SMG-Chef Luft präsentiert neueste Zahlen

Erstmals über 7 Millionen

Foto: © Archiv / Sylter Spiegel GmbH

Im Sommer ist durch die Westerländer Friedrichstraße kaum ein Durchkommen, wie unser Archivfoto oben zeigt. Im vergangenen Jahr zählten die Touristiker wie SMG-Chef Moritz Luft (u.) rund 7,1 Millionen Übernachtungen.

Mi, 16. Mai 2018
Sylt

Kurz bevor mit dem Pfingstwochenende die Sommersaison 2018 beginnt, liegen der Sylt Marketing GmbH (SMG) nun auch die gesammelten Daten der vergangenen Saison vor: „Mit inselweit knapp 7,1 Millionen Übernachtungen haben wir 2017 erstmals die Sieben-Millionen-Grenze überschritten“, resümiert Moritz Luft im Gespräch mit unserer Zeitung. Das entspricht einem leichten Zuwachs im Vergleich zum Jahr 2016 – bei einem gleichbleibenden Angebot von rund 60.500 Betten. „Auch die Aufenthaltsdauer hat sich nicht verkürzt“, freut sich der SMG-Geschäftsführer. „Daraus lässt sich schließen, dass die Zahl der Anreisen analog zu den Übernachtungszahlen insgesamt leicht gestiegen ist.“ Auf diesen Zahlen darf sich die Insel indes nicht ausruhen. Seit knapp zwei Jahren haben sich Unternehmerverbände und Touristiker der Insel in einem gemeinsamen Strategiekreis zusammengefunden, der auf Basis der vorliegenden Zahlen eine Prognose für die kommende Saison stellte: „Geopolitische Spannungen rund ums Mittelmeer haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass die Deutschen ihren Urlaub verstärkt im eigenen Land gebucht haben“, so Luft, „Aber das ist jetzt vorbei: Tunesien, Ägypten, auch die Türkei verzeichnen derzeit wahnsinnige Zuwächse – fast schon im dreistelligen Bereich.“ Diese Verschiebungen werden in der kommenden Saison auch auf Sylt spürbar sein, „zumal die Konjunktur in Deutschland aktuell abgeschwächt ist.“ Eine repräsentative Umfrage habe zwar ergeben, dass die Bevölkerung derzeit bereit sei, etwas mehr Geld in den Urlaub zu investieren, aber diese Steigerung werde sich in den kommenden Jahren nicht weiter fortsetzen, glaubt der Touristiker. „Wenn man das steigende und vom Land geförderte Urlaubsangebot an Nord- und Ostseeküste noch der gleichbleibenden Nachfrage gegenüberstellt, werden wir uns vermutlich anstrengen müssen, um den Status Quo zu halten.“

Doch wie lässt sich einem Abwärtstrend bei diesen Voraussetzungen entgegenwirken? „Auf keinen Fall durch eine Steigerung der Bettenangebote“, wirft Moritz Luft ein. „Dann eher, indem wir unter anderem die Urlaubszeiten in die Vor- und Nachsaison ausdehnen.“ Aber auch hier belegen Umfragen: Deutschland ist und bleibt ein Sommerreiseziel. „In der Nebensaison ist Sylt eher für einen Kurzurlaub attraktiv – die derzeitigen Mängel in der Bahn-Erreichbarkeit sind dabei nicht besonders hilfreich.“ Wer einen langen Urlaub plant, mag eine störungsanfällige Anreise eventuell noch hinnehmen, „aber wenn ich mich übers Wochenende kurz erholen möchte, habe ich ohnehin schon vergleichsweise leicht erreichbare Angebote.“ Immerhin gibt es mit den neuen Fluganbindungen für die Sommermonate eine gute Alternative: „Nach dem Verlust der Air Berlin für das Ziel Flughafen Sylt hoffen wir jetzt auf viele Fluggäste, um den Anbietern Sicherheit zu geben.“

Auf Vertriebsebene gewinnt die Digitalisierung zunehmend an Bedeutung: „Die Ferienwohnung wird heute in der Regel immer weniger beim Anbieter direkt gebucht, sondern auf großen Buchungsplattformen im Internet.“ Wer dort nicht präsent ist, hat es zunehmend schwer: „Gerade Privatgastgeber können vor Ort einen noch so guten Job machen und die Ausstattung der Apartments kann noch so gut sein – wenn die Gäste nicht zeitgemäß buchen können, werden diese Ferienwohnungen nicht vermietet.“

Die SMG bietet aus diesem Grund zahlreiche Weiterbildungen an, die sämtliche Gastgeber fit machen sollen für das Internet. „Leider werden die Angebote überwiegend von denjenigen in Anspruch genommen, die in diesem Bereich ohnehin schon sehr aktiv sind.“ Dabei bietet das Internet viel Potenzial, um auch kurzfristig für bessere Buchungszahlen zu sorgen: „Wir nutzen beispielsweise die sozialen Medien als Multiplikatoren, um an sonnigen Tagen auf das gute Wetter hinzuweisen.“

Die frühen Feiertage in diesem Jahr fielen indes nicht immer in sonnige Zeiten: So hat das Wetter beispielsweise über die Ostertage nicht gerade zum Strandurlaub eingeladen, sondern eher zum Skifahren in den Bergen. „Aus diesem Grund haben wir unter anderem mit den Familienwochen ein neues Angebot ins Leben gerufen, um Sylt im Frühjahr und Herbst attraktiver zu machen – mit Erfolg: Wir haben von Gästen viel positives Feedback bekommen.“

Seit einem Jahr steht der SMG ein zusätzliches Budget in Höhe von 1,25 Millionen Euro zur Verfügung, das zum Teil durch eine höhere Tourismusabgabe und bislang zum Teil durch eine Bezuschussung der Inselgemeinden getragen wird. Ein Großteil des Geldes wurde im Januar und Februar eingesetzt, denn in diesen Monaten ist Hochsaison für die SMG: „Dann werden in der Regel die Urlaubsentscheidungen getroffen. Darum haben wir in dieser Zeit mit ‚Sylt macht sychtig‘ unsere Hauptwerbekampagne gefahren, um Sylt über sämtliche uns verfügbaren Kanäle aus den Hinterköpfen ganz nach vorne zu bringen.“ Außerdem werden ständig neue Märkte erschlossen, so beispielsweise in der französischsprachigen Schweiz und in Dänemark. „Dafür versuchen wir auch, Reiseveranstalter aus dem Ausland für uns zu gewinnen“„, so Moritz Luft abschließend.