Bürgermeister Rolf Speth im Interview

„Es soll wieder Ruhe einkehren“

Hörnums Bürgermeister Rolf Speth stand im Gespräch mit unserer Zeitung Rede und Antwort.

Wed, 25. Jul 2018
Hörnum
,
Sylt

Bei der Kommunalwahl im Mai wurde Bürgermeister Rolf Speth in seinem Amt bestätigt – und auch seine Allgemeine Wählergemeinschaft Hörnum (AWGH) ging als Sieger aus dem jüngsten Urnengang hervor. Das sind für den Sylter Spiegel Gründe genug nachzufragen, wo er die größten Herausforderungen für die neue Legislaturperiode sieht, aber vor allem auch, wie das Miteinander in den Gremien der Gemeinde verbessert werden kann. 

Herr Speth, wie zufrieden sind Sie mit dem Wahlergebnis vom Mai?
Ich bin unter den gegebenen Umständen zufrieden mit dem Ergebnis und froh, dass uns die Bürger erneut das Vertrauen geschenkt haben.

Was meinen Sie mit Umständen?
Durch die Vorgehensweise, Strafanzeigen gegen mich zu stellen, war es für den Wähler nicht einfach, das Kreuz bei uns zu machen. Der Großteil der Wähler hat aber erkannt, dass wir korrekt arbeiten. Warum die Staatsanwaltschaft bisher fast drei Jahre ermittelt und bisher immer noch keine Ergebnisse vorliegen, kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin davon überzeugt, dass die Hörnumer ihr Kreuz an der richtigen Stelle gemacht haben.

Also gehen Sie davon aus, dass die Anzeige politisch motiviert war?
Ich sehe das so. Wenn man aktiv in der Politik ist, gibt es immer mal Gegenwind. Das ist auch in Ordnung, aber es darf nicht dazu führen, dass man irgendwann auf die Position der Gegenseite einschwenkt, nur um dem Druck zu entgehen.

Der Politikstil in Hörnum wurde in den vergangenen Jahren heftig kritisiert. Werden Sie von sich aus auf die CDU zugehen, um die Wogen zu glätten und für ein konstruktiveres Miteinander zu werben?
Wir sind etliche Male auf die Union zugegangen. Aber wie wollen Sie mit jemandem vertrauensvoll zusammenarbeiten, der Strafanzeige gegen einen erstattet? Es ist noch keine mir vorgeworfene Unregelmäßigkeit bewiesen worden. Mir scheint, dass eine Zusammenarbeit mit der CDU nur dann möglich ist, wenn wir auf ihre Linie einschwenken. 
Zum Beispiel ist mir völlig unverständlich, warum die CDU, die sonst immer für Offenheit ist, auf einmal beantragt, dass die Wahl des Bürgermeisters in der Gemeindevertretung geheim stattfinden soll. Hoffte man auf Seiten der Union, dass ein Mitglied der AWGH gegen meine Wiederwahl als Bürgermeister stimmt?

Was fordern Sie von der CDU?
Die CDU soll für den Ort arbeiten, denn das gehört zu ihren Aufgaben.

Warum tun Sie sich diesen Stress eigentlich noch an?
Sie könnten doch auch einfach Ihren Ruhestand genießen? Ich möchte, dass noch während meiner Amtszeit die gegen mich erhobenen Vorwürfe aus der Welt geschafft werden.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in der kommenden Legislaturperiode?
Die Situation mit dem Hafen ist nach wie vor eines des dringlichsten Projekte. Aber hier gibt es noch viele offene Fragen.

Im Mai hätte eigentlich ein Gutachten der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben vorliegen sollen, die das gesamte Areal des Hafens bewerten soll. Wie ist da der Stand der Dinge?
Hier gibt es noch Beratungsbedarf. Ich bin aber zuversichtlich, dass in der nächsten Gemeindevertretersitzung das Gutachten besprochen werden kann.

Gibt es denn in Sachen Hafen ein belastbares Zeitfenster, wann mit der Sanierung begonnen werden kann?
Ich fürchte nein. Selbst bei einer Übernahme mit geringer finanzieller Belastung der Gemeinde müssen alle anfallenden Reparaturen und Umbaumaßnahmen von uns gestemmt werden. Dazu bedarf es baurechtlicher Gutachten sowie der Einbeziehung des Naturschutzes. Erfahrungsgemäß ziehen sich solche Verfahren entsprechend lange hin. Eine endgültige Entscheidung für die Gestaltung des Hafens und einen Kauf kann nur unter Einbeziehung der Hörnumer Bürger stattfinden.

Aber in Sachen Hafen ist es doch bereits fünf vor zwölf.
Eigentlich ist es bereits viertel nach zwölf. Wegen der hohen Betriebsamkeit durch die Adler-Schiffe und die Muschelfischer ist der Hafenbetrieb durch die beiden gesperrten Molen bereits stark eingeschränkt. Das kann so nicht mehr lange hingenommen werden.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, dass sich eine Entscheidung in Sachen Hafen so lange hinzieht?
Die Zukunft des Hafens ist deshalb so unsicher, weil sich in dieser Gleichung viele Variablen befinden: der Bund, das Land, die Wasserschifffahrtsverwaltung – und letztlich auch die Gemeinde sind involviert. Das macht die Sache einfach kompliziert.

Welche Projekte stehen sonst noch an?
Aus dem Grundstück an der alten Schule könnte man etwas machen und es entwickeln. Das ist eine super Lage mit tollem Ausblick. Mit dem Erlös des Grundstücks könnte man beispielsweise den Bau einer Multifunktionshalle mit Nutzungsmöglichkeiten für alle Hörnumer Bürger und Vereine schaffen. Für solch ein Projekt müssen die Bürger aber frühzeitig mit einbezogen werden. Ich hoffe, dass wir hierbei zu einem gemeinsamen Ergebnis in der Gemeindevertretung kommen werden. Das würde mich freuen.

Mehr Dauerwohnraum zu schaffen ist eine der dringendsten Aufgaben auf der Insel. Wie sieht die Lage im Inselsüden aus?
Meiner Meinung nach kann es nicht genug Dauerwohnraum geben. Unser Ziel sollte sein, dass die Leute auf der Insel bleiben. Vor allem der Bedarf an Single-Wohnungen ist hoch. Das wird eine große Herausforderung in den nächsten fünf Jahren, auch wenn wir schon viel geschafft haben. In den vergangenen Jahren konnten wir rund 70 neue Wohnungen errichten. In Hörnum gibt es viele Arbeitsplätze. Es wäre doch toll, wenn die Menschen dann auch hier vor Ort wohnen könnten. Da wir immer noch Wohnraum durch die Veräußerungen des Bundes verlieren, brauchen wir nach wie vor zusätzlichen Wohnraum.

Was würden Sie sich für die Gemeinde Hörnum wünschen, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?
Ich würde mir wünschen, dass der neue Betriebsleiter längerfristig bei uns erfolgreiche Arbeit leistet. Ferner hoffe ich, dass der Ort aus den Negativschlagzeilen herauskommt. Mit schlechter PR ist niemandem geholfen. In Hörnum soll wieder Ruhe einkehren. Das wünsche ich mir.