Die Erlebnisse einer Pendlerin mit der DB

Früher. Oder später. Oder gar nicht.

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Fr, 15. Nov 2019
Sylt

Insel Sylt.(nk) Wer auf dem Festland wohnt, aber auf der Insel arbeitet, ist wohl oder übel auf die Deutsche Bahn angewiesen. In der vergangenen Woche mussten die rund 4.500 Pendler wegen umfangreicher Bauarbeiten an den Gleisen zwischen Lehnshallig und Klanxbüll sowie an zwei Weichen im Bahnhof Westerland einen nicht unerheblichen zeitlichen Mehraufwand einplanen (wir berichteten). 

Schon am Abend vorher hatte man die Qual der Wahl: Wer beispielsweise um 8 Uhr Arbeitsbeginn hat, erreicht Westerland planmäßig gute 50 Minuten (7.08 Uhr) früher oder – mit dem nächsten Zug – zu spät (8.08 Uhr). 

Die Fahrt aus dem Amt Mittleres Nordfriesland, also Bredstedt–Westerland, dauerte statt der regulären 55 Minuten in der vergangenen Woche satte 86 Minuten – dreimal umsteigen inklusive. Wer morgens nach Sylt und abends wieder in Richtung Bredstedt nach Hause fahren musste, saß also mindestens zwei Stunden und 52 Minuten in Zügen der Deutschen Bahn oder dem Schienenersatzverkehr (SEV) von „Pfau Busreisen“ aus Hollenstedt. Starke Nerven waren für den Arbeitsweg von Vorteil, denn der Schienenersatzverkehr verlief zwar weitestgehend pünktlich, ein wenig Mut musste man jedoch aufbringen, denn die vollen Busse legten ein beachtliches Fahrtempo vor.

Die Deutsche Bahn zeigte sich mit dem SEV hingegen „sehr zufrieden“, die Modernisierung der Marschbahn liege außerdem „voll im Plan“. Nicht ganz so zufrieden mit der Situation war die lokale Pendlerinitiative. „Unser Vorschlag war es, die Strecke für neun Tage komplett zu sperren. Die Touristen hätten in dieser Zeit mit der Fähre fahren können. 

 

Dann wäre uns dies alles erspart geblieben“, so Martina Schulz‘ damaliger Vorschlag. 

Besonders im Gedächtnis bleiben wird vor allem der vergangene Freitag. Pünktlich zum morgendlichen Berufsverkehr, gegen 6 Uhr, „überfuhr RE 11098 (Niebüll–Westerland) Gegenstände auf dem Hindenburgdamm, es kam zu Luftverlust und der Zug blieb liegen“, so Egbert Meyer-Lovis, Pressesprecher und Leiter Regionalbüro Kommunikation Hamburg der Deutsche Bahn AG. Die Strecke sei dann aus Sicherheitsgründen komplett gesperrt worden. Nach einer provisorischen Instandsetzung des Zuges konnte die Fahrt Richtung Morsum fortgesetzt werden. Erst gegen 10 Uhr sei das zweite Gleis wieder frei gewesen. Wie viele Pendler am Freitagmorgen deshalb ihren Arbeitsbeginn auf der Insel nicht pünktlich oder gar nicht antreten konnten, kann man nur mutmaßen.

Trotz der vielen Zugausfälle und oft unpünktlichen Verbindungen wollen die Diskussionen um den zweigleisigen Ausbau der „Problemstrecke“ Marschbahn nicht enden. In der vergangenen Woche beklagte die für Nordfriesland zuständige Bundestagsabgeordnete Astrid Damerow in scharfen Worten, dass das Projekt aus dem sogenannten Maßnahmegesetz herausgenommen wurde. Ein Sprecher des Berliner Umweltministeriums sagte auf Anfrage, dies sei „Ergebnis einer juristisch erforderlichen Abwägung“; der klima- und verkehrspolitische Nutzen solcher Projekte müsse sehr hoch sein, „um das Konzept der Legalplanung zu rechtfertigen“. Die Marschbahn sei aber mit den übrigen Projekten des Gesetzes nicht vergleichbar, was nicht bedeute, dass der Ausbau nicht verwirklicht werde, „sondern nur, dass es nicht der Teil der speziellen Maßnahmen dieses Gesetzes ist“. Die Deutsche Bahn konnte nicht sagen, wie lang sich der zweigleisige Ausbau durch diesen Schritt verzögern würde.

Noch bis zum 29. November werden rund 3.000 Meter Gleise im eingleisigen Abschnitt zwischen Lehnshallig und Klanxbüll erneuert. In diesem Zeitraum werden auch drei Weichen in Niebüll ausgewechselt. Bis dahin müssen die Pendler wohl mit weiteren Ausfällen und anderen Schwierigkeiten rechnen.