Team-Sylt-Chef Ralf Westphal im Interview

„Jugendarbeit im Verein blüht“

Foto: © oh / Sylter Spiegel GmbH

Die erste Mannschaft von Team Sylt zu Beginn der Saison 2017/18. Aufgrund von Spielermangel musste sie im Oktober 2017 vom Spielbetrieb abgemeldet werden.

Mi, 18. Apr 2018
Sylt

Die erste Mannschaft von Team Sylt ist seit Oktober vergangenen Jahres Geschichte und musste vom Spielbetrieb abgemeldet werden. Die laufende Saison neigt sich dem Ende entgegen. Welche Perspektiven der Verein in Zukunft hat und ob es noch einmal gelingen wird, eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen, erläutert der Vorsitzende des Vereins, Ralf Westphal, im Interview mit dem Sylter Spiegel.

Herr Westphal, warum musste die erste Mannschaft von Team Sylt im Oktober 2017 vom Spielbetrieb abgemeldet werden?
Wenn man es auf einen Satz herunterbrechen möchte, kann man sagen, dass wir einfach zu wenige Spieler hatten, um den Spielbetrieb für die gesamte Saison aufrechtzuerhalten.

Mit wie vielen Akteuren ist die Mannschaft denn gestartet?
Wir sind im August mit einem ohnehin schon knappen Kader von 18, 19 Mann gestartet. Noch vor dem ersten Saisonspiel sind uns dann zwei Spieler von der Fahne gegangen, weil sie die Möglichkeit hatten, höherklassig zu spielen. Und dann haben sich gleich am ersten Spieltag in den ersten 30 Minuten drei Spieler schwer verletzt. Sie sind bis heute nicht wieder fit. Ein Kader von am besten 21 Mann ist aber unabdingbar, um bei jedem Spiel genügend Kicker auf dem Platz zu haben. Die Verletzungen haben uns natürlich hart getroffen, der alleinige Grund für das Aus der ersten Mannschaft sind sie aber nicht gewesen.

Welche Gründe spielten denn sonst noch eine Rolle?
Die Ursachen für das Aus der ersten Mannschaft sind mannigfaltig. Das fängt beim veränderten Freizeitverhalten von Jugendlichen an und geht bis hin zur Ganztagsschule, von der Arbeitsbelastung mancher Spieler, vor allem am Wochenende, ganz zu schweigen. Dadurch gehen uns viele junge Leute verloren, da sie oftmals für ihre Hobbys keine Zeit mehr haben. Durch eine immer höhere Abiturquote verlassen rund zwei Drittel der 18- bis 19-Jährigen dann die Insel und stehen uns somit nicht mehr als potentielle Spieler für den Seniorenbereich zur Verfügung. Aber auch die Mentalität vieler Jugendlicher hat sich verändert.

Was meinen Sie damit konkret?
Viele Leute sind einfach nicht mehr kompatibel für den Mannschaftssport. Oftmals bleibt die Verlässlichkeit da auf der Strecke. Das ist aber ein Trend, den viele Sportvereine beklagen, denn die Entwicklung geht im Zuge der zunehmenden Individualisierung weg vom Sportverein und beispielsweise eher hin zum Fitnesscenter, das in Städten fast rund um die Uhr geöffnet hat. Da ist es dann nicht mehr wichtig, sich an feste Trainingszeiten zu binden – im Gegensatz zu Mannschaftssportarten im Verein. Dieser Trend ist für uns natürlich nicht zuträglich.

Also kam das Aus der ersten Mannschaft im Oktober der vergangenen Jahres keineswegs überraschend, sondern war das Ende eines längeren Prozesses?
Der Trend zu dieser Entscheidung zog sich schon länger hin und war absehbar. Durch die drei unvorhersehbaren Verletzungen gleich zu Saisonbeginn wurde dieser Prozess natürlich noch einmal beschleunigt. Aber bereits 2014 war es fast schon einmal soweit, dass die Mannschaft auseinandergefallen wäre.

Und die zweite Mannschaft? Könnte man daraus keine neue erste Mannschaft entwickeln?
Für die neue Saison können wir zwei A-Jugendliche hochziehen, aber das Gros der Mannschaft ist überaltert. Bei diesem Team, das in der kommenden Saison wieder in der Kreisklasse B – der untersten Liga in Nordfriesland – an den Start gehen wird, steht der Spaßfaktor im Vordergrund. Die Kreisklasse B ist hierbei realistischerweise das Ende der Fahnenstange. Meine ganz persönliche Meinung ist, dass wir nie wieder eine Mannschaft melden werden, die höherklassig wird spielen können.

Das sind aber düstere Aussichten für den Verein.
Nicht für den Verein insgesamt! Der Verein Team Sylt funktioniert bestens als Fußballverein. Paradoxerweise haben wir großen Zulauf in der Jugendabteilung. Wir haben Mannschaften in allen Altersklassen sowie zwei Mädchenteams. Die Jugendarbeit blüht! Unser Problem ist der Übergang vom Jugend- in den Seniorenbereich – aus den oben geschilderten Gründen. Deshalb wollen und müssen wir uns als Ausbildungsverein aufstellen, der auch eine gewisse soziale Kompetenz vermittelt.

Diese Problematik haben aber sicherlich auch andere Vereine?
Es lässt sich in Nordfriesland eine Entwicklung zu einer größeren Zentralisierung von Vereinen beobachten. Überall werden Spielgemeinschaften aus der Taufe gehoben, weil die Vereine sonst keine Mannschaften zusammen bekommen. In Nordfriesland gibt es Überlegungen, im Jugendbereich mit einem Förderverein eine Spielgemeinschaft aus diversen Klubs des Festlandes zusammenzustellen, die es bis in die Schleswig-Holstein-Ligen schaffen soll.

Ist diese Entwicklung auch auf Sylt zu beobachten?
Auf Sylt fand dieser Prozess in der Vergangenheit ebenfalls statt. Wenn man sich die Vereinslandschaft von vor rund 25 Jahren vorstellt: fünf Vereine auf der Insel mit rund zehn Mannschaften im Spielbetrieb, jeden Sommer wurde eine Altliga-Inselrunde mit acht Teams auf Großfeld gespielt, jeder Verein hatte eigene Jugendmannschaften gemeldet – dann muss man konstatieren, dass davon eigentlich nur das Team Sylt als Verbund der Stammvereine TSV Westerland, Tinnum 66, TSV Morsum und Sportfreunde List sowie darüber hinaus der SC Norddörfer übrig geblieben sind.

Gab es nach dem Aus von Team Sylt I Ideen für eine Fusion der Herrenmannschaften mit dem SC Norddörfer?
Es gab in der Tat die Anfrage für eine Spielgemeinschaft unsererseits, daraus ist aber letztlich nichts geworden.