Erfolgreiche erste Sylter Rettungstage

Schneiden, biegen, spreizen

Foto: © SyltConnected

Mi, 17. Apr 2019
Tinnum
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Sylt

Tinnum.(sc) Regungslos sitzt die Frau in dem vom Aufprall verformten Auto. Die Retter vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) haben ihren Hals stabilisiert, versorgen und beruhigen sie durch das geborstene Fahrerfenster. Die Tür kommt als Rettungsweg nicht in Frage: Sie wurde eingeklemmt von dem Fahrzeug, das mit dem ihren zusammengeprallt ist. Während die Sanitäter sich um das Opfer kümmern, arbeiten die Feuerwehrleute sich durch den Kofferraum zu ihr hindurch – was ihnen im Weg ist, wird mit schwerem Gerät herausgeschnitten oder zur Seite gebogen.

Was wie der Albtraum eines jeden Autofahrers klingt, ist in diesem Fall zum Glück nur eine Übung: „Patient im Fokus“ war eine von fünf Übungsstationen der ersten Sylter Rescue Days am vorvergangenen Samstag. Geübt werden sollte dabei das Zusammenspiel zwischen Feuerwehren und DRK in einer Rettungsaktion.

Maike Kern spielt ihre Rolle als Unfallopfer perfekt – bis zu dem Moment, in dem Feuerwehr und Sanitäter sie in einem gemeinsamen Kraftakt durch den Kofferraum aus dem Auto befreit haben. Dann atmet sie auf: „Es ist schon eine beängstigende Situation, die man so nicht in der Realität erleben möchte“, berichtet sie anschließend. „Aber ich habe mich gut betreut gefühlt. Die Sanitäter haben viel mit mir gesprochen und mir gesagt, was um mich herum passiert.“ 

Abgespielt hat sich die Szene auf dem Gelände des Autohauses Rosier. „Es ist eine absolute Premiere, dass wir die Firma Weber Rescue auf die Insel holen konnten“, freute sich Gemeindewehrführer Wolfgang Kloth. Das Unternehmen ist als Tochtergesellschaft der Weber-Hydraulik spezialisiert auf die technische Hilfeleistung mit schwerem Gerät. Sprich: Schneiden, biegen, spreizen, „alles mit Technologie, die aus dem Baugeschäft kommt und beispielsweise Kräne und Bagger antreibt“, so Ausbilder Björn-Jan Kleist von Weber-Rescue. Gemeinsam mit weiteren Ausbildern trainierte er an diesem Wochenende Abordnungen aller Sylter Feuerwehren in der Verwendung der Rettungswerkzeuge – aber auch alternativer Rettungsmethoden: Beispielsweise mit Kreis- und Säbelsäge oder dem Trennschleifer. „Bei den heutigen, hochstabilen Fahrzeugkarossen kommt man mit den üblichen Methoden oft nicht weiter“, weiß Stephan Ströh, stellvertretender Wehrführer der Feuerwehr Keitum und Mitorganisator der Veranstaltung. 

Während der theoretische Teil zuvor intern abgehalten worden war, waren am Samstag zahlreiche Schaulustige mit dabei, während von morgens bis abends Autos umgekippt und aufgerichtet, verbogen und zerschnitten wurden. „Insgesamt rund 20 Fahrzeuge werden heute zerstört“, berichtete Ströh. „Die Autos haben wir über Monate hinweg gesammelt und für die verschiedenen Szenarien vorbereitet. Insgesamt fünf Stationen wurden von den fünf Gruppen mit je zwölf Feuerwehrleuten im Wechsel bearbeitet, darunter beispielsweise auch das „Crossramming“, bei dem schwer verformte Fahrzeuge in ihre Ausgangslage zurückgebracht wurden, um Rettungsaktionen zu ermöglichen.

Die meisten der Sylter Feuerwehren sind bereits für derartige Rettungsaktionen ausgerüstet, weiß Ströh: „Auf Sylt sind die Wehren überdurchschnittlich gut ausgerüstet. Das müssen sie auch sein – auf einer Insel sind wir ja oft auf uns allein gestellt.“