Verlegung der Autoverladung nach Tinnum?

Umweltausschuss lehnt Studie ab

Foto: © Archiv / Sylter Spiegel GmbH

Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft (neg) will in Zusammenarbeit mit der Insel- und Halligkonferenz u.a. die Verlegung der Autoverladung ins Gewerbegebiet nach Tinnum prüfen lassen. Der Umweltausschuss lehnt ab.

Thu, 13. Sep 2018
Westerland
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Sylt

Der Bahnverkehr von und nach Sylt stottert gewaltig. Unpünktlichkeit und ein marodes Schienennetz treiben Pendler und Unternehmer seit fast zwei Jahren zur Verzweiflung. Ideen zur Verbesserung der Situation umfassen nicht nur die Elektrifizierung der Strecke sowie den zweigleisigen Ausbau der Marschbahn vor allem zwischen Klanxbüll und Niebüll, sondern auch eine mögliche Verlegung der Autoverladung aus Westerland. Auf Vorschlag der Insel- und Halligkonferenz und der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (neg) soll eine Machbarkeitsstudie erstellt werden, die die Bahninfrastruktur der Insel in den Blick nimmt. Die Initiative der neg erfasst nicht nur den Güterverkehr – hierbei insbesondere den Umschlag von Gütern zwischen Straße und Schiene –, sondern auch eine mögliche Verlagerung der Autoverladung ins Gewerbegebiet am Flughafen.

Der Umwelt- und Verkehrsausschuss sollte in seiner jüngsten Sitzung darüber entscheiden, ob die Verwaltung damit beauftragt wird, diese Studie fachlich und inhaltlich zu begleiten. Die Ausschussmitglieder kamen zu einem klaren Votum – Nein! Bei einer Gegenstimme (Nahne Johannsen, Insulaner) sah die große Mehrheit keine Notwendigkeit, die Machbarkeitsstudie zu unterstützen.

„Beim Thema Flächenversiegelung sehe ich schwarz“, so Holger Weirup (SPD). Er sehe keine Lösung des Problems, sondern nur eine Verlagerung, führte er weiter aus. Eberhard Eberle (SPD) fand es „ein Unding“, dass die Verwaltung keine weiteren Informationen zum Beschlussvorschlag geliefert habe. Andrea Decker (SWG) befand: „Wir haben eine funktionierende Verladung. Das Problem sind zu viele Autos auf der Insel.“ Es sollten keine Pläne unterstützt werden, die eine weitere Versiegelung von Flächen vorsieht.

Weirup warf zudem die Frage auf, was die neg als Tochterunternehmen der luxemburgischen Eisenbahngesellschaft mit der Studie zu tun habe. Schließlich gehöre das Areal der Autoverladung der Deutschen Bahn AG, die zudem sehr viel in den Standort investiert habe.

Ingo Dewald, Geschäftsführer der neg, konterte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir sind ein hiesiges Unternehmen, das ein Interesse hat, die Probleme aufzulösen.“ Und weiter: „Wir verfügen über die Infrastruktur vor Ort.“ Die Machbarkeitsstudie will er darüber hinaus nicht als Angriff auf die Deutsche Bahn verstanden wissen: „Wir machen mit der Studie ein Angebot zur Entzerrung des Problems.“ Die Entscheidung des Umwelt- und Verkehrsausschusses fasste er sarkastisch als „sehr erheiternd“ auf. „Was hat das für eine Außenwirkung?“, fragte er. Man habe den Auftrag vom Landesverkehrsministerium, das zudem die Mittel für die Machbarkeitsstudie bereitstelle, so Dewald, der noch einmal darauf hinwies, was die Untersuchung genau prüft: „Die Machbarkeitsstudie prüft, ob potentielle Flächen die technischen, naturschutzrechtlichen und städtebaulichen Voraussetzungen erfüllen, um dorthin gegebenenfalls die Autoverladung zu verlegen“, so Dewald. Mit der Fertigstellung der Studie rechne er im ersten Quartal 2019. Auch Bürgermeister Nikolas Häckel fand das Nein des Ausschusses „sehr irritierend. Das ist eine sehr schlechte Optik.“ Das Ergebnis sei eindeutig und er werde das Thema nicht in die Gemeindevertretung einbringen. Dies könne sie bei Bedarf ohnehin selber tun.

„Ich werde zwar alle erforderlichen Unterlagen und Pläne, die die neg braucht, zur Verfügung stellen, aber von mir wird es keine Impulse oder Ideen geben, was wichtig für die Insel und die Gemeinde ist“, so der Bürgermeister abschließend.