Handy-Empfang: Ab Klanxbüll geht nichts mehr

Telefonieren als Lotteriespiel

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Do, 23. Jan 2020
Sylt

Von Frank Berno Timm

 

Insel Sylt. Es klingt, als wäre in das Handy ein Gitarrenverzerrer eingebaut: Die Stimme auf der anderen Seite ist, wenn überhaupt, nur noch als Geräusch hörbar, dann bricht das Gespräch ganz ab: So geht Kommunikation offensichtlich im 21. Jahrhundert. In den Zügen der in die Kritik geratenen Marschbahn ist auch das Telefonieren ein Lotteriespiel: Spätestens ab Klanxbüll geht nichts mehr. Als Mobiltelefone aufkamen, gab es die Klagen auch in den Zügen der Deutschen Bahn (DB). Grund ist die Wirkung der metallenen Außenhaut des Zuges, die wie ein Faradayscher Käfig Signale von und nach außen blockiert. Die Deutsche Bahn baute Repeater in die ICE ein, das sind kleine Geräte, die eine Verbindung herstellen.

Wäre das nicht auch für die 78 Marschbahnwagen eine Lösung? „Es sind keine Repeater für die Wagen vorgesehen“, antwortet Dennis Fiedel, Pressesprecher der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein GmbH (NAH.SH GmbH). Allerdings würden die Fahrzeuge im Rahmen der anstehenden Hauptuntersuchung (eine Art Eisenbahn-TÜV) mit WLAN, also einem mobilen Internetzugang, ausgestattet, einen genauen Zeitplan könne er dafür nicht nennen. „Die Anzahl der Fahrzeuge reicht grundsätzlich aus, um einzelne Fahrzeuge oder Züge für notwendige Werkstattaufenthalte aus dem Verkehr zu nehmen“, so Fiedel. Bei der Investmentfirma Paribus Holding GmbH & Co. KG (Hamburg), der die Marschbahnwagen gehören, war zunächst gar nicht bekannt, dass diese keine Repeater haben, dies sei ein „guter Hinweis“, so Pressesprecherin Imke Wiener.

Und auf der Insel? Pressesprecher Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur sagt, gerade sei die Frist für die Erfüllung der sogenannten Versorgungsauflagen für die Telefonanbieter ausgelaufen. Versorgungsauflage heißt: Bei der Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen haben die Telekom, Vodafone und Telefónica Vorgaben bekommen: Ab 1. Januar dieses Jahres müssen 98 Prozent der Haushalte bundesweit und 97 Prozent der Haushalte je Bundesland mit einer Mindestdatenrate von 50 Mbit/Sekunde pro Antennensektor versorgt sein. Laut Michael Reifenberg ist die Planung Sache der Netzbetreiber, allerdings will die Bundesnetzagentur die vorgelegten Berichte der Telefonfirmen prüfen. Dazu werde es in jedem Bundesland eigene Messungen geben, die mehrere Wochen dauern könnten. Im Rahmen einer Gesamtbetrachtung will die Bundesnetzagentur dann über die Versorgungsauflagen entscheiden und prüfen, „welche Maßnahmen zu ergreifen sind“.

Volker Petendorf, Pressesprecher und Chef vom Dienst (CvD) der Pressestelle von Vodafone, sagt, das Netz des Unternehmens auf Sylt sei bereits gut ausgebaut und „bietet bereits jetzt eine nahezu flächendeckende Mobilfunkversorgung der Bevölkerung mit Sprachdiensten“, also mobilem Telefonieren. In den besiedelten Gebieten stellten 17 Mobilfunkstationen eine Outdoor-Versorgung von 99,9 Prozent der Bevölkerung in der gesamten Region sicher. Bis auf eine seien alle Stationen auch mit LTE ausgestattet, in diesem Jahr solle an einer solchen Station eine weitere Antenne des neuesten Standard installiert werden.

Die Marschbahn, ergänzt Petendorf, sei auf der Strecke Elmshorn–Westerland zu 97,5 Prozent mit Mobilfunk „und auch LTE“ ausgestattet. Allerdings seien an einigen Stellen in den Zügen Repeater notwendig. Petendorf weist auch darauf hin, dass Topographie, Witterung und Vegetation dem Wirkungsradius von Mobilfunktechnik mitunter physikalische Grenzen setzten, „und damit nicht alle Kunden zu jeder Zeit Handy-Empfang haben“. Der Versorgungsauftrag erstrecke sich nicht auf unbewohnte Gebiete.