Till Brönner und Dariush Mizani im Interview

„Dem Motto treu geblieben.“

Do, 25. Jul 2019
Kampen

Kampen.(sc) Kampen Jazz geht in diesem Jahr bereits in die vierte Runde. Der Sylter Spiegel hat mit Gastgeber Till Brönner und Veranstalter Dariush Mizani über das einzigartige Event im Herzen Kampens gesprochen.

 

Was ist im vierten Jahr Kampen Jazz gleichgeblieben und was hat sich aus Ihrer Sicht verändert?

 

Till Brönner: Wir sind unserem Motto treu geblieben und haben Bands und Musiker engagiert, die in dieser Zusammensetzung wohl auf keinem anderen Festival zu hören sind. Wir haben festgestellt, dass wir hier etwas schaffen können, was es ansonsten in Deutschland nicht gibt, und es ist ganz wichtig, das als Alleinstellungsmerkmal herausstellen. Es wird an beiden Open-Air-Tagen in Kampen Momente geben, in denen man einfach nur zuhört und ebenso Situationen, in denen man mitswingt oder mittanzt. Und genau für diese Vielfalt steht unser Festival. Wir glauben, dass wir peu á peu die Kombination aus astreinem Jazz mit dem verbinden können, was auch zu Örtlichkeit passt, sodass wir am Ende sagen können: Diese Art von Jazz gibt es nur in Kampen. Man darf auch Träumen: Am Ende wäre es natürlich toll, wenn man auch am Strand auf Bildschirmen sehen könnte, wer auf der Bühne gerade spielt – da ist noch ganz viel möglich, aber das bedarf eines guten Anfangs. Ich glaube, den haben wir hingelegt. 

 

Warum lässt sich etwas so Einzigartiges ausgerechnet in Kampen so gut umsetzen?

 

Till Brönner: Ich glaube, dass Jazz und wunderschöne, sommerliche Orte eine Kombination ist, die Tradition hat – das passt einfach. Wir schließen nahtlos an das an, was auch anderswo in der Welt eigentlich selbstverständlich ist – nur noch nicht in unseren Breitengraden. Wenn auch in Zukunft das Wetter mitspielt, dann sind wir bald in aller Bescheidenheit das Top-Festival mit dieser Art von Musik.

 

Ist das Festival Kampen Jazz für Sie anders als andere Auftritte?

 

Till Brönner: Für mich ist Kampen Jazz etwas, bei dem ich meinen Namen gerne gebe, weil ich Einfluss nehmen darf. Das ist anderswo schwieriger. Am Ende sind wir dennoch auf ein großes Netzwerk von Leuten angewiesen, die sagen, Brönner passt hier rein. Wir haben das Pferd einfach mal von hinten aufgezäumt und gesagt, wir fangen mit Kampen und Brönner an und gucken mal, was passiert. Das ist für mich eine Ehre und deshalb auch eine Mischung aus Urlaub und Arbeit.

 

Wie ist die Idee dazu entstanden?

 

Dariush Mizani: Kampens Tourismusdirektorin Brigit Friese hat mich vor vier Jahren angesprochen und Interesse gezeigt, auch in Kampen mal etwas zu machen. Sport gibt es schon genug auf der Insel, darum war meine Idee, etwas Außerordentliches im Musikbereich zu machen. Ich war schon damals mit Till Brönner befreundet und habe ihn gefragt, ob wir das Festival nicht unter seinem Namen veranstalten wollen. Dann kamen Bürgermeisterin Steffi Böhm und Hotelier Dirk Erdmann hinzu und wir waren uns schnell einig. Dank der Sponsoren konnten wir das Festival für das Publikum sogar kostenlos anbieten. 

 

Wie haben Sie und Till Brönner sich kennen gelernt?

 

Dariush Mizani: Wir haben uns auf einer Veranstaltung in Hannover vor zehn Jahren kennengelernt und uns später in St. Peter-Ording wiedergetroffen. Von da an haben wir den Kontakt gehalten.

 

Till Brönner: Ich werde häufiger von Leuten angesprochen, mit ihnen zusammenzuarbeiten, aber mit den wenigsten hat man musikalisch den gleichen Draht. Dariush ist selber ein großer Jazzfan, darum kamen wir schnell zusammen. Das ist eigentlich auch der schönste Teil des ganzen Festivals: Sich auf langen Autofahrten zu überlegen, was in Kampen stattfinden soll. Wir sind frei von der Frage, was en Vogue ist oder was gerade veröffentlicht wird. Dieser Veröffentlichungs-Promo-Wahn geht an diesem Festival einfach vorbei.

 

Sie hatten bereits eine Fotoausstellung hier in Kampen und waren in der Jury des Henner-Krogh-Förderpreises – wird Till Brönner jetzt bald Sylter?

 

Till Brönner: (lacht) Ich glaube die Frage mag jeder gerne, der sich hier betätigt. Natürlich kann ich mir vorstellen, hier zu leben – ich habe mich ausgesprochen in die Insel verliebt. Aber ich denke, dazu brauchen wir noch ein paar Festivals mehr, bis das klappt. Foto: sc