Umweltausschuss und Ortsbeirat tagten am Morsum-Kliff

Politik unter freiem Himmel

Do, 11. Apr 2019
Morsum
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Sylt

Morsum.(sc) Das gute Wetter des vergangenen Wochenendes nutzten die Mitglieder des Morsumer Ortsbeirates und des Umwelt-, Küstenschutz- und Verkehrsausschusses der Gemeinde Sylt für eine  Sitzung unter freiem Himmel am Morsum-Kliff. Ausschussvorsitzender Dr. Roland Klockenhoff, zugleich Vorsitzender der Naturschutzgemeinschaft Sylt (NSG), leitete die 14 anwesenden Mitglieder vorbei an Hünengräbern, Heideflächen und Kliffkanten und präsentierte ihnen eine naturkundliche Führung, für die mancher Tourist bereitwillig einen Großteil seines Urlaubsbudgets hingeblättert hätte. 

Den Start machten die überwiegend aus der Wikinger-, Bronze- und Jungsteinzeit stammenden Grabhügel nahe des Landhauses Severins. „Am Morsum-Kliff sind so viele Hünengräber versammelt, wie sonst nirgendwo auf der Insel“, wusste Klockenhoff zu berichten. „Die meisten von ihren sind in öffentlichem Besitzt. Ihre Pflege ist gesetzlicher Auftrag der Gemeinde.“ Die größte Problematik seien heute die vielen Kaninchenlöcher, ergänzte er. 

Entlang des befestigten und geführten Weges ging es für die Gruppe dann in Richtung Kliffkante. 

„Das Morsum-Kliff ist noch aktiv“, berichtete der NSG-Vorsitzende. Soll heißen: Es bricht noch heute nach und nach ab. „Das klingt traurig, aber ein Kliff ist eben nur dann eines, wenn es abbricht.“ Das Morsum-Kliff bietet übrigens einen interessanten Einblick in seine erdgeschichtliche Entwicklung: Unter Gletschereinwirkung wurde es in der Saale-Eiszeit vor über 100 000 Jahren so gefaltet, dass seine Schichten heute nebeneinander liegen, anstatt übereinander. Die Wege entlang des Kliffs sind teilweise recht schmal und verlaufen nah an der Kante. Gesperrt werden sollten sie dennoch nicht, meint der NSG-Vorsitzende: „Natur muss erlebbar bleiben. Das Kliff würde viel an Attraktivität verlieren, könnte man es nur von unten betragten.“

Das typische Bild von der lila blühenden Heide sei zwar sehr schön, führte der Naturkunde-Experte auf dem Rückweg aus, „das zeugt aber nicht von einer vielfältigen Vegetation.“ Ein Großteil der Sylter Heide sei mittlerweile überaltert: „Die Humus-Schicht ist mehr als zehn Zentimeter dick – die Wurzeln junger Pflanzen kommen so oft gar nicht weit genug, um an den mineralhaltigen Boden zu gelangen.“ Darum sei Heidepflege so wichtig, um diese einzigartige Kulturlandschaft zu erhalten. Anderfalls würde sie sich nach und nach in Wald verwandeln. Damit wieder junge Pflanzen sprießen können, wird die obere Bodenschicht mit den darauf befindlichen Pflanzen abgestochen: Die Heide wird „geplaggt“. Eine andere Art der Heidepflege ist das kontrollierte Abbrennen, so geschehen im Sommer vergangenen Jahres. 

In einem von der Europäischen Union geförderten Projekt sollen nun jährlich rund sechs Hektar Heidefläche durch Pflegemaßnahmen verjüngt werden.  Den Start machen Heideflächen am Flughafen Sylt.