Museumsdirektor Alexander Römer im Interview

„Ein absoluter Meilenstein“

Foto: © Archiv / Sylter Spiegel GmbH

Museumsdirektor Alexander Römer mit einem Bild aus der aktuellen Ausstellung „Im Bann der Insel“, die Werke von Albert Aereboe zeigt.

Do, 29. Nov 2018
Sylt

Im ersten Teil eines längeren Gesprächs mit Sylter Spiegel-Redakteur Matthias Kerber spricht Museumsdirektor Alexander Römer über die Höhepunkte dieses Jahres und die Entwicklung, die die Sylter Museen genommen haben. Im zweiten Teil, der in unserer Weihnachtsausgabe erscheinen wird, wirft Römer einen Blick in das kommende Jahr und verrät, auf was sich Sylter und Besucher 2019 freuen dürfen.

Herr Römer, was waren aus Ihrer Sicht die Höhepunkte im Jahr 2018?

Zunächst sind hier natürlich unsere drei Sonderausstellungen zu nennen, die alle sehr gut angenommen wurden. Vor allem die Ausstellung ‚Zu neuen Ufern‘ aus der Sammlung Deutsche Bank war etwas ganz Besonderes.

Inwiefern?

Diese Sammlung, mit dem Schwerpunkt Papierarbeiten, zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Sammlungen weltweit. Darunter befinden sich unter anderem Werke von Gerhard Richter und Peter Doig, die auf dem internationalen Kunstmarkt zu den Top Ten zählen. Deshalb waren für diese Ausstellung auch besondere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, um diese Sammlung überhaupt zeigen zu können.

Wie ist der Kontakt zur Deutschen Bank überhaupt entstanden?

Das Konzept der Deutschen Bank ist, dass diese Sammlung in der Öffentlichkeit gezeigt wird. Die Initiative ist aber von Petra Nies ausgegangen. Sie arbeitet bei der Deutschen Bank Filiale Westerland und ist sehr kunstaffin.

Welchen Bezugspunkt hatten die Exponate zu Sylt?

Die Ausstellung ‚Zu neuen Ufern‘ hatte mit den Themen Meer, Menschen und Tourismus einen übergeordneten Anknüpfungspunkt. Das sind vielfältige Themen, die wir versuchen mit unserer Dauerausstellung in Kontakt zu bringen. Wir wollen in Zukunft diesen Weg weitergehen.

Wie viele Besucher konnten Sie für diese Ausstellung zählen?

Wir konnten rund 4.500 Besucher zählen. Das ist angesichts des großartigen Sommers, der wahrlich kein Museumswetter bot, ein starkes Ergebnis und zeigt, dass wir die Ausstellung richtig
platziert haben. Mit den tollen Besucherzahlen konnten wir den Sommer abfedern.

Wie haben sich die Besucherzahlen insgesamt entwickelt?

Wir können eine wirklich tolle Entwicklung beobachten. Wir hatten bereits im Oktober dieses Jahres in unseren vier Einrichtungen so viele Gäste wie im gesamten Jahr 2017. Insgesamt können wir mit rund 70.000 Besuchern im Jahr rechnen. Da ist in Zukunft noch viel Luft nach oben.

Kommen wir noch einmal auf die Ausstellungen dieses Jahres zurück. Während die Sammlung ‚Zu neuen Ufern‘ ausschließlich externe Werke beinhaltete, konnte die erste Sonderausstellung es Jahres, ‚Rendezvous!‘, aus dem eigenen Sammlungsbestand erstellt werden.

Durch die enge Verbundenheit Vieler mit der Söl’ring Foriining gelang es durch Schenkungen, die kunsthistorische Sammlung der Museen stetig zu erweitern. Darunter finden sich Künstler
wie Dieter Röttger, Siegward Sprotte oder Carl Christian Feddersen, die zu Lebzeiten eine sehr innige Beziehung zu Sylt pflegten und diese künstlerisch verarbeiteten.

Eine innige Beziehung zu Sylt pflegte auch Albert Aereboe, dem Sie die dritte und aktuelle Sonderausstellung des Jahres widmen.

