Jürgen Gosch ist Gastronom des Jahres 2020

Ehrung für Fischkönig von Sylt

Sa, 28. Dez 2019
List

List/Bremen.(sc) Vom Maurer zum besten Gastronom des Jahres: Das klingt nach einer Karriere, wie sie nur auf Sylt ihren Ursprung nehmen kann. Anfang November hat das Verlagshaus Busche auf der Busche Gala im Bremer Park Hotel erneut die besten Köche, Hoteliers und Gastronomen des Jahres in mehr als zehn Kategorien gekürt. Seit 1998 richtet das Verlagshaus dieses Branchenereignis aus, bei dem auch die jeweiligen Neuauflagen des „Schlemmer Atlas“ und des „Schlummer Atlas“ präsentiert werden. Mittlerweile gehört es zu den Highlights der Spitzengastronomie und -hotellerie im deutschsprachigen Raum: Zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft gehörten auch in diesem Jahr wieder zu den Mitwirkenden und Gästen. Zu den Preisträgern in diesem Jahr zählte neben Dieter Hallervorden als „Genießer des Jahres“ und Gordon Debus, der viele Jahre das Lister Hotel Arosa führte, auch ein Mann, von dem viele gar nicht wissen, dass er in jungen Jahren Steine statt Fische gestapelt hat: Jürgen Gosch durfte die Auszeichnung in der Königsdisziplin „Bester Gastronom des Jahres 2020“ in Empfang nehmen. 

„Es war schon eine spektakuläre Veranstaltung, mit Feierstunde und allem Drum und Dran“, erinnert er sich. „Vor rund 300 Zuschauern wurde eine Laudatio gehalten, bevor ich auf die Bühne gerufen wurde. Das Park Hotel, in dem ein Teil der Veranstaltung stattfand, wurde an diesem Abend ebenfalls ausgezeichnet.“ Knapp drei Jahre zuvor, im Februar 2017, wurde Gosch beim 23. deutschen Gastronomiepreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. „Diese beiden Auszeichnungen waren für mich die beeindruckendsten. Aber diese Erfolge kommen nicht von allein: Wenn man keine Leistung bringt, wird auch nichts honoriert.“ Sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, würde dem „Fischkönig von Sylt“ ohnehin nie in den Sinn kommen. Wenige Tage nach der Auszeichnung sitzt er schon wieder in seiner „nördlichsten Fischbude“, die mittlerweile ein wahres Fisch-Imperium ist, empfängt einen Termin nach dem anderen, probiert neue Fischgerichte und arbeitet an neuen Plänen. „Je größer man wird, um so angreifbarer wird man auch, damit muss man lernen, umzugehen.“ Und groß ist das Unternehmen mittlerweile allemal: Der Aufstieg des einstigen Aalverkäufers am Sylter Strand zum Kapitän und Steuermann einer großen Marke hat Geschichte geschrieben und auch so manche (wahre) Legende geschaffen. 1967, Gosch hatte es als Maurer für ein Bauprojekt auf die Insel verschlagen, kündigte er seine Anstellung als Handwerker und machte sich als Aalverkäufer am Sylter Strand einen Namen: „Meine Großeltern hatten ein großes Baugeschäft, das ich übernehmen sollte. Nach meiner Maurerlehre schickte mein damaliger Chef mich nach Sylt, so bin ich hier gelandet. Nach Feierabend war ich oft am Hafen bei den Fischkuttern. Die haben damals nur Krabben verkauft, obwohl die Gäste immer nach Aalen gefragt haben. Darum habe ich mich dann nach Feierabend hingestellt und Aale verkauft.“ 

Sesshaft wurde Gosch dann 1972 in List mit der Nördlichsten Fischbude Deutschlands. Dort entstand auch seine berühmte „Fischsuppe ohne Gräten“: In Ermangelung einer behördlichen Schankerlaubnis verkaufte er Korn mit Zitronenbrause und Krabben in den Plastikbechern, in die sonst die Fischsalate kamen. „Dem Hafenmeister habe ich erklärt, wieviel Schnaps ich in meine Fischsuppe mache, gehe ihn gar nichts an“, erinnert sich Gosch lachend. Inzwischen ist die Marke Gosch an mehr als 40 Standorten zwischen List, Flensburg, Usedom und München vertreten und zählt zu den 100 bekanntesten Marken Deutschlands. Mit seinen Restaurants auf fünf TUI Cruises-Kreuzfahrtschiffen verbindet Jürgen Gosch sogar Nationen. In seinem Herzen aber bleibt der gebürtige Nordfriese Sylter durch und durch. „Sylt hat viel zu unseren Erfolgen beigetragen. Aber man muss seinen Beruf auch lieben und sich zutrauen, was man tut. Ich habe immer alles gegeben, was ich konnte, und liebe Fisch heute noch genauso wie vor 50 Jahren.“