Halbzeit im Rathaus - Bürgermeister Nikolas Häckel ist demnächst 3 Jahre im Amt

„Wir haben gemeinsam viel erreicht“

Foto: © Archiv / Sylter Spiegel GmbH

Bürgermeister Nikolas Häckel ist am 1. Mai drei Jahre im Amt – Halbzeit im Rathaus. Zur Hälfte seiner Amtszeit kam er mit dem Sylter Spiegel ausführlich ins Gespräch.

Mi, 28. Mär 2018
Sylt

Herr Häckel, vor fast genau drei Jahren haben Sie ihr Amt als Bürgermeister der Gemeinde Sylt angetreten. Was war eigentlich ihr erster offizieller Termin?
Die Begrüßung durch die Inselbürgermeister hier im Rathaus. Die Sylter Amtskollegen hatten mich an diesem ersten Tag in meinem Amtszimmer begrüßt.

 

Wenn Sie Rückschau halten auf die erste Hälfte Ihres Weges – jedenfalls in Ihrer ersten Amtszeit – würden Sie sich mit der Kenntnis Ihrer heutigen Erfahrung wieder auf diese freie Stelle im Westerländer Rathaus beworben haben?
Ja, auf jeden Fall! Ich wusste ja in etwa, was auf mich zukommt. Ich habe mit dem damaligen Bürgermeister von Sylt-Ost, Ingbert Liebing, eng zusammengearbeitet – und unter Petra Reiber habe in der Verwaltung der früheren Stadt Westerland gelernt. Außerdem war ich elfeinhalb Jahre lang Leiter des Bauamtes in Kronshagen.

 

Dennoch: Zu Beginn Ihrer Amtszeit lief es im Rathaus nicht immer ganz rund…
… Ja, ich bin anfangs hochmotiviert in das ein oder andere Fettnäpfchen getreten. Aber jeder macht anfangs Fehler. Das gilt nicht nur für mich, sondern für jeden, der eine neue Stelle antritt. Man muss in sein Aufgabengebiet hineinwachsen, das dauert seine Zeit.

 

Sie sind bereits in Ihrem Wahlkampf mit einem Slogan angetreten, den Sie immer wieder betont haben: ,Zukunft gemeinsam gestalten’. Wieviel Gemeinsamkeit haben Sie in den vergangenen drei Jahren auf dieser Insel erlebt?
Wie viel Gemeinsamkeit habe ich erlebt? Das ist natürlich wechselhaft, wie im echten Leben auch. Wie im Freundeskreis und in der Partnerschaft. Da ist es auch nicht immer nur harmonisch…

 

…Aber Sie legen auf dieses gemeinsame Handeln, auf das gemeinsame Gestalten viel Wert…
…Ich bin ein Mensch, der im Dialog Gemeinsamkeiten herausarbeiten möchte. Im Dialog einen guten Weg für diese Gemeinde und diese Insel zu finden, das ist für mich der entscheidende Punkt, das entscheidende Ziel. Wenn ich auf festgelegte Meinungen stoße und ein Dialog nicht möglich ist, dann hilft es zumindest, respektvoll miteinander umzugehen.

 

In welchen Themen haben Sie denn in den vergangenen drei Jahren Gemeinsamkeiten erlebt?
Wir haben in den vergangenen drei Jahren gemeinsam mit der Politik viel erreicht. Die Betreuungsangebote in Krippe, Kindergarten und Hort haben wir erhöht, wir haben ein Familienzentrum eingerichtet – und wir haben das Wohnprojekt für Senioren an der Steinmannstraße angestoßen. Wir werben gemeinsam um Pflegekräfte. Und in der Verwaltung haben wir eine Teilzeitstelle geschaffen, damit die Seniorenarbeit besser koordiniert werden kann. Für das Thema Demenz gibt es einen Runden Tisch. Diese ganzen Vorhaben, das geht immer nur gemeinsam. Natürlich müssen wir in der Steinmannstraße nachjustieren, neue und bessere Angebote entwickeln, und natürlich läuft nicht immer alles rund. Aber es geht darum, gemeinsam Lösungen zu finden. Das große Thema Seniorenarbeit ist nur ein Beispiel. Es gilt ebenso für die Jugendarbeit, Stichwort Multipark am Sylt-Stadion.

