Spendenaktion des Sylter Spiegel für DRF-Luftrettung läuft noch bis 31. Januar

Noch kann man helfen

Das DRF-Team vor der BK 117 mit dem Namen „Christoph Europa 5“ in Niebüll. Von links: Notfallsanitäter Gunnar, Notärztin Christine und Pilot Christoph.

Mo, 28. Jan 2019
Niebüll
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Sylt

Niebüll/Insel Sylt.(hwi) Die Spendenaktion für die DRF Luftrettung (wir berichteten in unserer Silvesterausgabe) biegt auf die Zielgerade ein. Noch bis Donnerstag, 31. Januar, ist das eigens für diese Aktion von der Sylter Bank eingerichtete Spendenkonto geöffnet. Die Spendenübergabe findet im Februar in der Station der DRF Luftrettung in Niebüll statt. 

Die Kontoverbindung:

IBAN: DE27 2179 1805 0000 1596 89

BIC: GENODEF1SYL

Wie wichtig die Arbeit der DRF Luftrettung ist, lesen Sie in der noch einmal gekürzt wiedergegebenen Reportage von Sylter Spiegel-Geschäftsführer Heiko Wiegand.

Niebüll/Insel Sylt. Es ist Punkt 9.23 Uhr an diesem Mittwoch, als die drei Crewmitglieder am Frühstückstisch schlagartig das Gespräch beenden. Halbe Brötchen mit Wurst und Käse landen schnell auf den Tellern, flinke Hände stellen Kaffeepötte auf den Tisch. Lange, freundliche Sätze werden jetzt kürzer, nur noch das Nötige, die Daten für den ersten Einsatz an diesem Morgen sind auf einem großen Monitor im Nachbarzimmer eingeblendet. Ein schneller Blick über die Stichworte und eine Adresse. Ein kurzes Telefonat mit der Rettungsleitstelle in Harrislee. Was wird die Besatzung des Rettungshubschraubers in einigen Minuten erwarten? Christoph, der Pilot, Notfallsanitäter Gunnar und Notärztin Christine zwängen sich in die enge Kabine und schnallen sich an, während sich der Hauptrotor langsam zu drehen beginnt. 

14 Minuten nach der Alarmierung setzt der Hubschrauber keine hundert Meter von dem Haus entfernt auf, in dem sich wenige Minuten zuvor ein tragisches Unglück ereignet hat. Christine, die Notärztin, entriegelt die Kabinentür unter den sich noch drehenden Blättern des Hauptrotors. Jetzt geht’s um jede Sekunde. Die beiden Polizeibeamten bringen sie in ihrem Wagen schnell in das Haus am Ortsrand von Drelsdorf.

Im Flur liegt eine bewusstlose ältere Frau auf dem Rücken. Sie blutet aus beiden Ohren und aus dem Rachen. Die Klapptreppe hinauf zum Dachboden ist noch ausgefahren. Die Frau, Anfang 70, muss das Gleichgewicht verloren haben. Ist aus 2,50 Metern Höhe mit ihrem Kopf auf den harten Steinfußboden geprallt. Sie ist jetzt tief bewusstlos. Aber sie lebt. In den nächsten Minuten wird Christine die Notfallpatientin stabilisieren, sie bekommt Sauerstoff und Narkosemittel. Blutdruck, Herzfrequenz – all die wichtigen Werte zum Weiterleben werden jetzt ständig überwacht. Gunnar holt derweil aus dem Hubschrauber eine spezielle Trage, auf der die Schwerverletzte wenig später sehr stabil liegen wird. Kurz darauf wird sie durch eine Klappe im Heck der BK 117 sanft in die fliegende Intensivstation eingeschoben. Der Notfallsanitäter und die Notärztin sitzen nun in der Kabine nebeneinander und kümmern sich um die Patientin. Knapp 15 Minuten wird der Flug von Drelsdorf in die Diako in Flensburg dauern. Die Patientin wird künstlich beatmet, Christine und Gunnar haben ständig die Daten auf dem kleinen Monitor im Blick. Beide strahlen große Ruhe und Routine aus.

Minuten später landet Christoph auf dem Dach der Klinik, die Patientin wird im Schockraum an ein ganzes Team von Spezialisten übergeben. Die Notärztin berichtet kurz und konzentriert über den Hergang des Unfalls, über die vor Ort und im Hubschrauber eingeleitete Therapie und über eine vermutete Diagnose. Dann ist die schwerverletzte ältere Dame in der Verantwortung der Klinik im Herzen von Flensburg.

Zurück an der Station der DRF in Niebüll wird noch schnell was gegessen und getrunken, die Toilette aufgesucht. „An Bord brauchen wir eine große Blase und einen kleinen Magen.“ Christoph, der Pilot, sorgt im Team für beste Laune, für alles hat er den passenden Spruch auf den Lippen.

Am Schreibtisch werden jetzt Berichte über das Geschehene geschrieben – welche Medikamente wurden gebraucht? Wie schnell waren sie am Einsatzort? Was ist sonst noch Berichtenswertes passiert?

Als an diesem Nachmittag nach weiteren Einsätzen in Nordfriesland – auch einem Transport eines Intensivpatienten aus der Westerländer Nordseeklinik nach in eine Flensburger Klinik – die Sonne untergeht, fährt Christoph die Beton-Plattform, auf der der Hubschrauber steht, in die Halle zurück. Danach setzen sie sich zusammen, um Gunnars 48. Geburtstag zu feiern. Christine hat eine kleine Torte gekauft, es gibt Kekse und Kaffee. Sie reden über den Tag und über die Frage, wie morgen das Wetter werden soll – für diese Crew bei Gott kein Allerweltsthema wie morgens beim Fleischer um die Ecke.