Steyler Missionsschwestern wurden am 1. Advent verabschiedet

Elf Jahre Missionsarbeit auf Sylt

Auf dem Foto sind zu sehen (v.l.): die Schwestern Gabriele, Maria Mitis, Pfarrer Dieter Lankes, Francisca sowie Pfarrer Germain Gouen.

Sa, 28. Dez 2019
List
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Westerland

List/Westerland.(sc) Sie sieht auf den ersten Blick gar nicht aus wie eine Ordensschwester: Anstatt in Ordenstracht erscheint Schwester Francisca in ganz gewöhnlicher Alltagskleidung. Fast könnte man übersehen, dass sie eine Nonne ist – wäre da nicht das Strahlen in ihren Augen. „Ob ich in Zivil gekleidet bin oder in Tracht, das ändert an meiner inneren Berufung gar nichts“, sagt sie - und berichtet, sie habe ihre Berufung sehr früh gespürt: „Ich hatte als Kind sehr tiefe Erlebnisse, die mich zum Ordensleben führten.“ Ihr Orden, das sind die Steyler Missionsschwestern, eine internationale missionarische Gemeinschaft mit Hauptsitz im Niederländischen Steyl. Ihre verbindlichen Zeichen sind das Kreuz um den Hals und der Missionsring am Finger, „ob wir zusätzlich die Schwesterntracht tragen wollen, ist unsere freie Entscheidung.“ 

Drei Schwestern des Ordens waren bis vor wenigen Wochen Teil der rund 2.000 Mitglieder zählenden katholischen Kirchengemeinde auf Sylt. Die Tourismusseelsorge war elf Jahre lang Aufgabe von Schwester Francisca. Weil sie Exerzitien gibt - das sind geistliche Übungen, die abseits des alltäglichen Lebens zu einer intensiven Besinnung und Begegnung mit Gott führen sollen - war das Abendgebet am Meer eine ihrer liebsten Beschäftigungen: „Weil die Leute sehr intensiv dabei waren; das hat mich innerlich immer enorm mitgerissen.“

Schwester Maria Mitis kam etwa ein Jahr später auf die Insel und hatte für jeden ein offenes Ohr, der eines brauchte – ganz gleich, ob in der Sakristei oder auf Hausbesuchen.

Die Leitung des Hauses Raphael neben der gleichnamigen katholischen Kirche in List war Aufgabe von Schwester Gabriele. Von dort aus führte sie auch die Redaktion der Ordenszeitung „Geist und Auftrag“ und hat am Pfarrbrief für die katholischen Gemeinden in Nordfriesland mitgearbeitet. „Für uns alle geht eine wertvolle Zeit zu Ende“, betont Schwester Francisca. „Ich habe mich hier immer als Missionarin erlebt. Im Laufe der Jahre sind unzählige Kontakte entstanden und ich habe von allen so viel Vertrauen erfahren.“

Wie es dazu kam, dass die Schwestern in der - aus katholischer Sicht - tiefsten Diaspora ihren Dienst leisteten? Diese Geschichte beginnt kurioserweise mit der Pensionierung der Schwestern, nachdem sie aus ihren Missionsgebieten in Europa und der Welt zurück ins Mutterhaus kamen: „Die Provinzoberin fragte mich, was ich tun wollte. Ich stamme aus dem Emsland und wollte immer gern ans Meer. Erzbischof Werner Thissen erzählte uns damals, dass der damalige Pfarrer Dr. Ulrich Hoppe sehr gerne Ordensschwestern bei sich aufnehmen würde. Nach einigen Gesprächen stand dann fest, dass wir in List neben der Kapelle wohnen können.“ Auch nach ihrer Pensionierung leisten die Schwestern noch gerne ihren Dienst, „Ich bin auch nach meiner Pensionierung noch Missionarin, weil die innere Berufung niemals endet.“

Nun geht es für die Schwestern Francisca und Gabriele zurück ins Mutterhaus nach Steyl. Schwester Maria Mitis zieht es nach Wimmern bei Dortmund.

„Es ist der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören“, ist sich Schwester Francisca sicher. „Noch sind wir aktiv genug, um uns rechtzeitig vor unserem Lebensabend in unseren Ordenshäusern einleben zu können“, ergänzt die 77-jährige. Mit einem Gottesdienst wurden die Schwestern am ersten Adventswochenende feierlich verabschiedet. Und während Pfarrer Germain Gouen hofft, im Sommer kommenden Jahres ein bis zwei neue Schwestern auf Sylt begrüßen zu dürfen, wird die Berufung der heimkehrenden Schwestern auch in ihrem Mutterhaus nicht enden: „Dort gibt es so viel zu tun: Es gibt eine Pflegeabteilung, internationale Kurse und jede Menge Besucher aus aller Welt, darum arbeiten und engagieren wir uns, so lange wir können.“