Neue Laichgewässer in den Dünen

Eine Heimat für die Kreuzkröte

Foto: © Matthias Kerber / Sylter Spiegel GmbH

Die beteiligten Personen, die zur erfolgreichen Umsetzung des Projekts in den Rantumer Dünen beigetragen haben, freuen sich über den Beginn der Baumaßnahmen.

Mi, 27. Feb 2019
Rantum
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Sylt

Rantum.(mk) Ein ungewöhnliches Bild bot sich Autofahrern, Spaziergängern und Radfahrern am vergangenen Mittwoch auf Höhe des Parkplatzes der Sansibar und dürfte unbeteiligten Umweltschützern auf den ersten Blick den Angstschweiß auf die Stirn getrieben haben: Ein Raupenbagger bahnte sich seinen Weg durch die Dünenlandschaft. Doch der Bagger war in diesem Fall das Symbol für den Startschuss des Amphibienschutzes auf Sylt. Bis Anfang März sollen in enger Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Naturschutz, dem Landschaftszweckverband Sylt (LZV), der Söl‘ring Foriining, der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland, der Schutzstation Wattenmeer und der Naturschutzgemeinschaft Sylt, die sich alle zum Arbeitskreis Kreuzkröten zusammengeschlossen haben, zwei Dünentäler östlich der Sansibar für die geschützte Kreuzkröte hergerichtet werden. Den einst flächendeckend vorkommenden Kreuzkröten mangelt es an offenen Sandflächen, die aufgrund der Alterung der Dünen weitgehend verschwunden sind. Viele ehemals offene Dünentümpel mit sandigen Uferflächen sind inzwischen dicht mit Kriechweidengebüschen und Glockenheide überwuchert, weil es dort auch keine Weidetiere mehr gibt. Deshalb werden jetzt auf der Fläche des Landschaftszweckverbands Sylt in Höhe der Sansibar Laichgewässer und Nahrungsreviere für die Kreuzkröte wiederhergestellt. Von dem Maßnahmenmix werden aber auch Pflanzen wie Zwergbinse und Igelschlauch und der seltene Heidelaufkäfer profitieren. „Wir sind uns der hohen Verantwortung bewusst, die wir mit der Übernahme der Flächen des Nationalen Naturerbes (NNE) eingegangen sind. Diese Maßnahme nehmen wir als Chance wahr, unsere NNE-Flächen für den Artenschutz zu entwickeln und mit gutem Beispiel voranzugehen“, erklärte Manfred Uekermann, Verbandsvorsteher des LZV. Die zwei ausgewählten Dünentäler haben jeweils eine Größe von rund 3.000 Quadratmetern. „Wir haben darauf geachtet, dass in der Nähe noch Kreuzkröten vorkommen und dort keine seltenen Pflanzenarten beheimatet sind“, erklärte Hauke Drews, Projektmanager der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Wie viele Kreuzkröten auf der Insel noch leben, kann nicht genau beziffert werden. „Eine konkrete Zahl ermitteln zu können, ist schwierig. Aber aufgrund des Rückgangs von Biotopen, die die Kreuzkröte zum Überleben braucht, ist davon auszugehen, dass auch die Population der Kreuzkröten auf Sylt zurückgegangen ist“, so Drews, auch wenn das vergangene Jahr ein sehr gutes Jahr für die Kreuzkröten gewesen sei. Der Erfolg des Projekts hänge maßgeblich vom Wetter ab. „Wenn der Touristiker über das Wetter schimpft, freut sich die Kreuzkröte“, lachte Uekermann. In den beiden Dünentälern werden mehrere flache Tümpel ausgehoben, die sandige Uferstreifen haben, wo die jungen Kröten gut leben können. Der Aushub wird am Rand der Biotopfläche als niedrige Dünenfläche modelliert, so dass die älteren Kröten Futter suchen und sich bei Trockenheit eingraben können. Denn die Amphibien überwintern in den Dünen, weiß Lars Briggs von der dänischen Firma AmphiConsult zu berichten. Die wichtigste Struktur sei aber die der Laichgewässer, damit sich die Kröten wieder in ausreichendem Maß vermehren können. „Wir hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht“, merkte Drews an. Ein erster Versuch 2016 in List konnte nicht realisiert werden. Der jetzt umgesetzte zweite Versuch ist dadurch umso erfolgreicher. „Wir ziehen alle an einem Strang“, freute sich Uekermann. Im Juni vergangenen Jahres fanden die ersten Treffen der unterschiedlichen Naturschutzverbände statt. Für das Projekt, das auf mehrere Jahre angelegt ist, fallen Baukosten in Höhe von rund 10.000 Euro an. „Wir hoffen, dass die Kreuzkröten schon im April die ersten wiederhergestellten Laichgewässer in Besitz nehmen können“, so Uekermann abschließend.