Die Sylter Marathonläuferin Sandra Morchner über ihre Erfolge

Mit 50 noch einmal neu starten

Foto: © Hans Jessel

Jeden Tag um 5 Uhr morgens läuft Sandra Morchner zwischen zwölf und 21 Kilometer. Die 48 Jahre alte Sylterin hat in ihrer Altersklasse zahlreiche Rekorde aufgestellt.

Fr, 27. Dez 2019
Sylt

Insel Sylt.(sc) Deutsche Meisterin im Marathon, Halbmarathon und über 5.000 und 10.000 Meter, außerdem Europameisterin im Halbmarathon und fünffache Deutsche Rekordhalterin – in ihrer Altersklasse W45 ist kaum ein Laufsport-Titel vor Sandra Morchner sicher. Frankfurt, Kassel, Essen, Freiburg – in ganz Deutschland läuft die Sylterin vom Laufteam Kassel der Konkurrenz davon und erntet dafür bundesweit Anerkennung. Morgens um 5 Uhr läuft sie eine längere Strecke als viele Sylter zur Arbeit fahren müssen: Zwischen zwölf und 21 Kilometer. Jeden Morgen, bei jedem Wetter. Dabei hat sie erst vor acht Jahren ihre Liebe zum Laufsport entdeckt: Alles fing an, nachdem die gelernte Bürokauffrau ihre Arbeitszeit reduziert hatte und eine Freizeitbeschäftigung suchte: „Ich habe erst langsam angefangen, auf dem Laufband im Fitnessstudio – im Prinzip wie jeder andere“, erinnert sich die 48-jährige. 

Irgendwann kam der Schritt nach draußen: Die frische Luft, die Freiheit, die Ruhe – das Laufen unter freiem Himmel brachte für Sandra Morchner noch einmal ein ganz neues Laufgefühl mit sich: „Wenn ich morgens von Wenningstedt nach Kampen laufe, ist alles so friedlich – ich sehe Rehe und Füchse, höre nur meine Schritte und kann meinen Gedanken freien Lauf lassen. Das ist wundervoll.“ Jeden Tag wird die Runde ein klein wenig größer, bis irgendwann der erste Wettkampf ansteht: „Die Anfrage kam ziemlich kurzfristig von einem Bekannten“, erinnert sie sich. „Beim Glücksburger Triathlon ‚Ostseeman‘ war eine Staffelläuferin ausgefallen, und ich habe spontan zugesagt.“ Von diesem Erlebnis zehrte sie noch eine ganze Weile, und vielleicht war es auch das entscheidende Zünglein an der Waage, als sie entscheiden musste, ob sie ihren Laufsport ambitionierter ausüben möchte. Sie war mit einem Freund in einem Trainingslager in Portugal, als sie ihren Trainer Winfried Aufenanger kennenlernte. Der ehemalige Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) war zu diesem Zeitpunkt gerade mit seiner Mannschaft dort, sah Morchner trainieren und machte ihr ein Angegbot, in seinem Verein, dem PSV Grün-Weiß Kassel, zu trainieren. „Er ist ja schon über 70, aber mit einem solchen Elan bei der Sache, dass man ihm kaum etwas ausschlagen kann.“ Also sagte sie zu. „Die vielleicht beste Entscheidung meiner Laufkarriere – wir beide harmonieren sehr gut und ich bin froh und dankbar, dass ich ihn habe. Die Wertschätzung, die mir von meiner Mutter und meiner Familie, meinem Trainer und seiner Frau Brigitte und meinem Sponsor Lars Bergmann von der Immovation AG entgegengebracht wird, spornt zusätzlich an.“ Von da an fing Sandra Morchner an, nach Trainingsplan zu laufen und sich auf die kommenden Lauf-Events vorzubereiten: „Das sind immer etwa zwölf Wochen, in denen Laufstrecke und Geschwindigkeit Stück für Stück gesteigert werden“, erklärt die Läuferin - und fügt schmunzelnd hinzu: „Dann muss man die Leistung nur noch zum richtigen Zeitpunkt abrufen können.“ Wann sie im nächsten Jahr ihre Kräfte abrufen muss, steht noch nicht fest: „Wir arbeiten gerade am Wettkampfplan für 2020. Die Deutschen Meisterschaften im Marathon Ende April 2020 sowie ein Start beim Kassel-Marathon sind jedoch fest im Visier. Viel spannender wird es für mich aber im Jahr darauf.“ Nach ihrem 50. Geburtstag rutscht sie in die nächste Altersklasse – ihre alten Rekorde gelten dort nicht. „Dann kann ich mit dem Setzen neuer Rekorde noch einmal von vorne anfangen“, lacht sie, „vorausgesetzt, die Gesundheit spielt mit.“ Dabei geht es ihr eigentlich ohnehin mehr um die Leidenschaft für den Sport – Titel und Rekorde sind der Läuferin nicht so wichtig: „Ich fange einfach an zu laufen und setze einen Fuß vor den anderen. Erst im Ziel weiß ich, ob es gereicht hat. Dass ich den Rekord auf 10.000 Meter gelaufen bin, habe ich anfangs gar nicht mitbekommen.“ Dennoch nimmt der Laufsport eine wichtige Rolle in ihrem Leben ein: „Man muss schon sehr auf seine Ernährung achten“, erklärt die Sportlerin. „Ich achte darauf, viele Vitamine und Proteine zu mir zu nehmen, aber auf der anderen Seite verbiete ich mir auch nichts – und vor allem verzichte ich auf Nahrungsergänzungsmittel.“ Quark statt Eiweiß-Shakes, frisches Obst statt Vitaminpillen. Im Familienleben stört ihr Sport, der inzwischen mehr ist als ein Hobby, aber kaum: „Ich laufe ja sehr früh morgens. Wenn ich am Wochenende nach einem Drei-Stunden-Lauf morgens um 8 Uhr nach Hause komme, steht mein Lebensgefährte Dirk gerade auf und wir können gemeinsam den Tag mit einem Frühstück beginnen.“