C.P. Hansen Preis 2019 ging an Dr. Roland Klockenhoff

Anschub für Erhalt der Heide

Auf dem Foto sind zu sehen (v.l.): Bürgermeister Nikolas Häckel, Roland Klockenhoff mit Frau Silke Schütt-Klockenhoff sowie Maren Jessen, Vorsitzende des C.P. Hansen Kuratoriums.

Sa, 28. Dez 2019
Keitum

Keitum.(sc) Nach vielen Kulturschaffenden wurde in diesem Jahr ein Naturschaffender mit dem C.P.-Hansen-Preis geehrt: Am zweiten Adventssonntag nahm Dr. Roland Klockenhoff, seit 25 Jahren Vorsitzender der Naturschutzgemeinschaft Sylt, den renommierten Sylter Preis für „Erhaltung, Pflege und Ausbreitung der inselfriesischen Kultur, Brauchtum und Natur auf Sylt“ in Empfang. „Das macht die Sölring Foriining und die Naturschutzgemeinschaft von nun an zu Sylter Schwestern ohne zickige Allüren“, so der treffende Kommentar von Professor Karsten Reise (l.), der die Laudatio auf Wunsch des bescheidenen Preisträgers halten musste, „ohne ihn dabei zu loben“. Gefeiert wurde der Preisträger im Keitumer Friesensaal aber dennoch: Rund 300 Gäste waren erschienen, darunter Staatssekretär Ingbert Liebing, Bürgermeister Nikolas Häckel, Bürgervorsteher Peter Schnittgard sowie viele der 55 früheren Preisträger.

Seit 1960 wird der Preis durch das C.P.-Hansen-Kuratorium verliehen, das seinen Namen dem Sylter Chronisten Christian Peter Hansen zu verdanken hat. Im 19. Jahrhundert trug dieser umfassendes Material zu Geschichte, Kultur und Volkskunde der Insel Sylt zusammen und gilt bis heute als Schöpfer eines eigenständigen friesischen Selbstverständnisses.

Vieles hat der in diesem Jahr Geehrte mit dem Namensgeber des Preises gemeinsam: So sind beide Lebensläufe bestimmt durch eine ausgeprägte Sammelleidenschaft, „die mich schon in jungen Jahren regelmäßig an den Weststrand und das Morsum Kliff getrieben hat“, berichtete Klockenhoff in seiner Dankesrede. Davon wusste auch Professor Reise zu erzählen: „C.P. Hansen schreibt, dass er beim Sammeln von dänischen Wachsoldaten sehr misstrauisch observiert wurde. Du, Roland, wurdest irritiert beobachtet, als du statt zur Schule auf dem Rad zum Morsum-Kliff eiltest, weil ein Sturm gerade Fossilien ganz frisch freigespült hatte. Das musste sogar der Lehrer einsehen.“

Fossile Schnecken wie den Pelikanfuß fanden sowohl C.P. Hansen als auch Klockenhoff, und letzterer wurde für seine Funde – darunter Exemplare, die der Wissenschaft ganz neu waren – sogar mit dem Preis „Jugend forscht“ belohnt. Mit der Zeit wurden Klockenhoffs Funde jedoch zunehmend durchsetzt von Zeugnissen der modernen Gesellschaft: „In meiner Kindheit waren es der erste Wohlstandsmüll, Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg und Teer – heute sind es Paraffin und Plastikmüll. Ende der 1970er-Jahre fand ich sogar einen Computer, der an den Strand gespült wurde.“

C.P. Hansen, der Inselchronist des 19. Jahrhunderts, half Roland Klockenhoff auch dabei, seine Doktorarbeit zu verfassen, die unter dem Titel „Sylter Landschaftsärzte 1786 – 1890 und ihre Vorgänger“ vom Nordfriisk Instituut veröffentlicht wurde: „Bei meiner Recherche kam ich an den Schriften C.P. Hansens nicht vorbei.“ Neben den üblichen Pflichten sollten Landschaftsärzte die Armen damals umsonst behandeln. „Bevor ich das von Roland erfuhr“, gestand der Laudator Reise, „dachte ich beim Landschaftsarzt eher an einen Arzt, der sich um die Landschaft kümmert. Dr. Roland Klockenhoff verkörpert beides: Wenn C.P. Hansen der Lehrer für Sylt war, so ist unser heutiger Preisträger der Arzt für die Landschaft von Sylt.“

Das Wirken des 62-Jährigen Klockenhoff für den Erhalt der Sylter Natur und Landschaft, seit er vor 25 Jahren von Clara Enss den Vorsitz der Naturschutzgemeinschaft übernahm, fasste sein Stellvertreter Eberhard Eberle zusammen: „Wesentlich hast du den Anschub gegeben für den Erhalt der Sylter Heidelandschaft mit der Wanderschafherde und später mit dem Plaggen und Brennen der Heide. Dir lag es am Herzen, dass Kinder einen sinnlichen Bezug zur Natur fanden. Als Kommunalpolitiker engagierst du dich für die Grünen in der Gemeindevertretung und hast sogar die Freigabe einzelner Dünen gefordert, damit Jugendliche ihre Sylter Umwelt spielerisch kennenlernen.“

Dass Einzäunungs-Naturschutz noch nie Klockenhoffs Sache war, wusste auch Laudator Karsten Reise und erklärte, warum es auch heute noch eine gute Idee wäre, Kinder wieder in den Dünen toben zu lassen: „Die Befestigung der Dünen hat das Sandförderband quer über die Insel zum Erliegen gebracht, ohne das die Inselarme längst auseinandergebrochen wären. Dünen dürfen nicht im Gleichgewicht ruhen, denn die Sylter Wattufer brauchen den Sand der Wanderdünen.“

Auch Ilse Johanna Christiansen vom Friesenrat nutzte in ihren Grußworten die Dünen als Symbol: „Wer einmal auf einer Wanderdüne gelegen hat, der weiß wie es rauscht, wenn jedes einzelne Korn von der einen Seite zur anderen rollt.“ Obgleich es nur einzelne Sandkörner seien, die wandern, „haben sie beispielsweise in Dänemark dafür gesorgt, dass eine ganze Kirche in der Düne verschwunden ist.“ Ähnlich wie in einer Wanderdüne sah auch Roland Klockenhoff sich nur als kleiner Teil einer Bewegung, die am Ende Großes bewirken kann, und betonte in seinen Worten, dass er die stehenden Ovationen „für eine Vielzahl von Mitstreitern annehme, denn Naturschutz ist immer eine Gemeinschaftsleistung und kommt ohne Hilfe nicht aus.“