Alles beim Alten?

Mi, 09. Mai 2018
Sylt

Nach dieser Wahl ist zumindest an den Spitzen der Sylter Gemeinden alles beim Alten: Sämtliche Bürgermeister bleiben im Amt, wobei sich Ronald Benck im Inselnorden über eine erstmals errungene absolute Mehrheit der Sitze für die CDU ebenso freuen darf wie Rolf Speth im Inselsüden, der trotz aller Querelen um seine Person in den vergangenen Jahren weiterhin das Vertrauen von weit mehr als der Hälfte der Hörnumer genießen kann. Die beiden Damen in der Inselmitte, Katrin Fifeik in Wenningstedt-Braderup und Steffi Böhm in Kampen, dürften vor der Wahl derweil gut geschlafen haben: Fifeik kann auf einen guten Job in den vergangenen Jahren zurückblicken, erntete bei der Wahl entsprechend immer noch reich, und Böhm musste wegen Alternativlosigkeit in Kampens Parteienlandschaft um ihre 100 Prozent nicht fürchten.

Alles beim Alten also auf der Insel?

Mitnichten!

Zum einen überrascht das katastrophale Abschneiden der SWG bei den Wahlen in der Gemeinde Sylt.

Die Wählergemeinschaft war bis vor fünf Jahren mit 32,5 Prozent noch vor der CDU stärkste politische Kraft in der größten Gemeinde auf der Insel. Musste bei der Wahl 2013 erstmals richtig Federn lassen, verlor 12 Prozent und landete seinerzeit nur noch bei knapp über 20 Prozent. Und am Sonntag gab‘s vom Wähler nochmal eins auf die Hörner: Aus mageren 20,5 Prozent wurden schlappe 13,8 Prozent. Das ist ein Verlust von 18,7 Prozent in zehn Jahren, eine Katastrophe.

Denkt man die Geschwindigkeit dieser Entwicklung in Richtung der nächsten Kommunalwahl im Jahr 2023 weiter, wird von dieser einst so starken Partei nur noch ein kläglicher Rest bleiben – wenn überhaupt. In der SWG wird man sich nun ernsthaft fragen müssen, woran‘s lag. Denn der Substanzverlust hat offenbar ebenso ernste Ursachen wie er unzweifelhaft ernste Folgen hatte.

Zum anderen müssen sich die Parteien in der Gemeinde Sylt ebenso wie die in Wenningstedt-Braderup fragen lassen, warum ausgerechnet in ihren Gemeinden die Wahlbeteiligung so stark abgerutscht ist – mehr als zehn Prozent in der Doppelgemeinde, rund fünf Prozent in der Gemeinde Sylt. Am herrlichen Frühjahrswetter kann es diesmal nicht gelegen haben, denn die Sonne schien hell und warm auch über List und Hörnum, wo im Vergleich zu 2013 mehr (List) bzw. gleich viele Menschen (Hörnum) zur Wahl gegangen sind. Nein, die stark gesunkene Wahlbeteiligung in der Inselmitte muss andere Ursachen haben als das Wetter, wie Bürgermeister Nikolas Häckel am Wahl­abend vermutete.

Liegt‘s am mangelnden Charisma der Politiker in den Vertretungen? Oder sprechen ihre Ideen, ihre Ziele die Menschen nicht mehr an? Diese Fragen sollten sie sich in der Inselmitte dringend stellen. Und in den kommenden fünf Jahren dafür sorgen, dass nach erreichten Zielen und engagiert geführten Wahlkämpfen wieder mehr Menschen an die Urnen eilen – ob bei Regen oder Sonnenschein.