Machbarkeitsstudie soll Wiederbelebung für Areal prüfen

Eine Chance für die Kratzmühle

Foto: © Matthias Kerber / Sylter Spiegel GmbH

Do, 28. Mär 2019
Tinnum

Tinnum.(mk) Derzeit ist das Areal um die alte Kratzmühle im Gewerbegebiet ein ziemlicher Schandfleck. Seit März vergangenen Jahres steht das Wohngebäude der Kratzmühle leer. Die Fenster wurden mit Brettern vernagelt. Das Grundstück mit den beiden Gebäuden ist zugemüllt. 

„Zunächst gab es die Idee, die Gebäude abzureißen“, erklärte Holger Weirup, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Sylt, am Montagabend in der Sitzung des Tinnumer Ortsbeirates. Doch dieses Pläne wurden schnell verworfen, da man die Gebäude aufgrund ihrer historischen Bedeutung für erhaltenswert hielt.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kratzmühle von der Familie Lorenzen errichtet und bis nach dem Ende des Ersten Weltkrieges betrieben. Die Errichtung der Kratzmühle trieb die industrielle Wollverarbeitung voran. Die Wolle wurde kardiert (im Volksmund auch gekratzt genannt), gesponnen und schließlich zu Stoff verwebt. Mit der Errichtung des Fliegerhorstes übernahm in den 30er Jahren das Deutsche Reich das Gelände. Der Betrieb der Kratzmühle war zu diesem Zeitpunkt bereits stillgelegt. Familie Lorenzen konnte das Wohnhaus aber weiterhin bewohnen. Mit dem Verkauf seitens des Bundes 1999 fiel das Areal dann dem Zweckverband Inselgemeinschaft Flugplatz Sylt zu. 

Was jetzt mit dem Gelände passieren soll, ist aber noch völlig offen. Holger Weirup, Manfred Uekermann, Vorsitzender des Landschaftszweckverbandes Sylt, und Roland Klockenhoff, Vorsitzender des Umweltausschusses der Gemeinde, waren sich schnell einig, dass die Entwicklung des Areals auch eine Chance bietet, berichtete Weirup vorgestern Abend. 

Eine vom Zweckverband in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie soll ein Konzept erarbeiten, das eine zukünftige Nutzung der historischen Gebäude ermöglicht. Die dafür veranschlagten 50.000 Euro fördert die AktivRegion Uthlande mit rund 25.000 Euro. Die andere Hälfte trägt der Zweckverband als Eigentümer. 

„Jetzt ist es wichtig, dass Ideen eingebracht werden“, erklärte Weirup den Mitgliedern des Ortsbeirates. 

Und die warfen gleich Vorschläge in die Runde. Von einem Kinderbauernhof (Ursula Lunk-Lorek, SWG) bis hin zu einer Bauernhofpflegestation, wo Senioren zusammen mit Kindern tätig werden (Eva-Katharina Rahn, SSW). Auch eine Imkerei oder ein Landschaftspflegehof sind Maßnahmen, die ins Spiel gebracht wurden. Wichtig sei es aber, betonte Weirup, dass die neue Nutzung der Kratzmühle im weiteren Sinne etwas mit Landwirtschaft zu tun habe.

Mögliche Bereiche könnten Natur, Kultur, Landwirtschaft, Bildung und Tourismus sein. „Jetzt geht es aber erst einmal darum, dass die Studie die Machbarkeit prüft“, so Weirup.