Tinnums neuer Ortsbeiratsvorsitzender Raphael Ipsen im Interview

Ziel ist familienfreundlichster Ort

Foto: © oh / Sylter Spiegel GmbH

Raphael Ipsen ist seit der neuen Legislaturperiode neuer Ortsbeiratsvorsitzender in Tinnum.

Thu, 06. Sep 2018
Tinnum
,
Sylt

Raphael Ipsen tritt in große Fußstapfen und folgte Manfred Uekermann auf den Posten als Vorsitzender des Ortsbeirates Tinnum. Wie er das Gremium in Zukunft führen möchte und was die größten Herausforderungen für Tinnum sind, verrät er im Gespräch mit dem Sylter Spiegel.

Herr Ipsen, wie kam die Entscheidung zustande, für den Vorsitz des Ortsbeirates in Tinnum zu kandidieren?
Kandidiert im klassischen Sinne habe ich gar nicht. Bei einer internen Abstimmung wurde ich gefragt, ob ich mir das vorstellen kann, und ich habe mich dann schließlich dazu bereit erklärt, zumal es der CDU ja insgesamt auch um die Einleitung eines Verjüngungsprozesses geht.

Waren Sie von dem Rückzug von Manfred Uekermann überrascht, der den Vorsitz 20 Jahre inne hatte?
Das war für mich persönlich tatsächlich eine echte Überraschung, aber bei dem Arbeitspensum von Manfred Uekermann kann ich diesen Schritt absolut nachvollziehen.

Warum folgte jetzt der Schritt in die Politik?
Ich war auch in der Vergangenheit schon politisch bei der SWG engagiert. Ich war unter anderem im Finanzausschuss der Gemeinde Sylt, im Landschaftszweckverband und im Zweckverband Inselgemeinschaft Flughafen Sylt aktiv.

Sie waren dann aber einige Zeit nicht mehr auf der politischen Bühne. Woran lag das?
Der Rückzug aus der Politik hatte persönlich-familiäre Gründe, die so zeitintensiv waren, dass ich die politische Arbeit aufgeben musste.

Warum erfolgte mit ihrem Wiedereinstieg in die Politik der Wechsel zur CDU?
Ich habe mich gefragt, wo ich am meisten bewegen kann und welche politische Grundausrichtung am besten zu mir passt. Und die größten Schnittmengen gab es am Ende mit der CDU.

Sie sind erst seit März Mitglied in der Union und jetzt schon Ortsbeiratsvorsitzender von Tinnum. Das ist eine ziemlich steile Karriere.
Der Schritt ist sicherlich schnell erfolgt, aber man kennt sich untereinander durch andere Tätigkeiten, so dass man natürlich den Leuten nicht völlig unbekannt ist und sie wissen, was sie von mir erwarten können. Ich bin ja unter anderem im Verein Sylter Unternehmer im erweiterten Vorstand aktiv, ebenso im DEHOGA.

Als Sie für den neuen Posten zugesagt haben, war Ihnen da bewusst, auf welchen Job Sie sich einlassen?
Ich habe mich vorher ausgiebig informiert, um was es geht und weiß zu 90 Prozent, was mit dieser Tätigkeit alles verbunden ist.

Und wie war der Start als neuer Ortsbeiratsvorsitzender?
Ich bin sehr gut vorbereitet worden für die neue Aufgabe, vor allem von Manfred Uekermann, von dessen Erfahrung ich natürlich stark profitiere und der auch immer noch mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn ich Fragen habe. Aber auch die anderen Ortsbeiratsmitglieder haben mir den Einstieg leicht gemacht und unterstützen mich natürlich in meiner Arbeit.

Welche Philosophie haben Sie bei der Umsetzung der kommenden Herausforderungen?
Mir sind flache Hierarchien und ein gemeinsames Miteinander sehr wichtig. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, dann können wir auch etwas bewegen. Das ist zum einen deutlich effektiver und macht auch mehr Spaß. Bei meinem neuen Posten möchte ich nicht den Chef geben, der einfach Dinge entscheidet, sondern ich sehe mich eher als Moderator, der Kräfte und Ideen bündelt und versucht Synergien zu schaffen. Wir müssen versuchen, den Spagat hinzubekommen, die Insel Sylt in den Fokus unserer Arbeit zu rücken und dabei die Inselorte mit ihren berechtigten Interessen gut in das Gesamtgefüge der Insel einfügen.

Mit welchen Herausforderungen wird der Ort Tinnum ihrer Meinung nach in Zukunft konfrontiert?
Aktuell ist es wichtig, die Feuerwehr für die Zukunft gut aufzustellen und auszurichten, vor allem auch hinsichtlich der Frage nach einem neuen Standort für die Feuerwehrwache.

Wie ist in dieser Frage der Stand der Dinge?
Damit wird sich der Feuerschutzausschuss in seiner Sitzung am 24. September beschäftigen. Danach sehen wir weiter, ob der favorisierte Standort am Kampende als Bauplatz möglich sein wird. Das Thema wird noch einige Ausschüsse in der Gemeinde Sylt durchlaufen müssen.

Welchen Aufgaben muss sich Tinnum in Zukunft denn noch stellen?
Familien in Tinnum und auf der gesamten Insel müssen in den Vordergrund gestellt werden und zwar mit der gesamten Infrastruktur, die dahinter steht. Das sage ich nicht nur als dreifacher Familienvater, sondern weil es meine feste Überzeugung ist. Und wenn ich Familie sage, meine ich nicht nur junge Familien. Meiner Meinung nach sollte unser Ziel sein, die Insel insgesamt hin zu einem der familienfreundlichsten Orte weiter zu entwickeln.

Was gehört für Sie dazu?
Dazu gehört für mich eine gute Kinderbetreuung mit ausreichend vielen Kitaund Kindergartenplätzen sowie eine Ganztagsschule und das Ganze ohne KitaGebühren oder Ähnlichem. Wir brauchen darüber hinaus adäquate Betreuungsangebote für unsere Kinder während der Ferienzeiten. Wir müssen uns diesbezüglich stärker an die saisonalen Gegebenheiten und Bedürfnisse der hier lebenden Familien anpassen.

Wie sieht es beim Thema Wohnraum in Tinnum aus?
Tinnum hat eine gute Wohnstruktur mit einer hohen Dichte an Insulanern. Diese vernünftige Ortsstruktur sollten wir beibehalten. Der Bau von Doppelhäusern im Boy-Peter-Eben-Weg am Kindergarten Tinnum ist der richtige Weg, um Familien hier anzusiedeln. Denn wir brauchen Familien auf Sylt, auch um den Fachkräftemangel abfedern zu können. Auch vor diesem Hintergrund ist mein Appell zu verstehen, dass sich die Insel zu einem der familienfreundlichsten Orte entwickeln sollte.

Ist der Ortsbeirat für die von Ihnen beschriebenen Herausforderungen gut aufgestellt?
Ich glaube, wir haben eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Mitgliedern. Die Herausforderungen kommen und gehen und die gilt es im Einklang mit den Tinnumern zu bewältigen. Ich freue mich schon darauf, zusammen mit der Gemeinschaft Impulse zu setzen und den Ort weiterhin attraktiv und lebenswert zu gestalten.

Was macht für Sie Tinnum besonders lebenswert?
Tinnum besticht vor allem durch seine hervorragende Infrastruktur und durch seine hohe Insulanerdichte und, damit einhergehend, durch ein schönes und funktionierendes nachbarschaftliches Gefüge.