Vesterland Ungdoms- og Idrætsforening (VUI)

Sport stärkt Gemeinschaft

Foto: © Matthias Kerber / Sylter Spiegel GmbH

Der Vereinsvorsitzende der VUI, Uwe Gerth

Mi, 01. Nov 2017
Westerland

Der 11. November – in den Karnevalshochburgen Startschuss für die fünfte Jahreszeit – war 1947 auch für die dänische Minderheit Startschuss in eine neue Zeit. An diesem Tag nämlich gründete sich der dänische Jugend und Sportverein Vesterland Ungdomsog Idrætsforening (VUI). Im Rahmen einer gut besuchten ersten Jahreshauptversammlung wurde der Verein aus der Taufe gehoben. „Die Initiative zur Vereinsgründung hing eng mit der Organisation der dänischen Minderheit auf der Insel zusammen“, weiß der langjährige Vereinsvorsitzende und ehemalige Rektor der dänischen Schule in Westerland, Walter Johannsen, im Gespräch mit dem Sylter Spiegel zu berichten. „Viele Handwerker aus Flensburg, wo die Minderheit schon seit den 1920er Jahren gut organisiert war, kamen auf die Insel.“ 1948 wurde beim SdU, Sydslesvigs danske Ungdomsforeninger, ein Antrag zur Aufnahme des Spielbetriebes für Fußball und Handball gestellt. SdU ist die Dachorganisation der dänischen Sport- und Jugendvereine in Südschleswig mit insgesamt 12.000 Mitgliedern.

Einen ersten richtigen Aufschwung erlebte der Verein dann mit der Gründung der dänischen Schule an der Deckerstraße 1952. Denn durch die Schulturnhalle konnte der Verein erst richtig aktiv werden. Auch erste Handballspiele fanden auf der Wiese neben der Schule statt. Im Gründungsjahr des Vereins gab es bereits 96 aktive Mitglieder, die sich auf die Bereiche Fußball, Handball und eine Volkstanzgruppe aufteilten.

Mit der neuen Turnhalle konnte der VUI sein Angebot sukzessive erweitern. So wurde eine Turnabteilung (1950) für Männer und Frauen und eine Badmintonabteilung (1952) gegründet. Die Badmintonabteilung sollte sich zur größten Sparte auf der Insel entwickeln. Ein echter Höhepunkt war die Einladung seitens des Hamburger SV zu einem Badmintonturnier 1956.

Die Handballer absolvierten ihre ersten Punktspiele in Dä- nemark und trugen zur damaligen Zeit ihre Heimspiele in Tondern aus.

„In unserem Verein steht aber nicht nur der Sport im Vordergrund, sondern auch das gemeinschaftliche Zusammenleben“, betont Johannsen, der dem Verein von 1980 bis 1986 vorstand. Hierfür dient vor allem der Gemeinschaftsraum neben der Sporthalle in Keitum. Auf die dänische Schule gehen zur Zeit zwischen 70 und 80 Kinder, von der ersten bis zur achten Klasse. Für die weiterführende Schule müssen die Schüler dann nach Flensburg.

Das ist für den Verein gleichzeitig aber auch ein Problem. „Beim Nachwuchs kneift es“, erklärt der aktuelle Vereinsvorsitzende Uwe Gerth. „Durch die offenen Ganztagsschulen haben die Kinder vielfach keine Zeit mehr, sich auch noch in Vereinen zu engagieren“, so Gerth weiter. Auch haben sich die Mitgliederzahlen sukzessive verringert. Hatte der Verein in Spitzenzeiten rund 320 Mitglieder, so sind es heute nur noch etwa 250.

Einen richtigen Mitgliederaufschwung erlebte der Verein, als der Lehrer Niels Erik Otte an die dänische Schule kam und dort die Judoabteilung gründete. Von den 1969/70 insgesamt 284 Mitgliedern waren rund 60 allein beim Judo aktiv.

Im Jahr 1974 veranstaltete der Verein sein erstes Handball-Pfingstturnier. Vier Jahre später folgte ein Turnier für Hand- und Fußballer, an dem neben dem VUI auch der TSV Westerland und ein Sportverein von der dänischen Insel Röm teilnahmen.

In den 80er Jahren begann die Fußballära des Vereins. Einer der Höhepunkte der dänischen Kicker war der Gewinn des Dänischen Landesmeistertitels des DGI (Danske Gymnastik- og Idrætsforeninger; Dachverband des dä- nischen Breitensports) 2013 im 7-er Kleinfeldturnier.

Neben den sportlichen Veranstaltungen hat sich der Verein seit den 1970er Jahren aber auch ein zweites Standbein aufgebaut und Konzerte veranstaltet. Wenn Johannsen und Gerth in diese Zeit eintauchen, geraten sie richtig ins Schwärmen. „Angefangen hat das mit einem Jazzkonzert einer Gruppe aus Dänemark. Da kamen rund 170 Gäste in die Turnhalle. Damit die auch alle irgendwie sitzen konnten, haben wir aus den Sportmatten ein richtiges Matratzenlager gebaut. Das war einfach eine Riesenstimmung“, erzählen die beiden stolz. Früher hat der Verein zwischen sechs und acht Konzerte veranstaltet. „Heute versuchen wir zwei Veranstaltungen im Jahr zu stemmen“, erklärt Gerth.

Um dem Mitgliederrückgang und der zeitlichen Einschränkung von Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken, haben sich die Macher des Vereins dazu entschlossen, verstärkt Workshops anzubieten. „Die kürzeren Workshops sind nicht so zeitintensiv wie lange Spielserien. Unser erster Trommelkursus ist mit rund 15 Teilnehmern sehr gut angenommen worden“, berichtet Gerth. Auch für diesen Winter hat die Vereinsführung etwas geplant.

Worauf sich aber nicht nur der Verein freut, ist der legendäre Lotto-Abend des VUI. Der findet einmal im Jahr statt, bei dem Firmen Preise sponsern. „Das ist immer ein Riesenfest und macht richtig Spaß“, schwärmen Gerth und Johannsen unisono. Der Erlös wird meist in den Vereinsbus investiert.

Momentan bietet der VUI rund zehn Sportarten an: von Fußball über Badminton bis hin zum Square Dance, den es seit 1999 gibt, als sich die Island Rebels gründeten, die 20 Mitglieder haben und mittlerweile auch bei großen Turnieren tanzen.