Motocross-Sport am Standort in Tinnum gesichert

MSC Sylt freut sich über Talent

Foto: © oh / Sylter Spiegel GmbH

Brian Wecke ist zehn Jahre alt und vielversprechendes Talent des MSC Sylt. Im vergangenen Jahr kam er aus dem Stand auf den vierten Platz bei der Landesmeisterschaft.

Mi, 24. Jan 2018
Tinnum
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Sylt

Wer samstags am Pionierlager in Tinnum spazieren geht, läuft Gefahr, als Motorsportfan zurückzukehren: Zahllose Crossfahrer flitzen dann bei ihrem Training über die MotocrossStrecke des Motorsportclubs Sylt, nehmen rasant die Kurven, fliegen über die Buckelpiste und lassen die Reifen durchdrehen. Die benzingeschwängerte Luft und der Rausch der Geschwindigkeit wirken ansteckend. Bereits seit mehr als 15 Jahren nimmt der MSC Sylt alle Motocross-begeisterten Sylter unter seine Fittiche und stellt seit 2009 eine anspruchsvolle Cross-Strecke mit zahlreichen spannenden Schikanen sowie eine Kindercross-Strecke für die kleineren Fahrer am Vereinsheim hinter dem Sportzentrum Sylt-Ost zur Verfügung.

„Begonnen hat alles mit einer Handvoll Motocross-Verrückter auf einem Stoppelfeld“, erinnert sich Vorsitzender Michael Leu. „Als wir uns dann dazu entschieden haben, uns im Verein zu organisieren, hatten wir auf einen Schlag mehr als 30 Mitglieder und konnten im Jahr 2002 den damals 72. Ortsverein des ADAC aus der Taufe heben.“ Seitdem haben sich Leu, Manfred Gerth, Andreas Kühl und die anderen Vorstandsmitglieder nicht nur dem Motorsport, sondern insbesondere der Jugendarbeit verschrieben: „Nach der Übernahme unseres neuen Trainingsgeländes haben wir 2009 die Jugendgruppe gegründet. Als Jugendleiter Lasse Gerth zusammen mit John Schiefke vor zwei Jahren noch die Trainerlizenz beim ADAC erwerben konnte, war das für unser Training ein echter Quantensprung“, freut sich Leu.

Beim Jugendtraining wird den jüngsten Fahrern nicht nur der verantwortungsvolle Umgang mit der MotocrossMaschine beigebracht, auch vielversprechende neue Talente werden dort entdeckt und herangezogen: Bestes Beispiel ist der zehnjährige Brian Wecke, der bei der schleswig-holsteinischen Landesmeisterschaft im vergangenen Jahr aus dem Stand den vierten Platz unter knapp 40 Teilnehmern in seiner Klasse belegen konnte. Der Erfolg kam nicht von ungefähr: Für die Rennserie sind Brians Eltern Monika und Holger Wecke mit ihrem Sohn von April bis Oktober regelmäßig quer durch das Bundesland gereist und haben jedes zweite Wochenende an einer anderen Rennstrecke Halt gemacht. „Wir haben uns extra ein Wohnmobil angeschafft“, berichtet Vater Holger schmunzelnd, „damit wir das ganze Equipment transportieren und während der Rennwochenenden immer in der Nähe der Strecke sein können.“

Kurz vor Schluss der Rennserie kam dann der nächste Sprung auf der Karriereleiter des jungen Rennfahrers: Der ADAC nominierte Brian in die schleswig-holsteinische Landesmannschaft für den Jugendbundeslauf. Im September fand die deutsche Meisterschaft der sechs- bis 18-jährigen Fahrer statt, die dem Nachwuchstalent den 34. Platz bescherte: „Im Finale hatte ich ein bisschen Pech“, erinnert sich Brian, „ein anderer Fahrer ist mit mir zusammengestoßen und hat dabei meinen Brustpanzer gelöst – das hat mich viel Zeit gekostet.“ Trotzdem sind seine Eltern stolz auf den Erfolg ihres Sohnes: „Brian ist ein sehr disziplinierter Fahrer“, berichtet Mutter Monika und fügt lachend hinzu: „Er fährt sogar dann noch weiter, wenn ihm nach einem Zusammenstoß die Sitzbank wegfliegt.“

Nun steht dem Nachwuchsfahrer ein weiteres Rennen bevor, an das er sich noch lange erinnern wird: Als einer von nur neun Startern seiner Klasse wird er Anfang Februar bei den „ADAC Jump & Race Masters“ teilnehmen, die vor rund 8.000 Schaulustigen in der Kieler Ostseehalle ausgefahren werden. Dort wird Brian auch seine internationalen Vorbilder treffen können, die in einer Freestyle-Show atemberaubende Sprünge auf einer der größten mobilen Rampenanlagen Europas vorführen werden.

Anschließend geht es an das Training für die nächste Landesmeisterschaft. „Ich bin überzeugt, dass wir Brian in diesem Jahr auf dem Treppchen sehen werden“, verspricht sein Vater. „Immerhin können wir wieder regelmäßig trainieren.“ 2017 hatte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume dem MSC Sylt einen Strich durch den Trainingsplan gemacht: „Ich erinnere mich noch gut an den Anruf des Landesamtes, in dem uns mitgeteilt wurde, dass wir ohne offizielle Genehmigung nicht mehr auf der Strecke fahren dürfen“, so Leu. „Diese Genehmigung hätten wir ohne die Unterstützung der Gemeinde Sylt nie bekommen.“ Nur durch die notwendige Änderung des Bebauungsplanes, ein umfangreiches Gutachten und die Zulassung als Sportstätte konnte nicht nur dafür gesorgt werden, dass wieder regelmäßig trainiert werden darf, sondern auch, dass die beliebte Sylter Rennsportveranstaltung „Cross Country Sylt“ in diesem September fortgesetzt werden kann.