Seit 1925 bildeten List und ab 1943 Kampen seinen Lebensmittelpunkt. Die Sylter Landschaft beeindruckte ihn nachhaltig und forderte ihn immer wieder heraus, sodass seine Arbeiten in einem Spannungsverhältnis von sozialer Vernetzung zwischen Einwohnern, Politik und Kunst stehen. Diese Ausstellung konnten wir zum Teil mit Leihgaben aus Sylter Sammlungen und aus dem Nachlass des Künstlers bestücken.

Ein weiterer Höhepunkt des Jahres war sicherlich die erfolgreiche Zertifizierung des Sylter Heimatmuseums und des Altfriesischen Hauses nach internationalen Standards.

Das ist ein absoluter Meilenstein, über den wir uns natürlich sehr freuen.

Was genau wurde zertifiziert?

Die Zertifizierung bezieht sich vor allem auf zwei Bereiche. Zum einen die Institution Museum, wo die wissenschaftliche Arbeit bewertet wird, aber auch die Sicherung von Objekten im Sinne deren Restaurierung. Der andere Bereich bezieht sich auf die Besucher. Hierbei stehen Fragen nach der Heranführung der Besucher an die Museen und an die Inselgeschichte im Vordergrund. Wichtig hierbei ist auch der Vermittlungsbereich. Darunter sind Wegeleitsysteme und Medienstationen sowie Vermittlungsprogramme zu verstehen.

Welche Vorarbeit mussten Sie im Zuge der Zertifizierung leisten?

Hierfür waren viele Stunden Arbeit im Hintergrund gefragt. Wir haben unser Leitbild überarbeitet sowie unser Museumskonzept neu erarbeitet. Auf dem Prüfstand stand auch unser Ausstellungs- und Sammlungskonzept. Was wollen wir sammeln, wo sind noch Lücken und was wollen wir erreichen sind hierbei die maßgeblichen Fragen gewesen. Fachkollegen standen uns dabei beratend zur Seite. Aber all diese Veränderungen kosten natürlich Geld und werden nun Schritt für Schritt abgearbeitet.

Wo sehen Sie vor allem noch Verbesserungsbedarf?

Die archäologische Abteilung des Sylter Heimatmuseums muss 2019 modernisiert werden. Und im Servicebereich muss nachgebessert werden. Auch einen neuen und zeitgemäßen
Onlineauftritt werden wir in naher Zukunft realisieren.

Wo liegen die Vorteile der Zertifizierung?

Die Vorteile liegen zum einen bei der erleichterten Einwerbung von Fördermitteln. Die Förderer haben so die Gewissheit, dass ganz bestimmbestimmte Standards erfüllt werden. Unser Ziel soll aber über die Mindeststandards hinausgehen. Auch der Besucher steht dabei im Vordergrund. Gerade Führungen für Groß und Klein und die Ausstellungspräsentation sollen verbessert werden. Wenn wir nach fünf Jahren rezertifiziert werden, sollten die Standards im Idealfall übererfüllt sein.

Mit der bereits laufenden Sanierung der Häuser wird zudem auch der Baubestand gesichert. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Der erste Bauabschnitt ist bereits abgeschlossen. Jetzt steht noch die Dachsanierung aus sowie die Überarbeitung der denkmalgeschützten Fenster. Dafür haben wir neben der Unterstützung der Sylter Gemeinden die Zusage vom Bund, der diese Maßnahmen mit 147.200 Euro fördern wird.

Dann können Sie im Rückblick doch auf ein wirklich gelungenes Jahr 2018 zurückblicken?

Wir haben viele neue Leute im Museum empfangen, viel erreicht und die Arbeit, die oft im Verborgenen stattfindet, trägt Früchte. Besonders schön ist aber auch das Feedback der Besucher, die nicht nur neue Künstler für sich entdecken, sondern auch über die ihnen bekannten Künstler immer wieder etwas Neues erfahren. Das ist eine schöne Wertschätzung unserer Arbeit.