Starke Geschäftslage des Handwerks

Aussichten bleiben stabil

Mi, 13. Mär 2019
Sylt

Insel Sylt.(red) Das Handwerk zeigte sich im 4. Quartal 2018 unbeeindruckt von der schwächeren gesamtwirtschaftlichen Konjunktur. Wie im 4. Quartal 2017, melden 57 Prozent der Betriebsinhaber im Handwerk eine gute Geschäftslage, noch acht Prozent beurteilen diese mit schlecht (IV 2017: 9 Prozent). 

Im Vergleich der Gewerkegruppen fällt die Beurteilung der Geschäftslage in den Bau- und Ausbauhandwerken am besten aus: Mehr als zwei Drittel der Betriebe geben aufgrund der guten Baukonjunktur ihrer aktuellen Geschäftslage die Note gut (jeweils 67 Prozent). Das entspricht einer Verbesserung um 5 Prozentpunkte (Bauhauptbetriebe) bzw. einer Verschlechterung um einen Prozentpunkt (Ausbaubetriebe). 

Die steigenden privaten Konsumausgaben führen zu einer leicht verbesserten Geschäftslage in den konsumnahen Handwerksbereichen. Bei Bäckern, Fleischern und Konditoren steigt der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslage um einen Prozentpunkt auf 47 Prozent. Zwei Prozentpunkte im Plus liegt dieser Anteil bei den persönlichen Dienstleistern im Handwerk (40 Prozent). 

Die Umsätze haben sich im 4. Quartal 2018 genauso positiv entwickelt wie ein Jahr zuvor. Weiterhin 24 Prozent der Handwerksbetriebe berichten von wachsenden Umsätzen, ebenso stabile 16 Prozent von rückläufigen. Am kräftigsten fiel das Umsatzplus dabei in den Lebensmittelhandwerken aus, wo der Umsatzindikator (Saldo aus positiven und negativen Meldungen zur Umsatzentwicklung) um 10 Zähler auf 29 Punkte zulegt. Umsatzsteigerungen gab es zudem in den Bau- und Ausbaugewerken (Saldowert: 11 bzw. 15 Punkte) und bei den gewerblichen Zulieferern (9 Punkte). 

Leicht unter dem Vorjahresniveau lag mit 81 Prozent die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten (minus 1 Prozentpunkt). Noch einmal angewachsen sind die Auftragsreichweiten, die mit 8,8 Wochen um 0,7 Wochen über dem Wert aus dem Jahresschlussquartal 2017 liegen. In den Bauhauptgewerken erreichen die Auftragsreichweiten sogar 11,4 Wochen (IV 2017: 9,9 Wochen), in den Ausbaugewerken 10,0 Wochen (IV: 2017: 9,0 Wochen) und in den gewerblichen Zuliefererhandwerken 9,5 Wochen (IV 2017: 9,2 Wochen).

Der saisontypische Beschäftigungsrückgang im Handwerk um den Jahreswechsel fiel im 4. Quartal 2018 beinahe aus. 12 Prozent der Betriebe haben zum Jahresende zusätzliche Mitarbeiter eingestellt (plus 2 Prozentpunkte), 13 Prozent haben ihre Belegschaften verkleinert (plus ein Prozentpunkt). Einen Beschäftigungsaufbau gab es in den Lebensmittel- und den gewerblichen Zuliefererhandwerken, in den anderen Handwerksbereichen war die Beschäftigung stabil oder leicht rückläufig. Weiter verbessert hat sich das Investitionsklima im Handwerk: 17 Prozent der Betriebe haben im 4. Quartal 2018 ihre Investitionsausgaben erhöht (plus 2 Prozentpunkte), weiterhin 19 Prozent haben weniger investiert. Der Investitionsklimaindikator steigt im Vorjahresvergleich um 2 Zähler auf minus 4 Punkte. Positiv ist der Investitionsindikator für die Handwerke des gewerblichen Bedarfs sowie die Ausbau- und Kfz-Handwerke.

Nachdem vor einem Jahr mehr als jeder zweite Handwerksbetrieb (51 Prozent) eine Verbesserung seiner Geschäftslage in den ersten Monaten des Folgejahres erwartet hatte, ist dieser Anteil auf aktuell 12 Prozent deutlich zurückgegangen. Allerdings erwarten die Betriebe keinen Einbruch ihrer Geschäftslage, sondern gehen davon aus, dass diese auf dem hohen aktuellen Niveau verbleibt. 74 Prozent der Inhaber planen mit einer stabil guten Geschäftslage (plus 34 Prozent). Um lediglich 3 Prozentpunkte angewachsen ist der Anteil der Betriebe, die eine schlechtere Geschäftslage erwarten (13 Prozent). Positiv bleibt der Ausblick in den Ausbau- und den gewerblichen Zulieferergewerken, in den anderen Handwerksbereichen liegt er leicht im negativen Bereich. Stabil auf dem Vorjahresniveau bleiben die Erwartungen für die Beschäftigungsentwicklung, die Umsätze und Auftragsbestände sowie die Investitionen. Noch einmal höher wird die Notwendigkeit von Preiserhöhungen eingeschätzt. Gestiegene Löhne und Einkaufspreise machen aus Sicht von 41 Prozent der Betriebe höhere Absatzpreise notwendig (plus 4 Prozentpunk-te), weiterhin lediglich 4 Prozent wollen Preise senken.

Die Prognosen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, aber auch die Geschäftserwartungen der Handwerksbetriebe, lassen eine weniger dynamische Konjunkturentwicklung im Handwerk im weiteren Jahresverlauf erwarten. Aber: Der für das Handwerk wichtige binnenwirtschaftliche Aufwärtstrend sollte auch 2019 intakt bleiben. 

Fachkräfte bleiben gefragt, sodass von einem weiteren Anstieg der Erwerbstätigkeit auszugehen ist. Auch die Lohnentwicklung sollte weiter von realen Zuwächsen gekennzeichnet sein. Wohnungsbau und öffentlicher Bau sollten ihren Aufwärtstrend fortsetzen. Ein Fragezeichen steht hinter dem Außenhandel. Die ungeklärten Brexit-Modalitäten, Handelsstreitigkeiten und das verlangsamte globale Wachstum bremsen und schüren Verunsicherung. Die handwerklichen Umsätze sollten 2019 erneut deutlich, um bis zu 4 Prozent zulegen können. Wenn die Betriebe die gesuchten Fachkräfte und Auszubildenden finden, wird auch die Beschäftigung im Handwerk weiter ansteigen.