 

Aber für diese Gemeinsamkeit im Handeln muss es in der Bürgerschaft auch ein Interesse am Mittun geben. Denken Sie zurück an Ihr Angebot, die Bürger an der Entwicklung des StoV-Geländes am Bahnweg zu beteiligen. Das Interesse daran war – vorsichtig ausgedrückt – überschaubar.
Ich bin jetzt drei Jahre im Amt. Zuvor war Petra Reiber fast 25 Jahre lang Bürgermeisterin. Vor diesem Hintergrund sind drei Jahre, in denen ich den Bürgern dieser Gemeinde immer wieder Angebote mache, sich zu beteiligen an den öffentlichen Dingen, fast nichts. Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich daran auch erst gewöhnen. Mir geht es darum, dass die Bürger erkennen, dass wir sie mitnehmen möchten. Das muss durchkommen, damit die Menschen irgendwann sagen, ,Ja, die meinen das ernst mit der Beteiligung!’

 

In welchen Themenbereichen wollten Sie die Bürger denn noch mitnehmen in den vergangenen drei Jahren?
Nehmen Sie das Thema Parkraum-Evaluation, wo wir die Bürger explizit aufgefordert hatten, uns ihre Meinung zum Thema Parkraum in der Gemeinde Sylt mitzuteilen. Gerade in diesem Bereich sind wir – vor allem auch wegen der Beteiligung der Bürger – weit nach vorn gekommen. Aber zum Beispiel auch bei „Keitum im Dialog“ oder der Entwicklung von Bebauungsplänen sind wir aktiv auf die Bürger zugegangen, haben sie einbezogen. In Sachen Machbarkeitsstudie des Multiparks sind wir in sehr gutem Dialog mit der Interessengemeinschaft und den Nutzern. Die Begriffe der Bürgerbeteiligung, der Transparenz, der Teilhabe, des gemeinsamen Handelns – das sind für mich keine leeren Schlagworte. Die möchte ich mit Leben füllen. Ich denke, das ist in den vergangenen drei Jahren ganz gut gelungen. Ich fordere die Bürger ja immer wieder dazu auf, mitzumachen, Stichwort ,Mitmachen statt meckern’. Irgendwann werden die Menschen sagen: Ja, die meinen das wirklich ernst mit der Bürgerbeteiligung. Aber das dauert seine Zeit.

 

Schaffen Sie das in den Ihnen verbleibenden Jahren?
Oh, da bin ich sicher! Aber ich habe gelesen und gehört, man braucht eine Amtszeit, um zu säen, dann erst kann geerntet werden.

 

Wenn Sie zurückblicken auf Ihre eigenen Ziele für die Gemeinde Sylt, auf das, was Sie sich im Wahlkampf vorgenommen hatten, wo stehen Sie da?
Ich prüfe mich immer wieder selbst anhand meiner Wahlkampfziele: Bin ich auf Kurs geblieben? Ich möchte ehrlich sein, auch ehrlich zu mir selbst, glaubhaft und transparent.

 

Erst unlängst wurde Ihnen aus der Politik vorgeworfen, Sie würden auf dem Geld sitzen. Was halten Sie von dem Vorwurf?
Ich habe mich dazu in der ,Rundschau’ und auch im Sylter Spiegel schon geäußert. Das stimmt natürlich nicht. Wenn Politik in den vergangenen drei Jahren ein Projekt umsetzen wollte, ist es nie an dessen Finanzierung gescheitert. Aber es müssen eben auch Vorschläge aus der Politik kommen, welche Projekte wir genau mit wieviel Geld finanzieren wollen.

 

Sie sind vor drei Jahren auch mit dem Thema Dauerwohnraum angetreten. Dauerwohnraum auch in bestehenden Häusern, die Syltern gehören, zur Verfügung zu stellen…
…Ich habe diese ganze Diskussion gerade neulich wieder im Ortsbeirat Archsum erlebt. Es ging um die aktuelle Wohnsituation. Archsum will mehr Dauerwohner haben. Und dann kommt es irgendwann zu dem Punkt, wie wir dieses Ziel konkret erreichen wollen. Und dann heißt es immer: ,Ja, aber nicht mein Haus.’ Die Menschen wollen das zwar, aber eben nicht auf ihre Kosten. Und das ist das Kernproblem, das noch nicht gelöst ist.

 

Und die Aufgabe der Politik ist es aus Ihrer Sicht…
…ob sie auf die langfristige Entwicklung auf dieser Insel Wert legt und sich klar positioniert. Ich lege in diesem Zusammenhang Wert darauf, dass die 40/60-Regelung, mit der ich bis heute in Verbindung gebracht werde, ein Beschluss der Gemeindevertretung war. Es war meine Aufgabe als Bürgermeister umzusetzen, was die Politik entschieden hat.

