Opening zum 25-Jährigen vor vollem Haus

Meerkabarett feierlich eröffnet

Foto: © Matthias Kerber / Sylter Spiegel GmbH

Die zahlreichen Besucher nutzten die Zeit vor dem ersten Programm- punkt, um sich mit Getränken und Snacks zu stärken.

Wed, 18. Jul 2018
Rantum
,
Sylt

Licht aus, Spot an hieß es am vergangenen Montagabend: Das Meerkabarett startete in seine 25. und damit Jubiläumssaison. „Sie dürfen sich über insgesamt mehr als 45 Veranstaltungen freuen“, ließ Veranstalter Joachim Wussow die Gäste im voll besetzten Saal der SyltQuelle wissen. Für alle Programmpunkte gebe es noch Karten. Nachdem es im vergangenen Jahr erstmals auch Veranstaltungen im Keitumer Friesensaal gegeben hatte, wird es in dieser Saison dort 15 Auftritte geben, so Wussow in seinen kurzen einleitenden Worten. Anlässlich der Jubiläumssaison gibt es zusätzlich zwei echte Konzerthighlights mit der PopLegende Anastacia und dem Singer-Songwriter Max Giesinger. Auch hierfür gebe es noch Karten, so Wussow. Und dann betrat ein alter Bekannter in Rantum die Bühne: Piet Klocke.

Er ist Komödiant, Musiker, Komponist, Autor und Schauspieler in einer Person – und somit ein wahres Multitalent. Auf seine unvergleichliche Art hat er auch am vergangenen Montagabend durch das Programm der Eröffnungsgala geführt und, wie erwartet, auch keinen Satz halbwegs sinnvoll vollendet – sein Markenzeichen. „Sie werden diesen Abend über Jahrzehnte im Stübchen behalten“, versprach er den Zuschauern.

Der erste Show-Act des Abends war jedenfalls außergewöhnlich genug, um im Gedächtnis zu bleiben. Gabor Vosteen vereinte in seiner kleinen Konzertshow Musik und Comedy und spielte auf bis zu fünf Blockflöten gleichzeitig. Dabei nutzte er nahezu jede Körperöffnung, die in irgendeiner Form Luft erzeugen kann, um seinen roten Blockflöten Töne zu entlocken. 

Musikalisch ging es weiter. Der Schauspieler und Sänger Tim Fischer präsentierte nach der Behebung eines kleinen Mikrofondefekts echte Chansonperlen zusammen mit seinem Pianisten Thomas Dörschel, die nach 15 Jahren wieder zusammen auf der Bühne standen. Er zeigte ein großes Repertoire seine stimmlichen Facetten und schmetterte bekannte Songs wie „Caprifischer“ und „Rinnsteinprinzessin“, denen er mit seiner Interpretation eine neue, eigene Atmosphäre verlieh. Auch das Publikum durfte seine Gesangsqualitäten – ein wenig schüchtern – unter Beweis stellen, als Fischer durch die Zuschauerreihen schlenderte und den verdutzten Gästen das Mikro hinhielt. 

Nachdem rund 30 Jahre Erfahrung die Bühne verlassen hatten, bekamen auch die Nachwuchsmusiker von „You‘ll Be Mine“ ihren großen Auftritt. Die Sylter Musiker Adrian Dahlkamp, Kim Reichart, Pavel Stanev und Tom Schwichtenberg sind die diesjährigen Titelträger des Henner-Krogh-Förderpreises. Der Aufforderung des Frontmanns der Band, auch mal auf den Text zu achten, wären die Zuschauer sicher gerne gefolgt, aber der eigentlich gelungene Sound kam derart übersteuert daher, dass Gesang und Text bestenfalls erahnt werden konnten. Schade eigentlich!

Nach einem bunten Potpourri musikalischer Darbietungen betraten zum krönenden Abschluss des Abends „Emmi & Willnowsky“ die Bühne, die den absolute Höhepunkt dieses Openings markierten. Das Bühnenehepaar, dessen Musik-Comedy-Programm mit „Szenen einer Ehe“ überschrieben werden könnte, überzeugte das Publikum mit Wortgewaltigkeit und Sprachwitz und ihrer toll präsentierten Hassliebe füreinander. „Ich bin zwar verheiratet, mache aber keinen Gebrauch davon“, erzählte Emmi dem Publikum, das immer wieder auf gekonnte und lustige Weise mit einbezogen wurde. So musste sich ein 18-jähriger Sylter den verbalen Annäherungsversuchen von Emmi erwehren. Aber auch Willnowsky wusste sein Leid zu klagen. „Meine Frau macht gerade einen OrigamiKursus, damit sie mich besser zusammenfalten kann.“ Die beiden Entertainer hatten die Zuschauer direkt auf ihrer Seite. Dabei wäre der Seitenhieb auf die Deutsche Bahn gar nicht nötig gewesen, der aber dennoch mit frenetischem Applaus bedacht wurde. „Wir hassen die Deutsche Bahn, kommt schließt Euch der Klage an“ sangen sie und sorgten damit ebenso für Lacher wie mit „Willst du von Husum nach Westerland, kommst Du vielleicht niemals an“ oder auch mit dem Bonmot „Steht etwas Dunkles im Schnee, ist es ein ICE“. „Wir wissen, wie man sich beim Sylter Publikum einschleimt“, so Willnowsky. Das zeigte offenbar Wirkung, denn das Duo musste nach seinem Auftritt für eine Zugabe noch einmal auf die Bühne, auf der sich zum Abschluss noch einmal alle Künstler trafen. Veranstalter und Gäste dürfen sich insgesamt über eine gelungene Auftaktveranstaltung in die Jubiläumssaison freuen.