Antrag an Wirtschaftsministerium

Autoverladung ins Gewerbegebiet?

Foto: © oh / Sylter Spiegel GmbH

Die Gleisanlagen im Gewerbegebiet am Flughafen werden von der neg betrieben – eine Perspektive für den künftigen Betrieb des Sylter Autoverlade-Terminals?

Mi, 28. Feb 2018
Sylt

Könnten Autozüge in Zukunft im Gewerbegebiet am Flughafen abfahren und ankommen? Mit allen damit verbundenen Vorteilen für die Ortsteile Tinnum und Westerland, was Lärm- und Geruchsbelästigungen betrifft? Diese bereits zur Jahrtausendwende erstmals aufgelegt Idee erlebt seit kurzem eine konkrete Wiederbelebung. Denn sie ist Teil einer Initiative, die von der Insel- und Halligkonferenz in Zusammenarbeit mit der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (neg) erarbeitet wurde. Ziel der Initiative: „Die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im nördlichen Landesteil, insbesondere der Westküste.“ Diese Initiative wurde in einen formgerechten Antrag für Regionalisierungsmittel gegossen und an den schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) geschickt. Kurz und knapp zusammengefasst: neg und Insel- und Halligkonferenz beantragen aus Kiel eine Million Euro, um unter anderem für den zweigleisigen Ausbau zwischen Niebüll und Klanxbüll und für die Elektrifizierung zwischen Niebüll und Westerland Baurecht zu schaffen – und eben auch für die Verlegung der Autoverladung von Westerland ins Gewerbegebiet Tinnum. Wenn das Baurecht erst einmal erarbeitet ist, „dann rechnen wir auch mit Geld zum Bauen“, zeigte sich der Geschäftsführer der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft, Ingo Dewald, im Gespräch mit unserer Zeitung optimistisch.
Grund für die Initiative ist die dauerhaft unbefriedigende Verkehrssituation auf der völlig überlasteten Bahnstrecke zwischen Niebüll und Westerland. Dewald: „Die Strecke ist im Vergleich zu den Jahren um die Jahrtausendwende um den Faktor 3 bis 4 höher belastet. Und um einen Ausbau dieser Strecke zu erreichen, muss als Voraussetzung Planrecht geschaffen werden.“ Die vorzeitige Schaffung von Planrecht sei gewissermaßen die Voraussetzung dafür, dass der Ausbau mit Geld aus Berlin bezahlt werde.
„Die südlichen Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg sind da deutlich besser aufgestellt als Schleswig-Holstein. Dort werden die Planungen für Verkehrsprojekte abgeschlossen – und wenn dann in Berlin noch in irgendeinem Topf Geld übrig ist, wird es eben für das bereits fertig beplante Projekt zur Verfügung gestellt.“ In Schleswig-Holstein sei dieses Vorgehen nicht üblich – „und genau an dieser Stelle wollen wir jetzt ansetzen.“ Die Details, so heißt es in dem Antrag, „sollen dann kurzfristig zwischen dem Wirtschafts- und Verkehrsausschuss des Landtags, dem Wirtschaftsminister und den beiden Vertretern der Initiative aus Nordfriesland abgestimmt werden.“ Dabei, so neg-Geschäftsführer Ingo Dewald und der Vorsitzende der Insel- und Halligkonferenz, Manfred Uekermann, „gibt es nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen.“
Durch eine Verlegung des Verladeterminals von Westerland in das Gewerbegebiet in Tinnum – die dortigen Gleisanlagen werden von der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft betrieben – „würde die Westerländer Innenstadt massiv entlastet. Autozugverkehr und der Reisezugverkehr mit Personenzügen könnten weit vor Westerland und Tinnum getrennt werden. Die Bahntrasse für die Autozüge könnte ab Keitum entlang der Keitumer Landstraße in Richtung Gewerbegebiet am Flughafen geführt werden.“
Durch die Initiative von neg und Insel- und Halligkonferenz sei in den vergangenen Wochen eine „gewisse Dynamik“ entstanden, attestierte der Geschäftsführer der neg. Und weiter: „Grundsätzlich bin ich optimistisch.“ Schließlich habe sich bereits der Wirtschafts- und Verkehrsausschuss des Landtags dem Ansinnen aus Nordfriesland gegenüber „sehr offen“ gezeigt.
Der Antrag beinhaltet darüber hinaus die Erarbeitung von Planrecht für die Fortführung der elektrischen Oberleitung von Niebüll in Richtung Süden.