Generalversammlung der Sylter Bank – Wirbel um Wahl zum Aufsichtsrat

Maurus nicht wiedergewählt

Foto: © SC / Sylter Spiegel GmbH

Neue Gesichter bei der Sylter Bank: Aufsichtsratsmitglied Martin Jessen (l.) und neues Vorstandsmitglied Dirk Ehlers.

Wed, 29. Aug 2018
Westerland
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Sylt

Nach der Generalversammlung der Sylter Bank findet der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Karl Max Hellner deutliche Worte über den Verlauf des Abends: „Der Rest des Aufsichtsrates ist erschüttert, dass es ein Großteil der Mitglieder nicht verstanden hat, wie wichtig Heinz Maurus für die Sylter Bank gewesen wäre. Leider haben Starrsinn und Befindlichkeiten zu diesem Ergebnis geführt.“ Entgegen der Empfehlung des Aufsichtsrates hatten die Mitglieder den bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Heinz Maurus nicht wiedergewählt. Mit nur 192 von 411 Stimmen muss er nun seinen Platz räumen und stellt die verbliebenen Mitglieder vor die schwierige Aufgabe, einen neuen Vorsitzenden zu finden. Zwar gäbe es mit Björn Hansen einen geeigneten Kandidaten, so Hellner während der Sitzung, allerdings sei dieser erst seit einem Jahr im Aufsichtsrat und würde die Führung lieber erst nach einer weiteren Amtszeit von Maurus übernehmen.

Das überraschende Ergebnis kam zustande, nachdem alle vorherigen Punkte der Tagesordnung am vergangenen Freitag im Congress Centrum Sylt routiniert und ohne unerwartete Neuigkeiten abgearbeitet wurden: Der Geschäftsbericht war zufriedenstellend, Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet und die Mitglieder können sich über sechs Prozent Dividende freuen. Vorstand Michael Pietyra verabschiedete sich in den Ruhestand und mit Dirk Ehlers gibt es einen kompetenten Nachfolger. Auch der nächste Punkt hätte ähnlich unaufgeregt über die Bühne gehen können: Laut Satzung können Personen, die das 65. Lebensjahr vollendet haben, nicht in den Aufsichtsrat gewählt werden – Heinz Maurus wäre demnach aus dem Gremium ausgeschieden, und mit Martin Jessen stand bereits ein qualifizierter Nachfolger für seinen Sitz bereit. Da es noch keine Nachfolger für den Posten des Vorsitzenden gab, plädierten die übrigen Mitglieder dafür, zunächst die Anzahl der Aufsichtsratsmitglieder von fünf auf sechs zu erhöhen, um Martin Jessen als Mitgled und Heinz Maurus als Vorsitzenden gleichzeitig wählbar zu machen, und dann über beide Kandidaten gemeinsam abzustimmen. Damit Heinz Maurus satzungsgemäß auch nach Erreichen der Altersgrenze hätte gewählt werden können, hätte er mindestens 75 Prozent der Stimmen benötigt.

Mit diesem vorgeschlagenen Ablauf waren allerdings nicht alle einverstanden: Lars Schmidt meldete sich zu Wort und beantragte, die Wahlvorgänge voneinander zu trennen und die Wahl zum Aufsichtsrat geheim durchzuführen. Er befürchtete, dass sich vor allem Mitarbeiter der Sylter Bank bei einer öffentlichen Abstimmung nicht trauen würden, gegen Maurus zu stimmen. Nach erhitzten Diskussionen, zahlreichen Wortmeldungen aus dem Plenum und Rücksprache mit dem Vertreter des Genossenschaftsverbandes wurde die Wahl dann auch so durchgeführt und führte zu einem Ergebnis, das Schmidt keineswegs überraschte: „Das hat sich abgezeichnet, deshalb hatten ja die 273 anwesenden Mitglieder noch 138 Vollmachten dabei. Es ist an der Zeit, Platz für den Nachwuchs zu machen und Martin Jessen ist als Vorsitzender auch jetzt schon mehr als qualifiziert.“ Die heftigen Diskussionen vor der Wahl hätten der Position des Aufsichtsrates allerdings eher geschadet, so Schmidt weiter. 

Martin Jessen wurde mit 323 Stimmen als neues Mitglied in den Aufsichtsrat gewählt und freute sich über das deutliche Ergebnis: „Ich bin froh über den Zuspruch und hoffe, dass die Unstimmigkeiten dem Image der Sylter Bank nicht schaden. Die Bank und ihre Mitglieder sollten hier im Mittelpunkt stehen, und nicht die Personalien.“

Wer nun den Vorsitz übernehmen wird, wird der Aufsichtsrat in den kommenden Wochen klären.