Im Interview mit Elke Wenning

„An elf von zwölf Monaten Kultur“

Foto: © Heiko Wiegand / Sylter Spiegel GmbH
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Mi, 17. Apr 2019
Wenningstedt
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Sylt

Wenningstedt. Am 1. April war Elke Wenning vier Jahre für das Kulturprogramm im Kursaal3 verantwortlich. Derzeit plant sie die fünfte Saison – Zeit, auf Vergangenes zurückzublicken und Künftiges zu besprechen. Unser Redaktionsmitglied Heiko Wiegand kam mit der Sylter Kulturmanagerin ins Gespräch.

 

Frau Wenning, wie ist die Zeit seit dem 1. April 2015 für Sie als Verantwortliche für das Programm im Kursaal3 gelaufen?

Ich habe vor vier Jahren bei Null angefangen. Damals habe ich gesagt, dass wir fünf Jahre brauchen, bis der Kursaal bei Künstlern, bei Agenturen und bei unseren Gästen bekannt geworden ist und sich einen guten Namen gemacht hat. Wir haben es schon früher geschafft – drei, vier Jahre haben offensichtlich schon ausgereicht (lacht).

 

Der Kursaal3 ist inzwischen der größte Anbieter im kulturellen Bereich auf der Insel?

Ja, das stimmt. Unser Ziel war es, ein Ganzjahresprogramm auf die Beine zu stellen. Auch das haben wir annähernd geschafft...

 

...annähernd?

Elf von zwölf Monaten. Nur im Januar ist es im Kursaal ruhig. Und natürlich finden an den Rändern der Saison weniger Veranstaltungen statt als im Sommer oder über Weihnachten/Silvester, wenn die Insel jeweils voll ist. Ich denke, wir dürfen nach vier Jahren ganz zufrieden sein.

 

Was macht das Programm des Kursaals aus?

Die recht große Bandbreite. Wir bieten viele Genres an, von der Komödie über das Kabarett, die Lesung und alle Arten von Musik. Wir haben die Satire im Programm, die szenische Lesung. Und wir freuen uns über immer größere Namen, die hier bei uns im Kursaal auftreten.

 

An wen denken Sie da beispielsweise?

Beispielsweise an Ben Becker, der eine szenische Lesung bei uns hält – am 27. Dezember. Auf diesen Abend freue ich mich sehr.

 

Wenn Sie auf Ihre ersten Jahre hier zurückblicken, an welche ganz persönlichen Highlights denken Sie gerne zurück?

Die Lesung mit Stefan Gwildis über den Schimmelreiter von Theodor Storm ist mir noch als ein Höhepunkt in Erinnerung. Oder der Auftritt der ,Mozart Heroes‘. Oder Christoph Maria Herbst. Der kommt in diesem Jahr wieder und spielt auf der Bühne in Deutschland nur bei uns.

 

Was unterscheidet den Kursaal3 von anderen Veranstaltungsorten auf der Insel? Gibt es ein Alleinstellungsmerkmal?

Dass wir so flexibel sind. Denn wir können nicht nur Kultur. Wir können auch Messen und Kongresse veranstalten. Und, klar, solche Veranstaltungen helfen uns natürlich auch sehr, Einnahmen zu generieren...

...denn im kulturellen Bereich wird es generell immer schwieriger, Geld zu verdienen...

...eben, das ist so. Aber mit solchen Veranstaltungen wie zum Beispiel Wein- und Foodmessen, Ärzte- und Juristenkongressen oder Fernsehformaten wie ,Shopping Queen‘ können wir auch mal eine ambitioniertere Kulturveranstaltung ausgleichen.

 

Frau Wenning, was sind denn Ihre ganz persönlichen Highlights für die fünfte Saison im Kursaal3?

Am 9. August ist Dr. Rainer Moritz, Chef des Literaturhauses Hamburg, bei uns in Wenningstedt zu Gast. Er präsentiert sein Programm ,Matratzendesaster, Literatur und Sex‘. Aber neben den bekannteren Künstlern von außerhalb spielen in meiner Planung immer auch die Sylter Kulturtreibenden eine wesentliche Rolle – zum Beispiel die ,Friesenschlampen‘, Jo Bohnsack, der Sylter Shanty-Chor, um nur einige zu nennen. Ich möchte, dass wirklich für jeden Geschmack etwas dabei ist.

 

Letzte Frage: Haben Sie für die Saison 2019 auch etwas speziell für Kinder geplant?

Das berühmte ,Fliewatüüt‘ aus Boy Lornsens Kinderbuch ,Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt‘ steht ab der April-Familienwoche ganzjährig im Foyer des ,Haus am Kliff‘. Wir planen für die Zeit zwischen der ersten Juliwoche und Anfang September zweimal in der Woche an verschiedenen Tagen jeweils ab 17.30 Uhr eine halbe Stunde Vorlesezeit aus diesem wunderbaren Buch von Boy Lornsen. Karin Titz wird dann vorlesen und möchte den Kindern eine Freude machen, wenn sie mit ihren Eltern nachmittags vom Strand auf dem Weg zu ihrem Feriendomizil sind. 17.30 Uhr ist auch deshalb ein guter Termin, weil die Vorlesezeit dann gut vor das jeweilige Abendprogramm passt.