Wellenreiten als Therapie in der „SyltKlinik

Auf der Welle zurück ins Leben

Foto: © oh / Sylter Spiegel GmbH

Die Surftherapie der Sylt Klinik verleiht den Kindern wieder neues Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Thu, 06. Sep 2018
Wenningstedt
,
Sylt

„In dieser Therapie passiert ganz viel und für die Kids ist das eine intensive Zeit“, erklärt Florian Gränert, Sporttherapeut an der „SyltKlinik“ in Wenningstedt. Er entwickelte 2006 das Konzept zur Surftherapie für krebskranke Kinder. Mittlerweile kann Gränert auf einen großen praktischen Erfahrungsschatz zurückgreifen. „Als wir hier auf Sylt damit angefangen haben, hatten wir keinerlei Vergleichsgröße, wie man so etwas professionell mit einem therapeutischen Ansatz aufzieht“, erzählt der sympathische Sporttherapeut. Das eigentliche Surfen stehe dabei gar nicht so sehr im Mittelpunkt der Therapie. Das Wellenreiten soll ihnen vielmehr wieder ein positives Körpergefühl vermitteln sowie Kraft und Ausdauer nach einer oftmals langen physisch und psychisch anstrengenden Zeit mit Chemo- oder Strahlentherapie stärken. „Uns geht es um die körperliche und seelische Stabilisierung der Kinder“, erklärt Gränert. Surfen für Körper und Seele.

Die Kinder kommen immer mit ihrer gesamten Familie für vier Wochen in die „SyltKlinik“ zur Reha. Die meisten Familien kommen aus Mittel- oder Süddeutschland, so dass es für viele oftmals schon ein Erlebnis ist, überhaupt das erste Mal im Meer schwimmen zu gehen.

Die Surftherapie wird sehr gut angenommen. Dabei werden meist zwei Gruppen à fünf bis sechs Teilnehmer gebildet, die zwischen vier und sechs Terminen am Strand und im Wasser verbringen.

Doch bevor es ins Wasser geht, muss Gränert das Vertrauen der Eltern gewinnen, denn die dürfen erst bei einem der letzten Termine am Strand vorbeischauen. „Für die Kinder ist das eine zusätzliche Belastung und Stress, wenn die Eltern schon gleich beim ersten Mal am Strand stehen und Fotos machen. Da setzen sie sich leicht unter Druck“, erklärt er. Manchmal muss er aber auch die Kinder selbst überzeugen. Vor allem die, die nach ihrer Therapie noch sehr geschwächt sind. „Wir holen die Kinder dort ab, wo sie stehen“, so Grändert weiter. Das gemeinsam Erlebte setzt bei den Kindern allerdings viel in Gang. Schon die Fahrt zum Strand zwischen Rantum und Hörnum ist Bestandteil der Therapie. „Da sind die Kinder unter sich und tauschen sich ungezwungen über das Erlebte aus. Das sind intensive Gespräche und da passiert ganz viel. Manchmal wünsche ich mir, dass die Fahrt zum Strand länger dauert“, lacht Gränert. Für viele Kinder ist die Surftherapie ein positiver Schub. Das was ihnen die Krankheit genommen hat, gibt ihnen das Surfen ein Stück weit zurück. „Die Therapie auf dem Brett macht etwas mit den Kindern. Sie tanken Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.“

Die Surftherapie wird von den Krankenkassen allerdings nicht übernommen. Dieses Angebot ist ein spendenfinanziertes Projekt und vom Förderkreis der „SyltKlinik“ finanziert.

Um die Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen außerhalb der „SyltKlinik“ durch sporttherapeutische und erlebnispädagogische Projekte nachhaltig zu fördern, hat Gränert das „Meer Leben Surf“-Projekt ins Leben gerufen.

Daran angeschlossen, in Kooperation mit der Deutschen Kinderkrebsstiftung, ist das „Stay Strong Surf Camp“. Hierbei haben jeweils zehn onkologisch erkrankte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren die Möglichkeit, das Surfen als Therapie kennenzulernen, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen und neue Energie zu schöpfen. Der Fokus liegt auf therapeutischen Surfen und Stand Up Paddling.

Weitere Informationen zu allen Angeboten finden sich im Internet unter: