Interview mit Bernd Neumann

„Nachfrage ist ungebrochen“

Foto: © oh / Sylter Spiegel GmbH

Mi, 28. Feb 2018
Tinnum

„Die Nachfrage nach Baugrundstücken im Gewerbegebiet am Flughafen ist ungebrochen.“ Bernd Neumann (Foto) ist Geschäftsführer des Zweckverbandes Inselgemeinschaft Flugplatz Sylt. Und eigentlich hat der Verband seine Arbeit in den vergangenen Jahren erfolgreich abgeschlossen. Denn die Aufgaben sind sämtlich erfüllt: Die Flächen sind vom Bund erworben worden, das Gewerbegebiet ist entwickelt, das Wasserschutzgebiet ist gesichert und die kommunale Zusammenarbeit der Verbandsmitglieder wurde gefördert.

Nach dem Stand vom 1. Juni 2013 wurden im Lauf der Jahre insgesamt 87 Baugrundstücke an 83 Eigentümer verkauft. Die Mindestgröße pro Grundstück beträgt 800 Quadratmeter. Für die 44 Wohnungen auf dem Areal waren zuletzt 97 Bewohner gemeldet. „Und immernoch ist die Nachfrage da“, so der Geschäftsführer des Zweckverbandes im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber für entsprechende Anfragen sei der Zweckverband der falsche Ansprechpartner. Neumann: „Interessenten müssen sich an die Politik bzw. an die Gemeinde Sylt wenden, denn die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde.“

Ob weitere Flächen für die Bebauung entwickelt und eventuell freigegeben werden? „Es gibt noch Flächen unweit der neuen Feuerwache und in der Nähe des Gebäudes der Sylter Werkstätten. Aber ob die zur Bebauung freigegeben werden, darüber kann ich nichts sagen.“ Nachdem der Satzungszweck des Zweckverbandes also erreicht ist, so Neumann, müssten die entsprechenden Gremien der Gemeinde Sylt, die 93 Prozent der Anteile am Zweckverband hält, und der Gemeinde Wenningstedt-Braderup (sieben Prozent) einen entsprechenden Beschluss fassen, den Zweckverband aufzulösen. „Voraussetzung dafür ist allerdings eine Einigung der beiden Anteilseigner, wie in Zukunft beispielsweise mit dem Vermögen des Zweckverbandes und ähnlichen Themen umgegangen werden soll. Aber grundsätzlich wäre das der Weg, wie man in Zukunft mit dem Zweckverband verfahren könnte.“ Derzeit tagt die Verbandsversammlung viermal im Jahr und beschäftigt sich hauptsächlich mit Verwaltungsfragen. Zuletzt war dies im Dezember vergangenen Jahres der Fall. „Da geht es um Haushalte, Sachstandsberichte und ähnliche Dinge“, so Neumann abschließend.

Zur Historie des Gewerbegebietes am Flughafen: Seit dem Jahr 2002 ist auf dem Gelände des Flughafens Sylt nach und nach ein neues Gewerbegebiet entstanden. Die Initiative dafür kam aus kommunalen Gremien der früheren Gemeinde Sylt-Ost, der ehemaligen Stadt Westerland sowie der Gemeinden Wenningstedt-Braderup und Rantum. Am 1. Dezember 2009 fand die offizielle Schlussabnahme der Erschließungsstraßen im Gewerbegebiet statt. „331.000 Quadratmeter wurden zum Gewerbegebiet erklärt, 160.000 davon waren reine Baugrundstücke. Der eigens für das Projekt gegründete Zweckverband hatte bereits im Jahr 1999 das gesamte Flughafengelände für rund 20 Millionen Mark vom Bund gekauft“, sagte Bernd Neumann. Im Mai 2002 startete der Abriss der Flugzeughallen 401 und 402. Insgesamt entsprach die Schuttmenge aller abgebrochenen Gebäude dem Volumen von rund 200 Einfamilienhäusern. Darüber hinaus wurden etwa vier Hektar Vorfeld und Straßen beseitigt. Im Frühjahr 2003 brachten Ausschachtungen nahe der Straße Am Fliegerhorst archäologische Siedlungsreste zutage.

Zu Anfang war es nach Neumanns Angaben schwierig, die Grundstücke zu veräußern. Es gab jedoch im Zweckverband nie Überlegungen, den Kaufpreis zu senken. Im Jahr 2008 stieg dann die Nachfrage nach den Grundstücken sprunghaft an. Im Gewerbegebiet durften sich ausschließlich Sylter Betriebe ansiedeln, die auf der Insel mindestens zwei Jahre als Gewerbebetrieb gemeldet sein mussten.