Wilhelm Borstelmann erhielt C.P.-Hansen-Preis

Eine Ehrung fürs Lebenswerk

v.l.: Bürgermeister Nikolas Häckel, Preisträger Wilhelm Borstelmann, Maren Diedrichsen , Arnold Bussius und Maren Jessen vom C.P. Hansen-Kuratorium

Mi, 19. Dez 2018
Morsum
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Sylt

Morsum.(sc) Seit 1960 wird für besondere Verdienste zur Bewahrung des Sylter Brauchtums fast jedes Jahr der C.P.-Hansen-Preis verliehen, benannt nach dem Sylter Chronisten Christian Peter Hansen. Zum 139. Todestag Hansens fand am zweiten Dezember-Sonntag die diesjährige Preisverleihung im Muasem Hüs statt. Mit Wilhelm Borstelmann hat das Kuratorium in diesem Jahr einen Sylter gewählt, der sich – wie auch der Namensträger des Preises – durch seine Verdienste als Organist der Kirche St. Severin zu Keitum und auch als Heimatforscher ausgezeichnet hat. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, diesen beharrlichen, aufrechten Menschen im Namen aller Sylter Gemeinden zu ehren“, sagte die Kuratoriumsvorsitzende Maren Jessen zu den rund 150 erschienenen Gästen, darunter Vertreter des Nordfriisk Instituuts, des Friesenrates und der Sylter Vereine, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Inselgemeinden, Kommunalpolitiker, Kreispräsident Heinz Maurus und Staatssekretär Ingbert Liebing.

Durch sein großes Interesse an der Ahnenforschung sammelte der 91-Jährige ein großes Wissen an: Seine genealogischen Arbeiten leisten einen wertvollen Beitrag zur Sylter Heimatforschung. Von 1952 bis 1992 bekleidete der Keitumer das Amt des Organisten in seiner Heimatgemeinde und sorgte in dieser Zeit dafür, dass die bei seinem Amtsantritt stark reparaturbedürftige Kirchenorgel, an der bereits C.P. Hansen spielte, repariert und ausgebaut werden konnte. Das dafür nötige Geld spielte Wilhelm Borstelmann mit Unterstützung durch seinen Bruder Hans durch Kirchenkonzerte mit hochkarätigen Musikern ein: Damit legte er den Grundstein für die noch heute weit über die Inselgrenzen hinaus bekannten Mittwochskonzerte, die Ende der 1970er Jahre im NDR übertragen und als Schallplatten verkauft wurden und bis heute das Sylter Kulturleben maßgeblich prägen. Neben der Leitung der gemischten Chöre von Keitum und Kampen war er mit großer Unterstützung durch seine Frau Waltraut auch maßgeblich an der Gründung der Musikschule Sylt beteiligt.

Während der Feierstunde anlässlich der Preisverleihung dankte ihm die Musikschule mit klassischer Musik, gespielt von Malina Möller und Cornelis Diedrichsen an der Geige sowie Nina Theuner und Alyssa Barbian am Flügel. Für das weitere musikalische Programm des Festaktes zeichnete sich der Neffe des Preisträgers, Jürgen Borstelmann, als Organist der Kirchengemeinde Hörnum/Rantum gemeinsam mit seiner Tochter Ramona und Maike Schrader verantwortlich. Zahlreiche andere Gäste dankten ihm in Grußworten für sein Lebenswerk, darunter Bürgervorsteher Peter Schnittgard, Vorjahres-Preisträgerin Elisabeth Westmore und Wilhelms Großneffe Hans-Hugo Borstelmann. Dr. Christoph Schmidt grüßte als neuer Direktor des Nordfriisk Instituuts: „Geschichte muss man immer wieder erzählen und aufschreiben – nur so kann man erspüren, wie sich Epochen früherer Zeit angefühlt haben. Du hast erzählt, aufgeschrieben und gesammelt – manches davon durften wir im Druck herausgeben, dafür sind wir sehr dankbar.“ Die dunklen Momente der deutschen Geschichte „hinterließen auf Wilhelm Borstelmanns damals junger Seele tiefe Narben“, wusste sein Freund Sönnich Volquardsen in der Laudatio zu berichten. Die Ermordung seines Vaters Ludwig 1942 im KZ Groß-Rosen „stellte den damals 15-jährigen vor die Aufgabe, für seine Mutter und den jüngeren Bruder zu sorgen und die elterliche Landstelle über Wasser zu halten. Ihre Erfüllung und eine gewisse Milderung der Traumata aus ihrer Jugend fanden Willi und sein Bruder später in der Musik.“ Die Verantwortlichen beglückwünschte Volquardsen für die Entscheidung, den C.P.-Hansen-Preis an Wilhelm Borstelmann zu verleihen. „Dir, Wilhelm, wollen wir herzlich zu dem am Abend deines Lebens empfangenen Preis gratulieren.“