Land sieht Marschbahn verbessert

Nach Bauarbeiten pünktlicher?

Fr, 10. Jan 2020
Sylt

Insel Sylt.(fbt) „Wieder 20 Minuten zu spät“, sagte eine Pendlerin am Montag über ihre Marschbahn-Reise auf die Insel. Achim Bonnichsen (Foto: Archiv), Sprecher der Pendlerinitiative, stellte dem aktuellen Betrieb auf der Strecke überhaupt kein gutes Zeugnis aus. „Es wird nicht besser“, sagte der Bahnexperte und zählte eine lange Liste von Problemen auf: Neu installierte Signale würden gestört, am Bahnübergang am Königskamp habe es eine Panne gegeben, die zugesagte Auffrischung der Marschbahnwagen (Getränke, Essen, WLAN) ruhe („das kostet ein Vermögen“). Bonnichsen bemängelte, dass die Transportleitung für die Strecke im fernen Kiel sitzt und findet, eigentlich müsste die Marschbahn eine eigene haben. Der Pendler-Sprecher traut, wie auch anderen Experten, der offiziellen DB-Pünktlichkeitsstatistik nicht über den Weg: Diese zählt erst ab sechs Minuten Verspätung Züge als unpünktlich – ausgefallene Züge werden nicht mehr aufgeführt. Das heißt: Wenn ein Zug nicht fährt, ist das billiger für die DB. Und wer bei seinem täglichen Weg auf die Insel der Handy-App „DB-Navigator“ vertraut, kann böse Überraschungen erleben, weil sich die Verspätungszeiten, die die App anzeigt, von den Anzeigen auf den Bahnhöfen unterscheiden. Sind pünktliche Züge weiter die Ausnahme?

Eine Sprecherin aus der Pressestelle der Deutschen Bahn (DB) in Hamburg sagte über den DB-Navigator, es handele sich bei den dort angezeigten Verspätungen immer „um Prognosen, die sich jederzeit nach vorn oder hinten ändern können.“ Man prüfe natürlich, welche Verbesserungen für alle Reisenden in den Informationskanälen möglich seien. „Sollte es hier zu unterschiedlichen Angaben gekommen sein, bedauern wir das natürlich sehr.“

Und die Störungen? Am Donnerstag voriger Woche habe es im Kreuzungsbahnhof Lehnshallig eine sogenannte Blockstörung gegeben, am Freitag sei ein RDC-Zug beeinträchtigt worden, am Montag ein DB-Zug. „Sie wissen, das setzt sich auf andere Züge fort“, aber schlechter sei es „auf keinen Fall“ geworden, betonte die DB-Sprecherin. In welchem Zustand sind die überarbeiteten Dieselloks? Die Sprecherin antwortet, die „Rollkur“ sei abgeschlossen, im Rahmen der Motorrevision durch den Hersteller würden noch anstehende Gewährleistungsarbeiten ausgeführt. „Alle Loks, die für den täglichen Zugverkehr benötigt werden, sind im Einsatz“. 

Zum Streit über die Pünktlichkeit muss man wissen, dass es Bundesländer gibt, in denen die Pünktlichkeit der Züge unabhängig vom Betreiber gemessen wird, etwa in Bayern durch die dortige Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG). Von der hierzulande zuständigen NAH.SH heißt es auf Anfrage, man bekomme die Pünktlichkeitsdaten von den Verkehrsunternehmen, werte diese aus und veröffentliche sie monatlich. In Sachen Marschbahn erhebe die DB Netz die Daten. Eine parallele Messung durch die NAH.SH sei weder erforderlich noch umsetzbar. Für Dezember, heißt es weiter, lägen die Daten noch nicht komplett vor. „Unsere vorläufige Sichtung des Datenbestandes zeigt jedoch eine Erhöhung der Pünktlichkeit nach Ende der Baumaßnahmen“. Allerdings habe es zur Monatsmitte „einige schlechte Tage gegeben“.

Noch immer ungelöst ist die Frage, wann die Marschbahn zwischen Niebüll und Klanxbüll und darüber hinaus auch auf der Insel zweigleisig ausgebaut wird. Wie berichtet, hatte die Bundesregierung auf Betreiben von Bundesumweltministerin Schulze (SPD) im alten Jahr das Vorhaben aus dem sogenannten Maßnahmegesetz, mit dem beschleunigte Bauarbeiten per Parlamentsbeschluss erreicht werden sollten, herausgenommen (wir berichteten). Landes-Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) hatte sich daraufhin vor dem Bundesrat dafür ausgesprochen, diesen Beschluss zu korrigieren; die Ländervertretung folgte ihm darin mehrheitlich. Auch die Sylter Gemeindevertreter hatten noch im alten Jahr das Thema auf dem Tisch: Ein mehrheitlich verabschiedeter CDU-Antrag forderte, die Strecke unverzüglich wieder in die beschleunigte Verfahrensweise aufzunehmen. Nun muss abschließend der Deutsche Bundestag entscheiden, ob der Ausbau der Marschbahn wieder in das Maßnahmegesetz aufgenommen wird. Eine Entscheidung in dieser Sache steht noch aus. Ach ja: Die Pendlerin vom Montag war einen Tag später pünktlich auf die Insel unterwegs.