Neue Dünentümpel für die Kreuzkröte

Baggern für den Artenschutz

Mi, 20. Feb 2019
Sylt

Insel Sylt.(red) In den Sylter Dünen lebte bis vor einigen Jahren Deutschlands größte Population der seltenen Kreuzkröte. An Sommerabenden konnte man an vielen Stellen in List, Rantum und Hörnum die interessanten Amphibien antreffen. Kreuzkröten sind an sandige Lebensräume angepasst, jagen auf lückigen Sandflächen nach Insekten und graben sich zum Schutz gegen Trockenheit einfach ein.

Eine Untersuchung im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland zeigte allerdings, dass von ehemals etwa 10.000 Kreuzkröten auf der Insel nur noch wenige Hundert übrig geblieben sind. 

Sven Lappoehn als Schutzgebietsbetreuer der Söl‘ring Foriining erklärt die Ursachen: „Das Zuwachsen ihrer Laichgewässer ist ein Problem. Wenn Heidekräuter die Ufer der Dünentümpel komplett bewachsen, können keine jungen Kreuzkröten heranwachsen. Sie finden in dichtem Heidekraut keine Nahrung und keine Sonnenplätze. Auch Austrocknung der Dünentümpel durch wiederholt trockene Sommer verhindern die Fortpflanzung.“

Um die Dünentäler wieder für Kreuzkröten bewohnbar zu machen, stellt der Kreis Nordfriesland sogenannte Ersatzgelder bereit, also Mittel, die als Ausgleich für Natureingriffe festgelegt wurden. Noch im Februar sollen zwei Dünentäler östlich der Straße in Höhe der Sansibar für die Kreuzkröten hergerichtet werden. Ausnahmsweise wird ein Bagger in das Naturschutzgebiet fahren, um ausgewählte Flächen zu vertiefen und freie Sandflächen für die Kröten zu schaffen. Die Baumaßnahme wird geplant und durchgeführt vom Landschaftszweckverband Sylt, der Söl‘ring Foriining, der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland, der Schutzstation Wattenmeer und der Naturschutzgemeinschaft Sylt, die sich alle zum Arbeitskreis Kreuzkröten zusammengeschlossen haben.

Was genau vorgesehen ist, erläutert der Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer: „Wir haben mit Fachleuten und Behörden zwei Dünentäler ausgesucht, die keine seltenen Pflanzen beherbergen und über die wir wissen, dass Kreuzkröten noch in der Nähe vorkommen. Dort werden mehrere flache Tümpel mit insgesamt 6.000 Quadratmetern Wasserfläche ausgeschoben, die sandige Uferstreifen haben, wo die jungen Kröten gut leben können. Der Aushub wird am Rand der Biotopfläche als niedrige Dünenfläche modelliert. Dort können die älteren Kröten Futter suchen und sich bei Trockenheit eingraben.“

Die Maßnahme unweit der Sansibar ist ein Test für mögliche weitere Maßnahmen auf Sylt in den kommenden Jahren. Die Vertiefung ausgewählter Dünentäler soll außer den Kröten auch vielen seltenen Pflanzen bessere Lebensbedingungen bieten. Dabei hat Sylt die Hälfte aller verbliebenen Heidegebiete in ganz Schleswig-Holstein. Hierzu Manfred Uekermann, der Verbandsvorsteher des Landschaftszweckverbandes Sylt: „Wir sind uns der hohen Verantwortung bewusst, die wir mit der Übernahme der Flächen des Nationalen Naturerbes (NNE) eingegangen sind. Diese Maßnahme nehme ich als Chance wahr, unsere NNE-Flächen für den Artenschutz zu entwickeln und mit gutem Beispiel voran zu gehen. Wir hoffen, dass die Kreuzkröten schon im April die ersten wiederhergestellten Laichgewässer in Besitz nehmen können.“