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Das Ehepaar Nissen engagiert sich seit 25 Jahren für hörgeschädigte Kinder

Chance für ein kleines Wunder

Foto: Nissen Frauke und Paul Martin Nissen kümmern sich seit einem Vierteljahrhundert um hörgeschädigte Kinder in Weißrussland. Für ein neues Hilfsprojekt wurde ein Spendenkonto eingerichtet.

Von Bettina Dethloff

Insel Sylt. Mischa musste weg von zu Hause. Lange hätte er seine körperliche und seelische Not nicht mehr ausgehalten. Mischa lebt in Weißrussland. Nach der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1986 ging der größte Teil der radioaktiven Wolke über Weißrussland nieder. Unzählige Kinder kamen danach mit schweren Erkrankungen und genetischen Missbildungen zur Welt, viele sind hörgeschädigt und können somit auch nicht sprechen lernen. Inzwischen konnte Tausenden von ihnen geholfen werden, denn Frauke und Paul Martin Nissen sind seit 25 Jahren regelmäßig dort und versorgen die betroffenen Kinder mit Hörgeräten; zudem haben sie diesbezüglich Labore vor Ort aufgebaut und Techniker geschult.

Doch die Reaktorkatastrophe hat bis heute auch sozial-psychologische Auswirkungen, bedingt durch den Verlust des Arbeitsplatzes, die Sorge, aufgrund der hohen Radioaktivität zu erkranken, die horrenden Preise für Lebensmittel.
Allein Wodka ist spottbillig und wird von der Regierung als Allheilmittel angepriesen. Auch jetzt…

„Alkoholismus, Drogen und Gewalt beherrschen hier den Alltag“, weiß Frauke Nissen nur zu gut. Unter großem Einsatz von Helfern und Sponsoren entstand das zweite Projekt: eine kleine Wohnung – „Die Suppenküche“. Ein Zufluchtsort für schwer misshandelte oder vernachlässigte Kinder, oft die letzte Rettung. Der Bedarf ist groß, viel größer als der vorhandene Platz. Und gerade jetzt bietet sich eine Chance, es ist ein kleines Wunder: Die Nachbarwohnung wird verkauft. Frauke Nissen hofft inständig, dass die notwendigen Mittel zusammenkommen, um die Räumlichkeiten zu erstehen.

„Es ist nicht zu fassen! Wir bräuchten nur eine Wand wegnehmen und hätten das erste Mal Platz für alle Kinder.“
Die Suppenküche wird von Irina Averin geleitet, sie versorgt ihre Schützlinge mit dem Nötigsten und versucht trotz allem, ihnen den Hass gegenüber der eigenen Familie zu nehmen, der neben der Angst ihr Leben beherrscht. Da ist der Junge, dem zu Hause die Zähne ausgeschlagen wurden, oder die Geschwister, die ansehen mussten, wie brutal die Mutter ihr kleines Baby behandelte, welches dadurch schwerstbehindert ist. Zwei Beispiele von vielen…
„Einige Kinder sind so verzweifelt, dass sie sich das Leben nehmen, und auch Mischa war stark suizidgefährdet“, erklärt Frauke Nissen und die sonst so resolute Frau braucht kurz, um sich zu fangen. Dann lächelt sie wieder und erklärt: „Es ist gelungen, ihm eine Lehrstelle als Koch zu vermitteln und ihn fern seiner Mutter bei Verwandten unterzubringen. Ich bin so froh!“

Einer der vielen Lichtblicke auf dem langen dunklen Weg voller Misstrauen, besonders in den ersten Jahren und ausgerechnet von den Eltern, deren Kindern sie ein Stück des Leids nehmen möchten.
Seit 25 Jahren und unermüdlich setzen sie sich für die „Tschernobyl-Kinder“ ein, und dieses Jubiläum sollte im Mai gefeiert werden. „Ich hatte mich sehr gefreut, allen Freunden, Helfern und Sponsoren nochmal von Herzen Danke zu sagen“, so Frauke Nissen. Doch das Fest fiel der Covid-19 Pandemie zum Opfer.

In Weißrussland dagegen werden Warnungen der WHO weitgehend ignoriert. Unter anderem wurde ungeachtet der Infektionsgefahr der 75. Jahrestag des Siegs über Deutschland im Zweiten Weltkrieg gefeiert, mit riesigen Militärparaden und Großveranstaltungen.
„Wir erhielten vermehrt die Nachricht, sehr viele Menschen seien dort an Corona erkrankt – und Medikamente unbezahlbar. ,Offiziell‘ gebe es allerdings keine Corona-Gefahr im Land. Unsere Freunde vor Ort erhielten keine oder sehr einseitige Informationen zur Lage und verfielen mehr und mehr in Panik. Verständlich.“

Sie seufzt. „Wir können die aktuelle Situation aus der Ferne nur schwer einschätzen. Zu Anfang der Pandemie verschickten wir zunächst Informationen zu möglichen Schutzmaßnahmen und Anleitungen zum Maskennähen. Viel mehr konnten wir nicht tun.“ Trotz allem muss sie schmunzeln: „Sie nähten wie verrückt und sendeten uns ganz viele Bilder.“

Ob sie Anfang September, wie geplant, nach Weißrussland reisen kann, steht noch nicht fest. Aber irgendwie geht es natürlich weiter und inzwischen weiß sie: „Meine Kinder und eine gute Freundin führen die Arbeit fort, wenn Paul Martin und ich das irgendwann nicht mehr können.“ Schelmisch fügt sie hinzu: „Der liebe Gott wird schon Sorge dafür tragen, dass sein Personal hier nicht zu Ende geht.“

Spendenkonto:
Niko Nissen Stiftung e.V.
Iban: DE90 2176 3542 0007 8562 02
BIC : GENODEF1BDS

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