 

Moment, Sie haben nie einen Hehl daraus gemacht – schon im Wahlkampf nicht – dass Sie ein Freund der 40/60-Regelung sind…
… Das ist richtig, ich war dieser gemeinschaftlich getragenen Idee nicht abgeneigt. Ich bin aber auch offen für andere wirkungsvolle Ideen, Dauerwohnraum – nicht nur über das KLM – zu schaffen und dauerhaft zu sichern.

 

Wo sehen Sie die Politik zu diesem wichtigen Thema zur Zeit?
Sie ist in der Diskussion.

 

Wo wird diese Diskussion hinführen?
(schmunzelt) Ich beteilige mich nicht an Spekulationen, das wissen Sie. Ich wünsche mir für die Gemeinde eine gute langfristige Lösung.

 

War das Scheitern der 40/60-Regelung für Sie auch ein persönlicher Rückschlag?
Das war der erste schmerzhafte Lernprozess. Ich bin durch alle Ortsteile gegangen, wurde für meine Position, die damals auch die Position der Gemeindevertretung war, getreten und geschlagen. Der Gegendruck aus der Bevölkerung war sehr groß. Und irgendwann bröckelten die vorherigen Mehrheiten.

 

Wie sehen Sie das Problem heute?
Ich kann nicht sehen, dass ausschließlich die Gemeinde Dauerwohnraum zur Verfügung stellt. Dass wir auch noch das letzte Fleckchen Grün, das uns innerstädtisch bleibt, bebauen.

 

Wenn Sie Ihre Zeit als Bürgermeister gewissermaßen einer Gesamtbewertung unterziehen, sind Sie dann mit den ersten drei Jahren zufrieden?
Ich bin zufrieden. Wir haben in drei Jahren viel erreicht. Die Therme in Keitum ist weg, wir haben massiv in die Kita-Betreuung investiert, haben die Seniorenbetreuung in Angriff genommen, und die Finanzen der Gemeinde sehen sehr gut aus – und nun haben wir erstmals im Advent 2018 auch einen Weihnachtsmarkt in Westerland. Ich bin in der Rückschau zufrieden, ja.

 

Noch ein kurzer Ausblick auf die kommenden drei Jahre...
...Am 6. Mai sind Kommunalwahlen. Wir werden sehen, wie dann die Mehrheiten in der Gemeinde aussehen. Mein Problem ist: Ich bekomme von der Politik bislang keine Jahresziele vorgegeben. So ist die Arbeitsteilung eigentlich vorgesehen. Aber so wird es derzeit in unserer Gemeinde nicht gemacht.

 

Und Ihre Themen?
Meine Themen bleiben die selben wie im Wahlkampf und in den ersten drei Jahren. ,Zukunft gemeinsam gestalten‘.

 

Was hat Sie eigentlich in den vergangenen drei Jahren am meisten gefreut?
Mich haben viele Dinge gefreut, viele Gespräche, viele Anregungen, auch viele Entscheidungen der Politik, die dazu führten, dass ich bei der Einweihung einer Kindertagesstätte dabei sein konnte. Und manchmal freue ich mich als Bürgermeister auch einfach über ein Lob am Telefon von einer Bürgerin, die mir neulich gesagt hat, dass ich hier einen guten Job mache. Auch Bürgermeister sind nur Menschen...

 

Was hat Sie am meisten geärgert?
Die mangelnde Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit einzelner Mitmenschen, die sich nicht an ihre eigenen Aussagen oder Haltungen oder an ihre eigenen Zusagen gehalten haben. Und manche haben sich auch nicht daran gehalten, vertraulich zu handeln. Das hat mich enttäuscht.

 

Und positiv überrascht?
In jedem Ortsteil gibt es eine Dorfgemeinschaft, die viel Positives bewirkt. Positiv überrascht hat mich auch, wie wir mit der Flüchtlingskrise umgegangen sind – Politik, Verwaltung und vor allem die Bürger selbst. Es wird viel Gutes getan in den Vereinen, in der Feuerwehr, beim DRK, in jedem Sportverein. Darüber freue ich mich immer wieder aufs Neue – und einzelne Dinge aus dieser ehrenamtlichen Arbeit heraus haben mich immer wieder positiv überrascht.

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