Manfred Uekermann im Interview mit unserer Zeitung

„Die Einigkeit macht uns stark!“

Foto: © Archiv / Sylter Spiegel GmbH

Die Feuerwache muss dringend durch eine neue ersetzt werden, sagte der langjährige Ortsbeiratsvorsitzende Manfred Uekermann im Interview mit unserer Zeitung.

Wed, 11. Jul 2018
Tinnum
,
Sylt

Fast ein Vierteljahrhundert war Manfred Uekermann im Ortsbeirat Tinnum aktiv. 20 Jahre davon als Vorsitzender. Im Gespräch mit dem Sylter Spiegel erzählt der gebürtige Tinnumer, warum er sich von diesem Amt zurückgezogen hat und warum für ihn der Ort besonders lebens- und liebenswert ist – aber auch, vor welchen Herausforderungen er steht.

Herr Uekermann, nach 20 Jahren stehen Sie nicht mehr als Vorsitzender des Ortsbeirates Tinnum zur Verfügung. Warum haben Sie sich von diesem Amt zurückgezogen?
Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich dieses Amt immer sehr gerne ausgeübt habe. Für einen Kommunalpolitiker ist das eine sehr attraktive Tätigkeit. Man kann gestalten, arbeitet überparteilich und ist besonders nah an den Bürgern dran. Das hat mir immer viel bedeutet und auch sehr großen Spaß gemacht.

Warum haben Sie dann aufgehört?
Zum einen ist es so, dass ich im Laufe der Zeit auch zusätzliche Aufgaben übernommen habe, beispielsweise für die Insel- und Halligkonferenz und im Kreistag. Da bin sehr viel unterwegs, vor allem mit dem Zug, und dabei geht bekanntermaßen manchmal mehr Zeit drauf als man ursprünglich eingeplant hat. Zum anderen sollte nach einer gewissen Zeit auch mal ein personeller Umbruch stattfinden. Der ist wichtig und auch notwendig, zumal wir viele gute Leute haben, die sich einbringen wollen. 

Wer wird Ihnen im Amt als Ortsbeirtatsvorsitzender nachfolgen?
Das Amt wird Raphael Ipsen übernehmen. Im Ortsbeirat sitzen zudem drei weitere CDU-Mitglieder: Siegfried Engel, unser Ortswehrführer, dazu Bernd Middeke und Pastor Ingo Pohl. Ich denke, das ist eine gute Besetzung und ich bin davon überzeugt, dass es weiterhin gut laufen wird und sich alle für den Ort einbringen werden. Die große Einigkeit macht uns stark! So soll es weitergehen. 

Sie sind gebürtiger Tinnumer und wohnen dort mit Ihrer Familie. Was macht für Sie den Ort besonders lebenswert?
Tinnum lebt! Wir haben einen sehr hohen Anteil an einheimischen Einwohnern und demzufolge richtig gute nachbarschaftliche Verhältnisse. Das macht sich auch im aktiven Vereinsleben im Ort bemerkbar. Wir haben Sportvereine, den Dorfverein, die Feuerwehr und viele andere. Und im Winter brennt bei uns noch Licht im Fenster (lacht). Darüber hinaus haben wir eine hervorragende Infrastruktur, fast alles kann zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden. Das ist ein Zustand, den nicht nur ich, sondern die meisten anderen Tinnumer sehr schätzen. 

Also gibt es die Problematik mit einer Vielzahl von Zweitwohnungsbesitzern in Tinnum nicht?
Wichtig ist, dass die Zweitwohnungsbesitzer nicht Überhand nehmen. Es sollte ein gewisses Gleichgewicht herrschen. Der Ort muss aber in jedem Fall attraktiv für Einheimische bleiben, damit die gut funktionierende Dorfstruktur und die Gemeinschaft erhalten bleibt. Dafür sollte sich der Ortsbeirat einsetzen.

Gibt es denn aufgrund eines Zuviels an Zweitwohnungsbesitzern in bestimmten Orten einen verstärkten Zuzug nach Tinnum?
Es ist schon ein Zuzug aus den anderen Inseldörfern zu beobachten – wohl auch wegen den noch verhältnismäßig günstigen Immobilienpreisen. Der Haken an der Sache ist aber, dass dadurch natürlich die anderen Orte auf die Dauer ausbluten.

Wenn Sie auf die mehr als 20 Jahre Ihrer Tätigkeit im Ortsbeirat zurückblicken, was waren für Sie die Höhepunkte?
Ich glaube, dass es besonders wichtig war, dass wir den Kindergarten und die Grundschule im Ort erhalten konnten. Es gibt den nötigen Nachwuchs und das ist ein positives Signal. Auch die Erweiterung der Feuerwehrwache im Hinblick auf die damalige Bäckerei Engel war wichtig.

Apropos Feuerwehrwache. Wie sieht es hinsichtlich des Baus eines neuen Gerätehauses momentan aus?
Die Feuerwehrunfallkasse hat enormen Druck entwickelt und zwingt uns zum Handeln. Das Gerätehaus an der Boy-Nielsen-Straße ist an Grenzen gekommen.

Wie macht sich das bemerkbar?
Es gibt beispielsweise eine Sonderverfügung, dass bei einem Einsatz die Fahrzeuge erst aus der Halle gefahren werden müssen, bevor sich die Kameraden umziehen können. 

Können da überhaupt noch die Hilfsfristen eingehalten werden?
Einfacher wird es dadurch jedenfalls nicht. Aber daran sieht man, dass sich ein ziemlich großer Handlungsdruck aufgebaut hat und durch das Ausschlussverfahren ist am Schluss nur noch das Grundstück am Kampende als möglicher Ort für ein neues Feuerwehrgerätehaus übrig geblieben. 

In Sachen Tinnumburg gab es Ideen, dieses Monument auch für den Status eines Unesco-Weltkulturerbes vorzuschlagen. Glauben Sie, dass das die Pläne für ein neues Feuerwehrgerätehaus beeinträchtigt, weil der mögliche Bau in der Sichtachse liegt?
Prinzipiell finde ich den Ansatz, die Tinnumburg aufzuwerten, nicht verkehrt. Er sollte aber nicht dazu führen, dass dadurch etwas anderes verhindert wird. Ich bin der Meinung, dass das eine das andere nicht ausschließen muss. Die Prioritäten müssen gewichtet werden. Der Ortsbeirat hat sich ganz klar für den Bau eines Feuerwehrgerätehauses am Kampende ausgesprochen.

Blicken wir kurz in die Zunkunft. Glauben Sie, dass der neue Ortsbeirat gut aufgestellt ist für die Zukunft?
Davon bin ich überzeugt! Die Vielfalt in diesem Gremium macht uns stark und der Ortsbeirat in Tinnum hat ein gutes Verhältnis zu Verbänden, Vereinen, Schule und Kindergarten aufgebaut und ich denke, dass diese Bürgernähe auch von den neuen Mitgliedern gelebt wird und sich jeder für den Ort einbringt, damit Tinnum weiterhin ein lebenswerter Ort bleibt.