.“ Außerdem bringen die Schafe weitere Pflanzensamen aus den gesunden Heidegebieten in Braderup und Morsum mit. Damit vernetzen sie die drei „verinselten Biotope“, indem sie in ihrer Wolle oder durch das Wiederkäuen Insekten und Samen mit in die anderen Heidegebiete tragen. 358 Hektar Heide hat die Insel, das ist ein Drittel der gesamten Heideflächen Schleswig-Holsteins. Die Heide am Morsum Kliff, die Braderuper Heide und die Heide am Flughafen sind die größten Areale zusammenhängender Heideflächen.
Ob die Heide auf dem Flughafengebiet, wo auch viele Hunde, Spaziergänger und Jogger unterwegs sind, wirklich gut nachwachsen wird, bleibt abzuwarten. „Die Maßnahme ist jetzt knapp ein Jahr her und es entwickelt sich alles so, wie es sein soll“, sagt Maike Lappoehn. Eine erste richtige Heideblüte mit dem typischen lila Schimmer werde voraussichtlich in vier, fünf Jahren zu sehen sein.

Franziska von Rymon-Lipinski ist sich aber auch darüber bewusst, dass das nicht von selbst geschieht: „Es ist dort viel Raum für die Entwicklung junger Heide geschaffen worden, gleichwohl werden dauerhafte Pflegemaßnahmen notwendig sein.“ Das weiß auch Schäferin Uta Wree: „Landschaftsentwicklung ist immer ein Prozess“, sagt sie. Die Landschaft entwickele sich Stück für Stück und die Natur suche sich ihre Wege.

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