Selbstfahrender E-Bus ist ab März unterwegs

Autonomes Fahren in Keitum

Der autonomfahrende Bus der Firma „Navya“ fährt ab März durch Keitum – dann allerdings im typischen Blau der SVG-Flotte.

Mi, 30. Jan 2019
Keitum
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Sylt

Keitum.(mk) Die Zukunft rollt durch Keitum. Seit dem 14. Januar ist das Projektteam mit Unterstützung des Fahrzeugherstellers „Navya“ im Kapitänsdorf unterwegs, um die Strecke für den NAF-Bus (Nachfragegesteuerter-Autonom-Fahrender-Bus) einzumessen, damit der kleine blaue Bus ab März seine Runden ziehen kann. „Die Strecke ist eingemessen und so gut wie fertig im Bus eingespeist. Es folgen nun noch kleinere Anpassungen“, erklärt Sven-Olaf Seddig, Projektleiter bei der Sylter Verkehrsgesellschaft (SVG), auf Nachfrage des Sylter Spiegels. 

Die SVG beteiligt sich seit 2017 an diesem bundesweit erstmaligen Forschungsprojekt für autonomes Fahren in ländlichen Räumen, welches auf der Insel Sylt in Kooperation gemeinsam mit dem Landschaftszweckverband Sylt (LZV) und den Inselgemeinden durchgeführt wird. 

Im Rahmen des Projekts NAF-Bus hat die SVG Ende des vergangenen Jahres einen kleinen autonomfahrenden Bus der französischen Firma „Navya“ gekauft. Der Achtsitzer wird seitdem für den Einsatz auf einer Teststrecke in Keitum auf Sylt vorbereitet.

Die Kenntnisse hieraus sollen dazu beitragen, den Busverkehr auf der Insel auch in Randzeiten attraktiver zu gestalten. Die SVG untersucht „On-Demand“-Buskonzepte zum Einsatz von Klein- und Midi-Bussen, um auch abseits von zentralen Hauptachsen und Haltestellen sowie in Nacht- und Randzeiten nachfrageorientierte Verkehre anzubieten.

Die besonders engen Straßenverhältnisse in Keitum waren für das Einmessen der Strecke eine echte Herausforderung, erklärt Seddig. Aber auch die Falschparker, die nicht in den ausgewiesenen Parkflächen stehen, mussten berücksichtigt werden. 

„Zum Teil mussten auch Bäume und Hecken zurückgeschnitten werden, um die erforderlichen Breiten und Höhen der Straßen zu gewährleisten“, erläutert Seddig. Darüber hinaus ist vorgesehen, Parkflächen besser optisch zu kennzeichnen und eventuell zu begrenzen. 

Sobald der Prozess der Streckeneinmessung endgültig und vollständig abgeschlossen ist, werden die Strecke und der elektrisch fahrende Bus noch einmal vom TÜV abgenommen – als Grundlage für die abschließende Genehmigung durch das Wirtschaftsministerium in Kiel und den Kreis Nordfriesland. Weiterhin sollen drei Mitarbeiter der SVG zum sogenannten Operator ausgebildet werden, die den Bus zukünftig bei allen autonomen Fahrten begleiten und falls notwendig jederzeit manuell eingreifen können. Der autonome Kleinbus soll dann zusätzlich und zunächst kostenlos zum bestehenden Liniennetz der SVG eingesetzt werden.

Mit welcher Taktung der Bus dann ab März auf der Strecke vom Parkplatz West über den Gurstig und die C.-P.-Hansen-Allee, vorbei am Heimatmuseum und zurück durch den Pröstwai unterwegs sein wird, steht noch nicht fest. „Es wird wohl ein 30-minütiger Takt gefahren, aber die genauen Pläne werden noch erarbeitet“, erklärt Seddig auf Nachfrage. 

Das NAF-Bus-Projekt unter Leitung der Technologie- und Innovationsberatung EurA AG, das noch bis 2020 laufen wird, wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen der Förderrichtlinie „Automatisiertes und vernetztes Fahren“ mit einer Gesamtsumme von 2,4 Millionen Euro unterstützt und soll mit seinen Ergebnissen dazu beitragen, wie die Automatisierung des ÖPNV in ländlichen Räumen in Zukunft funktionieren kann. In weiteren wichtigen Punkten sollen neue Ansätze für die individuelle und gesellschaftliche Akzeptanz dieser neuen Technologie des autonomen Fahrens gefunden werden, rechtliche Grundlagen erarbeitet werden sowie Risiko-Nutzen-Abwägungen stattfinden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Der Einsatz und die Erprobung auf Sylt ist der zweite wichtige Schritt im Projekt, nachdem der erste NAF-Bus bereits seit Juni 2018 auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande im Einsatz ist.

Wie es nach Ende der Projektphase 2020 weitergehen wird, steht noch in den Sternen. „Den Betrieb über die Projektphase hinaus können wir erst dann beurteilen, wenn der Betrieb läuft und wir Erfahrungen gesammelt haben“, erklärt Seddig abschließend.