Kommunalwahl 2018 – die ausführliche Nachlese

„Ich bin fassungslos“

Foto: © Gemeinde Sylt

Mi, 09. Mai 2018
Sylt

Im Sitzungssaal des Rathauses lag Spannung in der Luft, als am Sonntagabend gegen 18.20 Uhr die ersten Ergebnisse der Wahl zur Gemeindevertretung bekanntgegeben wurden. Diese Spannung hielt für einige Parteien bis zur letzten Auszählung an: Besonders SPD, SWG und die Grünen lieferten sich bis zum Schluss ein Rennen um den zweiten Platz hinter der CDU. Damit steht auch fest, dass Peter Schnittgard weiterhin Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt bleibt: „Darüber freue ich mich sehr“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. „In meinem Wahlkreis habe ich fast 50 Prozent geholt, ich bin damit absolut zufrieden.“
Auch CDU-Spitzenkandidat Carsten Kerkamm zeigte sich froh über das Ergebnis: „Wir sind wieder stärkste Kraft in der Gemeinde Sylt und haben unser Wahlergebnis halten können.“ Einziger Wermutstropfen für die CDU: Während sie 2013 aus allen Wahlkreisen als Sieger hervorging, setzte sich Eberhard Eberle von der SPD in diesem Jahr mit fünf Stimmen Vorsprung gegen John Bourne durch. „Es war schon immer ein knappes Ergebnis in meinem Wahlkreis“, so Eberle. „Dass die Wahl in diesem Jahr zu meinen Gunsten ausging, freut mich sehr.“ Ansonsten gab es für die SPD an diesem Wahltag nicht viel Grund zur Freude: „Der bundesweite Abwärtstrend der SPD spiegelt sich auch bei uns wider“, sagte Eberle zum Ergebnis. Kurz vor der Wahl hatte die SPD noch einmal die Halle 28 zur Sprache gebracht. Ob dieser Schachzug beim Wähler möglicherweise schlecht ankam, mochte der Gemeindevertreter an diesem Abend nicht beurteilen, „Was wir zum Thema Halle 28 gesagt haben, ist aber nun einmal die Wahrheit.“
Im Vergleich zur SPD fiel der Verlust der SWG, wie in unserer Berichterstattung über das Ergebnis in der Gemeinde Sylt auf Seite 25 dargestellt, erdrutschartig aus: „Ich bin fassungslos“, kommentierte Ursula Lunk-Lorek das Ergebnis, Und weiter: „Ein Großteil unserer Wähler scheint in Richtung Insulaner und Zukunft. abgewandert zu sein, obwohl ich das bei den Argumenten der neuen Kandidaten nicht ganz verstehen kann.“
Auch Erik Kennel von der SWG zeigte sich enttäuscht, „Obwohl es klar ist, dass die Wahlergebnisse sich umso mehr zerfasern, je mehr Parteien antreten.“
Erst gegen Ende der Auszählungen setzten sich SWG und SPD gegen die Grünen durch, die bis zur vorletzten Auszählung noch realistische Chancen hatten, zweitstärkste Kraft in der Gemeinde Sylt zu werden. Obgleich die Grünen mit 13,0 Prozent am Ende nur auf dem vierten Platz landeten, konnten sie sich dennoch als Sieger fühlen, verbesserten sie ihr Ergebnis gegenüber 2013 doch um 4,7 Prozent und stehen mit vier Gemeindevertretern künftig auf Augenhöhe mit SPD und SWG.
„Ich bin überwältigt“, freute sich denn auch Grünen-Spitzenkandidatin Maria Andresen, „Damit habe ich nicht gerechnet. Das stellt uns natürlich auch vor die Herausforderung, dieser Verantwortung gerecht zu werden.“
Der SSW, Partei der dänischen Minderheit, kam auf 7,8 Prozent und verlor 1,6 Prozent im Vergleich zu 2013. „Ich habe das schon geahnt“, sagte Spitzenkandidat Peter Erichsen im Gespräch mit dem Sylter Spiegel, „Wir profitieren als Minderheitenpartei stark von unseren Stammwählern, von denen in den vergangenen Jahren viele die Insel verlassen haben. Trotzdem hätte ich mir wenigstens zehn Prozent gewünscht.“ Mit zwei Sitzen in der neuen Gemeindevertretung sind die Dänen zukünftig gleichauf mit den Fraktionen Zukunft. mit 8,1 Prozent und „Die Insulaner“ mit 5,7 Prozent.
Nicht mehr zur Wahl angetreten war Pirat Christian Thiessen, der sich aber über das gute Ergebnis der Grünen freute: „Ich könnte mir gut vorstellen, mich in den kommenden Jahren bei den Grünen mit einzubringen, falls sie das wünschen. Dann aber nur noch in einem Fachbereich, wie zum Beispiel der Verkehrspolitik.“
Klarer Verlierer war an diesem Abend der demokratische Gedanke unter den Einwohnern der Gemeinde Sylt: Mit 42,6 Prozent war die Wahlbeteiligung noch niedriger als 2013 und lag knapp fünf Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Bürgermeister Nikolas Häckel war entsprechend enttäuscht über die magere Teilnahme: „Es mag dem guten Wetter geschuldet sein, dem sehr ruhigen Wahlkampf oder auch den bundespolitischen Veränderungen, die sich bis auf die Kommunalebene auswirken – so oder so finde ich die niedrige Beteiligung traurig und erschreckend.“

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