Archäologisches Landesamt äußert sich zu Denghoog

Denkmalschutz will „beruhigen“

„Eine Gefährdung der Denkmalsubstanz ist derzeit nicht zu erkennen“, teilte das Archäologische Landesamt in einem Schreiben an die Bürgermeisterin mit.

Mi, 26. Jun 2019
Wenningstedt

Wenningstedt.(hwi) Kaum ein Thema hat die Sylter in den vergangenen Monaten so bewegt wie ein geplanter Neubau unweit des archäologischen Kulturdenkmals Denghoog. Wie berichtet, sieht vor allem die Sölring Foriining den Bestand des rund 5.000 Jahre alten Megalithgrabs gefährdet, wenn in unmittelbarer Nähe Bauarbeiten stattfinden sollen – verbunden mit dem entsprechenden Verkehr von schweren Baufahrzeugen. An einer Demonstration zum Schutz des Denghoogs nahmen am Ostersamstag mehrere hundert Menschen teil, vor allem Sylter.

Nun hat das Archäologische Landesamt (ALSH) in einem ausführlichen Schreiben an Wenningstedts Bürgermeisterin Katrin Fifeik Stellung zu dem umstrittenen Thema genommen. Darin will es „die Gemeinde zunächst einmal beruhigen“.

„Eine Gefährdung der Denkmalsubstanz ist derzeit nicht zu erkennen“, heißt es da im zweiten Absatz lapidar. Das Bauvorhaben werde vom Archäologischen Landesamt entsprechend der denkmalrechtlichen Möglichkeiten geprüft und eine denkmalrechtliche Genehmigung „mit den nötigen Auflagen“ versehen, heißt es in dem Schreiben an die Bürgermeisterin weiter. Genauer: „Dies beinhaltet insbesondere alle Sicherungsmaßnahmen, um die Standfestigkeit des jungsteinzeitlichen Baus zu erhalten.“ Und natürlich werde das Landesamt auch die Einhaltung der denkmalrechtlichen Auflagen für das Bauvorhaben kontrollieren.

Indirekt übt das Archäologische Landesamt dann Kritik an der Sölring Foriining, die sich auch in unserer Zeitung mehrfach kritisch mit dem Bauvorhaben beschäftigt hat: „Eine in die Medien transportierte Befürchtung, dass das Denkmal durch den Bau zerstört werden würde, entbehrt (...) der Grundlage“ – auch vor dem Hintergrund, dass der Investor signalisiert habe, die denkmalrechtlichen Auflagen zu akzeptieren.

Dem Archäologischen Landesamt liegt der Bauantrag vor, der aktuell geprüft wird, also noch nicht entschieden ist. Zuletzt: Einer Initiative der Gemeinde Wenning­stedt-Braderup, über die Ausweisung einer Schutzzone den Denkmalschutz für den Denghoog zu verbessern, erteilte das Archäologische Landesamt eine Absage.

Auf Anfrage unserer Zeitung äußerte sich gestern auch Bürgermeisterin Katrin Fifeik zu dem Schreiben des Landesamtes aus Schleswig. „Durch das, was die Fachleute hier unternehmen, bin ich sehr beruhigt. Wichtig ist, dass alles getan wird, damit der Denghoog geschützt wird.“

Die Sölring Foriining äußerte sich zu dem Schreiben kritischer: „Eine Gefährdung der Denkmalsubstanz ist aus unserer Sicht nicht auszuschließen“, heißt es in einer Stellungnahme des Sylter Heimatvereins an unsere Zeitung, unterschrieben von Geschäftsführer Sven Lappoehn und Vorstandsmitglied Maren Jessen. Es liege bis heute kein Gutachten zu diesem Thema vor. Und weiter: „Die in die hunderte gehenden Lkw-Transporte mit Tonnen von Abbruch und Aushub sowie Baumaterial sind bisher nicht berechnet, liegen nicht vor und sind noch nicht bewertet worden. (..) Wir empfinden es als fahrlässig, in der Öffentlichkeit die Gefährdung immer wieder herunterzuspielen.“ Das mögliche Abrutschen der Abböschung der Baugrube bei anhaltendem Stark­regen und die Transportbewegungen seien aus Sicht der Sölring Foriining nach wie vor nicht berechnet und bewertet worden.

„Unsere in den Medien transportierte Befürchtung  entbehrt eben nicht jeder Grundlage, sondern wird durch die von einem uns beratenden Bauhistoriker aufgeführten Berechnungen (...) bestätigt.“