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Ab heute gehen Vierklässler wieder zur Schule

Bloß nicht zu nah zusammen

Foto: Schule St. Nicolai Horst-Peter Feldt im Raum der Monte-Klasse. Schüler dürfen nur da sitzen, wo die schwarzen Hefte liegen – viel Platz für wenige Kinder.

Westerland.(hwi) Horst-Peter Feldt beschreibt die St.-Nicolai-Schule am Telefon als eine Art Verkehrsübungsplatz für Grundschulkinder. „Auf den Fluren sind Spuren eingezeichnet mit Pfeilen in jede Richtung und Trennlinien dazwischen, vor den Toiletten Stopplinien im Abstand von 1,50 Meter, wie vom Land per Verordnung vorgeschrieben“, erzählt der Schulleiter im Gespräch mit dem Sylter Spiegel.

Das Wochenende hat der Pädagoge damit verbracht, alles aufzubauen, was nötig ist, um die Kinder bloß nicht zu nahe zusammenzubringen – eine auch mit echten, rot-weiß gestreiften Baustellenkegeln, die er in den langen Fluren aufgereiht hat, sicherlich schwierig zu bewältigende Aufgabe.
Die umfänglichen Vorbereitungen haben sich gestern ihrem Ende entgegengeneigt, denn am heutigen Mittwoch gehen wenigstens die Viertklässler auf Sylt nach gut sieben Wochen Pause erstmals wieder in die Schule.

„Es ist eine schmale Gratwanderung zu erlauben, was möglich ist und einzuschränken oder zu verbieten, was nötig ist, um die Infektionszahlen niedrig zu halten“, so Feldt.
Drei Stunden haben die Viertklässler auch in Wenningstedt und Tinnum ab heute wieder Unterricht – und die strengen Verordnungen des Landes spiegeln sich nicht nur in Hygieneflüssigkeitsspendern an Eingangstüren und Richtungspfeilen zwischen den Klassenräumen wider, sondern auch in einer aufgelockerten Sitzordnung in den Klassenräumen. Im Umkreis von 1,50 Metern darf kein anderes Kinde lernen. Und da, wo sie sitzen dürfen, liegen schwarze A4-Hefter auf den Tischen. Bitte nicht aufstehen. Bitte keine Lernmaterialien aus den Regalen holen. Und bitte nur dann aufs Klo gehen, wenn dafür auch Zeit vorgesehen ist. Denn sonst gibt‘s vor den Örtchen Gedränge. Und das will keiner.

„Es fühlt sich alles ziemlich skurril an, surreal“, schmunzelt der gebürtige Westerländer, der auch nur entfernt ähnliche Vorbereitungen in seinen mehr als 30 Jahren als Lehrer noch nie treffen musste. „Die Landesverordnungen müssen streng eingehalten werden, das ist im Moment das Maß aller Dinge“, sagt Horst-Peter Feldt. Er möchte jetzt nichts falsch machen. Zu viel steht auf dem Spiel. Und um nichts zu riskieren, hat er nichts dem Zufall überlassen. Die Räume in der Schule müssen nach strengen Zeitvorgaben desinfiziert werden. Da, wo Kinderhände hinfassen könnten, werden die Putzfrauen in ebenfalls streng vorgegebenen Zeitfenstern ihrer Profession walten.

„Erstmal sind nur die Viertklässler an der Reihe, weil sie im nächsten Schuljahr auf eine höhere Schule wechseln. Und weil sie sicherlich schon etwas vernünftiger sind als die Jüngeren.“ In der Schule geht‘s in den nächsten Wochen bis zu den Sommerferien erstmal darum, für die Kinder wieder einen Rahmen zu schaffen, „der ihnen einen Halt gibt in dieser schwierigen Zeit“. Ab Montag, 25. Mai, findet Unterricht auch für die Klassen 1 bis 3 wieder statt. Ab diesem Tag wird sich die Unterrichtszeit für die Viertklässler wieder auf einzelne Tage verringern.
Horst-Peter Feldt schreibt in seinem Brief an die Eltern von „seltsamen und widrigen Umständen“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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