Kleingärtner feiern trotz miserablem Wetter

Vom Wachsen der Sonnenblumen

Foto: © Privat

Sieger Torsten Zimmermann mit seiner Sonnenblume.

Mi, 02. Okt 2019
Sylt

Westerland.(fbt) Hierher möchte man wiederkommen: Schon am Eingangstor der Gartenanlage Halemdüür steht ein freundlicher Willkommensgruß. Geradeaus, dann rechts findet sich das Vereinshaus. Dort brutzelt es auf einem Grill, drinnen ist eine große Kuchentafel aufgebaut, die Theke ist bevölkert; wer kein Schweinefleisch will, bekommt gegrilltes Geflügel von einem zweiten, kleinen Grill. Die Leute schwatzen über Urlaub und Motorräder, „I can!I will! End of story!“ (Ich kann, ich werde, Ende der Geschichte!) verkündet eine Tafel an der Wand. Es ist Sonnenblumenfest, aber eigentlich hat dieser Samstagnachmittag eher mit Regen als mit schönem Herbstwetter zu tun – die durchaus zahlreichen Festgäste lassen sich nicht unterkriegen und rücken unter dem Vordach zusammen. Heute werden Gewinner gekürt. Petra Kießling erzählt, wie das geht: Aus einem Sonnenblumenkopf wurden im Frühjahr neue Pflanzen in Töpfen angezüchtet, für zwei Euro pro Topf an die Teilnehmer des Wettbewerbs verkauft und am 1. Mai eingepflanzt. Gartenfreunde aus Halemdüür, Gösing und Claus Stüven, also den drei Gartenanlagen des Vereins, dazu weitere Freunde, machen mit. Ende August/Anfang September zieht ein dreiköpfiges Messteam durch die Gärten und ermittelt akribisch den Sieger. Kießlings Lebensgefährte Dieter Ingwersen, er ist der organisatorische Kopf dieses Nachmittags, erklärt den zweiten Wettbewerb: Kinder konnten schätzen, wie viele Rosmarinspitzen in einem Glas versteckt waren. Und wer am dichtesten an die Zahl kommt, gewinnt einen Preis. Der kleine Ben Braun, ein plietscher Junge in Regenhose und Windjacke, holte mit seiner Vermutung, es seien 1.000, den ersten Platz. Ben Simon (800), Mia und Jens (700) folgen. 

Hier in Halemdüür gibt es 56 Parzellen. Unter den Festteilnehmern ist der eine oder andere Akzent zu hören. Vereinschef Horst-Peter Feldt erzählt, hier gebe es Menschen aller Generationen, Familien, einzelne Pächter. Sie kämen aus allen Nationen: „Man hilft sich gegenseitig.“ Und Feldt bekräftigt: „Wir sind für die Öffentlichkeit da!“ Die Anlage stehe Spaziergängern offen, sie sei wichtig für den Naturschutz. 

Dieter Ingwersen lässt die Musik abstellen und ehrt Sonnenblumenzüchter und das Messteam mit Zollstock und großem Bleistift. Torsten Zimmermanns Sonnenblume hat die gigantische Höhe von 3,98 Metern erreicht, Bernd Gennert folgt mit 3,76 Metern und Manfred Nissen mit 3,62 Metern. Die Sieger gehen nicht nur mit schicken Medaillen nach Hause, sie können sich auch Preise aus der üppig ausgestatteten Tombola aussuchen. Dieter Ingwersen erzählt, fast alles sei gestiftet worden (Werkzeug, Vogelhäuser, Obstkörbe Fußbälle für die Kinder, Haushaltsgeräte und vieles mehr), der folgende Losverkauf soll dabei helfen, die Kosten für das Fest wieder hereinzuholen. Die größte Sonnenblume wird zum sechsten Mal gefeiert, entstanden ist der Wettbewerb aus einer Idee im Internet.

Dass das Wetter nicht mitspielt, trübt die Laune kein bisschen. Nur an wenigen Augenblicken reißt der Himmel auf, ansonsten rinnt an diesem Nachmittag ein mittelheftiger Regen von oben. Wem es zu nass ist, der flüchtet sich unter das Dach, ins Haus oder einen der aufgestellten Schirme. Die Gärten sind hinter einem Wall am Rand eines Wohnviertels versteckt, denkt man sich die graue Wetterstimmung weg, kann man sich schon vorstellen, dass es hier wunderschön ist. Zumal, wenn man eingangs so nett begrüßt wird – hierher möchte man wiederkommen.